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Nach 20 Jahren darf auch eine Kunsttanne nadeln: Warum Walter Krienke jetzt wieder einkaufen muss

Der Baum, der drei Generationen verbindet

Eldagsen. Im Hause Krienke ist eine neue Ära angebrochen. Ein Generationswechsel, ausgelöst durch die feierliche Übergabe des ebenso bekannten wie umstrittenen Kunsttannenbaumes, den Walter Krienke vor 20 Jahren in einem hannoverschen Kaufhaus gerettet hat.

Ein Baum, der allen in der Familie Spaß macht: Marie (10) mit Mutter Christine Linde (r.), Barbara und Walter Krienke. Foto: ric

Autor:

Markus Richter

Damals sollte die zwei Meter hohe Luxus-Plastik-Tanne entsorgt werden. Der Eldag-ser Christdemokrat hatte Mitleid mit dem Gewächs aus idyllischer Industrieproduktion. Er bewies Herz, griff zu. Seitdem erfreute der Baum auch Gattin Barbara. „Och“, sagt sie, „der war immer schön.“ Doch die erstaunliche Erkenntnis: Nach 20 Jahren kann auch ein Kunstbaum Nadeln verlieren. Wegwerfen allerdings wollte das gute Stück – das aus zusammensteckbaren Teilen besteht – auch niemand. Darum hat Tochter Christine Linde samt Familie im Untergeschoss des Hauses jetzt eine (steuerfreie) Erbschaft gemacht. Nesthäkchen Marie, Opa Walters zehnjährige Enkelin, findet den Baum ganz cool: „Der pickst beim Schmücken wenigstens nicht.“ Für Mutter Christine ist es vor allem praktisch, dass sie sich nun keine Gedanken mehr um die Entsorgung machen muss. „Nach Weihnachten verstauen wir ihn im Keller.“

„Neues Erlebnis“

Verstohlen wirft Walter Krienke dann doch den einen oder anderen Blick auf sein grünes Schätzchen. Und er weiß, dass für ihn nun eine neue Ära beginnt: die des Naturbaum-Kaufens. Ob er es rechtzeitig geschafft hat, ist fraglich – bis zum 22. jedenfalls noch nicht. „Ein neues Erlebnis im Alter“, sagt der Eldagsener und schmunzelt liebenswürdig, wie es eben so seine Art ist. Der neue echte Baum soll auf jeden Fall viel kleiner werden und auf dem Tisch stehen können.

Familie Linde hat allerdings beim Schmücken des „Gewächses“ mit einer Tradition gebrochen: Aus reiner Bequemlichkeit wurde statt einer Lichterkette einfach ein Schlauch über die Zweige gelegt. „Eine Kette wäre viel zu viel Arbeit, hat mein Mann gesagt“, lacht Christine. Immerhin: Der Plastikschlauch ist sozusagen stilecht, passt er doch gut zum Kunstbaum.

Fast zeitgleich zur Eldagsener Baum-Revolution hat im Haus an der Büsingstraße eine neue Tradition Einzug gehalten: das Friedenslicht, entzündet in der St.-Alexandri-Kirche. Alle vier Tage wird die Kerze gewechselt. Das Licht soll bis Maria Lichtmess brennen, Tag und Nacht, sagt Walter Krienke. Und das ist erst im Februar. Bis dahin wird der neue, echte, kleine Baum längst entsorgt sein – wenn es denn überhaupt noch einen gibt…



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