weather-image
14°

Der Facebook-Bürgermeister

SPRINGE. Bürgernähe wünscht man sich von seinen Repräsentanten, natürlich. Wie diese Nähe aussieht, das interpretiert jeder Politiker für sich: Lässt man sich bei möglichst vielen Veranstaltungen blicken? Lädt man die Menschen zu sich ein?

Geändert, dann gelöscht: der Facebook-Beitrag von Bürgermeister Christian Springfeld zur Wahl von Donald Trump.
zett2

Autor

Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Bürgermeister Christian Springfeld ist das erste Springer Stadtoberhaupt, das unter anderem stark auf die sozialen Medien setzt: Er verbreitet dort Stellungnahmen, mischt sich in Debatten ein, verteidigt Entscheidungen. Jetzt hat er einen unglücklichen Beitrag zur US-Wahl abgesetzt – und nach Kritik gleich wieder gelöscht. „09-11 / 11-09“ postete der Bürgermeister etwas kryptisch, nachdem das Wahlergebnis feststand. Eine Anspielung, mit der in den vergangenen Tagen mehrere Internetnutzer (vor allem in den USA) die Anschläge vom 11. September 2001 (in der US-amerikanischen Kalenderschreibweise kurz 9/11) mit dem Wahltag von Donald Trump (9. November oder 11/9) in Verbindung gebracht hatten.

Springfeld selbst merkte bald, dass nicht alle den Vergleich passend fanden. Er selbst habe nur auf den 9. November anspielen wollen, spricht von einem Zahlendreher. Der Bürgermeister änderte seinen Beitrag ab und ergänzte, der Post sei „als reines ‚Zahlenspiel‘ offensichtlich so missverständlich“ gewesen. Fortan stand dort: „So wird der 9. November vom ‚Schicksalstag der Deutschen‘ zum ‚Schicksalstag der Welt‘“. Einem Kritiker antwortete Springfeld später, es stehe ihm frei, nun nicht mehr passende Kommentare zu löschen, „so wie ich auch meinen Post löschen kann, wenn er mir nicht mehr gefällt oder ich merke, dass er falsch interpretiert wird“. Und genau das tat der Bürgermeister schließlich auch: Er entfernte seinen gesamten Trump-Vergleich kurzerhand – auch der indirekte Vergleich von US-Wahltag zu Reichskristallnacht oder Mauerfall war ihm am Ende zu missverständlich.

Der NDZ erklärte Springfeld gestern, sein Post sei „relativ gedankenlos“ gewesen. Dass er sich grundsätzlich bei Facebook tummelt, bleibt für ihn aber die richtige Strategie: „Wenn ich Zeit und Luft habe, mache ich das. Ich habe viele gute Erfahrungen gemacht. Wenn da Zustimmung kommt, dann sehe ich, dass mit meiner Darstellung nicht alleine auf der Welt bin.“ Trotzdem hat er aus dem kleinen Trump-Wirbel eine Lektion gezogen: „Man muss bei Facebook furchtbar aufpassen, was man sagt.“

Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare