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Kleiner Kürbis fliegt bis in die Stratosphäre – und liefert Bilder aus 30 Kilometern Höhe

Der erste Eldagser im Weltall

Eldagsen. Es sollte ein kleiner Werbe-Gag werden – und der ist mehr als gelungen: Zusammen mit seinem Bekannten Christian von Oheimb hat Michael Jänsch aus Eldagsen einen Kürbis ins Weltall katapultiert. Der fünf Zentimeter große Astronaut, getauft auf den ulkigen Namen „King Kürbis“, galt jedoch schon bald als verschollen. Jetzt hat ein Rentner das Flugobjekt gefunden und geborgen. Die Kameras haben spektakuläre Bilder aus der Erdumlaufbahn gespeichert.

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Autor:

Markus Richter

Die nur fünf Zentimeter große Zierfrucht der Sorte „Dancing Gourd“, die auf einem Acker in Eldagsen gewachsen ist, hat damit Höhen erreicht, die nie ein Kürbis – und wahrscheinlich auch kein anderes Gemüse – zuvor gesehen hat. Jänsch erinnert sich, wie ihn sein Freund zu dem Projekt anstiftete: „Wir sind dann los, durch den Baumarkt gezogen und haben getüftelt.“ Zwei Mini-Kameras, die Bilder in HD-Qualität aufzeichnen, bestellten sie im Internet. Die Basis bot ein Styroporkarton, an dem ein Ballon mit einem Durchmesser von 170 Zentimetern befestigt wurde. Die größte Herausforderung war, „King Kürbis“ einen würdigen Platz an der Sonne zu verschaffen. „Mein Sohn Moritz hat einen Playmobil-Thron hergegeben“, sagt der Eldagser. Mit einem handelsüblichen dicken Gummiband wurde der bemalte Kürbis samt Krone dort befestigt. Im Inneren des Kartons saß der Ko-Pilot. Er droht allerdings genauso in Vergessenheit zu geraten wie damals der zweite Mann auf dem Mond nach Neil Armstrong.

Am 17. August startete das kurios bemannte Objekt mit Erlaubnis der Deutschen Flugsicherung ins All. Der Plan: Nach drei Stunden Aufstieg sollte der Heliumballon die Größe eines Einfamilienhauses haben und platzen. Per Fallschirm sollte die Kiste plus Kürbis danach eine sanfte Heimreise antreten. Dank eines GPS-Trackers verfolgten die Luftfahrtpioniere den Standort der Kürbisrakete übers Internet und hofften, das Ding so auch irgendwo auf der Erde wiederzufinden. „Doch dann hat das Gerät versagt“, sagt Jänsch. Als „King Kürbis“ auf seinem Höhenflug irgendwo hinter Braunschweig verschwunden und kein Signal mehr zu bekommen war, fürchten die Männer, ihren 1200 Euro teuren Spaß verloren zu haben. „Wir hatten die Hoffnung aufgegeben.“

Doch an diesem Wochenende kam ein erlösender Anruf eines ehrlichen Finders. Ein 85-jähriger Rentner aus der Nähe von Salzwedel hatte das Fluggerät in einem Brombeerstrauch entdeckt und aus dem recht unzugänglichen Gestrüpp befreit. Er rief die – zum Glück hinterlassene – Telefonnummer an. Jänsch und von Oheimb fuhren hin. Ergebnis: Die Kameras haben tatsächlich sensationelle Bilder aus 30 Kilometern Höhe geliefert. Trotz des Eintritts in die Stratosphäre haben die Geräte kaum gelitten. Und auch „King Kürbis“ kam wohlbehalten wieder unten an. Jetzt wollen die Weltraumprobanden einen Film daraus schneiden, der am 28. und 29. September beim Fest des Eldagser Hoflieferanten zu sehen ist. Und auch wenn der einjährige Moritz Jänsch noch nicht begreifen kann, wofür er seinen Playmobil-Sitz herausrücken musste: Auch der Knirps hat einen kleinen Beitrag zu etwas ganz Großem geleistet.



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