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Der Mann der ganz großen Töne

Springe. Sein Leben ist geprägt von der Musik: Schon früh lernte Cornelius Schneider-Pungs Blockflöte. Ein Klassenkamerad, der Unterricht bekam, brachte ihn auf die Idee. Für den Grundschüler war das Instrument durchaus etwas Besonderes: In der Familie wurde nicht musiziert. In wenigen Tagen geht der Kreiskantor, der vor allem in der St.-Andreas-Gemeinde tätig war, in den Ruhestand.

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Mit 13 Jahren wechselte Schneider-Pungs vom Holzblasinstrument zum Klavier. Wenig später war bei dem Schüler die Neugier für die Orgel geweckt. Das kam nicht von ungefähr: Sein Lehrer war Organist an der Nikolaikirche zu Flensburg.

Mit 15 Jahren saß der Jugendliche regelmäßig an der Orgel und machte so große Fortschritte, dass er sich nach dem Abitur 1967 entschied, in Köln Kirchenmusik zu studieren. Seine erste Organistenstelle an der Bonner Matthäikirche übernahm Schneider-Pungs noch während des Studiums. Hier bekam der junge Kirchenmusiker die Chance, seine erste neue Orgel zu planen, die 1972 fertiggestellt wurde. Im gleichen Jahr wechselte er nach Bremen in seine erste hauptamtliche Organistenstelle. Der dort angesiedelte Chor stellte den damals 22-Jährigen vor große Anforderungen: Sein Vorgänger war ein versierter Chorleiter, der von Bremen nach Berlin gewechselt war, um dort den Rias-Chor zu übernehmen.

Im Sommer 1976 wechselte auch Schneider-Pungs nach Berlin, wo er die Organistenstelle an der Grunewaldkirche erhalten hatte. Zwei Jahre später wurde ihm eine Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover angetragen, die der Springer noch bis Mitte Februar innehat.

Die Nähe zu Hannover war einer der Gründe, warum Schneider-Pungs 1981 mit der Stelle des gerade pensionierten Eberhard Jäger in der Deisterstadt liebäugelte. Ihn reizte daran vor allem das Interesse der Gemeinde, dem Gottesdienst in seiner theologischen und musikalischen Gestaltung besonderes Gewicht zu geben.

Kollegen, die in Springe gastweise die Orgel spielten, waren immer wieder davon angetan, wie gut die St.-Andreas-Gemeinde singt. Was seine Chorarbeit betrifft, so ist Schneider-Pungs stolz, dass er auch große Werke mit den Sängern aufgeführt hat, „die hier leben“. Der ganz große Konzertbetrieb war allerdings für eine Stadt wie Springe zu teuer: „Ich wollte mich auch nicht mit den Möglichkeiten von Hameln und Hannover messen. Bedauert habe ich, dass sich der Chor nicht von selbst erneuert hat.“ Viele Sänger sind in den Jahrzehnten mit dem Chorleiter älter geworden.

Ab dem Frühjahr werden Cornelius Schneider-Pungs und seine Ehefrau Bettina in Schwarzenbek bei Hamburg wohnen. „Ich freue mich darauf, mal wieder Zeit fürs Schlagzeugspielen zu haben und kleine Touren mit meinem Motorrad zu unternehmen“, sagt der Kirchenmusiker, der seit 35 Jahren leidenschaftlich gern Zweirad fährt. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, wird er Klavier- und Orgelunterricht erteilen – seine Ehefrau Bettina würde gern Flötenunterricht geben und vielleicht auch einen Chor leiten.

Langweilig wird es den beiden an ihrem neuen Wohnort sicher nicht, der Garten wartet auf eine gründliche Neugestaltung. Leicht fällt es den Eheleuten nicht, Springe zu verlassen, denn „die Arbeit hier hat sehr viel Freude gemacht und immerhin war es die längste Phase unseres Lebens, die wir hier verbracht haben.“

Selbstverständlich verabschiedet sich Schneider-Pungs musikalisch aus seiner Tätigkeit. So wird er am 6. Februar, um 12 Uhr bei der Veranstaltung „Musik und Wort zur Marktzeit“ unter dem Motto „Abschied mit 3 b“ Orgelwerke in c-Moll und Es-Dur spielen. Auch der Verabschiedungsgottesdienst am 15. Februar hat ein musikalisches Schwergewicht: Zur Aufführung kommt die Messe in G-Dur von Franz Schubert, die auch schon nach der sechsmonatigen Probezeit von Cornelius Schneider-Pungs – am 28. Juni 1981 – in der St.-Andreas-Kirche erklang. hov

Zieht demnächst nach Hamburg: Cornelius Schneider-Pungs, den Freunde mit „Schnepu“ abkürzten, hinterlässt Springe ein umfangreiches Notenarchiv.

Voigtmann



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