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Dem Bennigser Hochwasser auf der Spur

BENNIGSEN. Endlich kam er, der lang ersehnte Regen. Während einige Landwirte nach der anhaltenden Trockenheit aufatmen, wächst dafür der Ärger in Bennigsen. Dort kämpfen Unternehmer mit erheblichen Überschwemmungs-Problemen. Ein Besuch.

Ralf Kilian (54) steht auf dem neuen Deich. . FOTOS: HERRMANN

Autor

Bernhard Herrmann Reporter

Der Regen sorgte am Dienstagabend vor allem im Gewerbegebiet an der Allerfeldstraße für Überschwemmungen, zum Unmut der Grundstücksbesitzer. Jetzt schützen sich die Unternehmer mit einem eigenen Deich vor dem Wasser und den Überflutungen eines neuen Stausees, der einen zu geringen Wasserabfluss in den Hüpeder Bach aufweist.

Nicht mal ein Jahr ist es her, da führte ein zweitägiger Dauerregen zu mehreren Überschwemmungen in Bennigsen. Davon waren auch die Betriebe Gerüstbau Kilian und Bagger Voges im Gewerbegebiet betroffen, vor deren Grundstücken der im Deister entspringende Hüpeder Bach entlangfließt. In dem Gewässer sammelt sich bei Regen auf dem Weg von Steinkrug durch Bennigsen das Oberflächenwasser – das jetzt am tiefsten Punkt im Gewerbegebiet als reißender Bach über die Ufer trat und die Umgebung überschwemmte.

Am Dienstagnachmittag zog über Bennigsen ein rund 90-minütiger Landregen hinweg. Und erneut kam es zu Überschwemmungen im Gewerbegebiet, der Gestorfer Straße und im Oberdorf. Das führte zu mehreren Einsätzen der Ortsfeuerwehr. Die Einsatzkräfte mussten das Regenwasser abpumpen, auch wieder auf dem Hof von Kilian-Gerüstbau. Weil für die folgenden Tage erneut Regen von den Wetterdiensten vorhergesagt ist, holte Firmeninhaber Ralf Kilian kurzerhand seinen Nachbarn Klaus Voges mit einem Bagger auf sein Grundstück, um dieses mit einem hohen Erdwall gegen die kommenden Wassermassen zu sichern.

Der 54-jährige Kilian läuft am Dienstagabend schimpfend über den großen Hof seiner Gerüstbaufirma – und ist verärgert über die Baumaßnahmen vor seinem Zaun. Was ist passiert? Der Hüpeder Bach macht an Kilians Grundstück einen Rechtsknick und fließt parallel zur „Grünen Aue“ direkt dahinter weiter in Richtung Hüpede.

Ende Mai rückte ein Bauunternehmen an und baggerte etwa fünf Wochen lang für den Hüpeder Bach ein neues Flussbett und einen riesigen Stausee, berichtet Kilian. „Jetzt fehlt nur noch ein Steg vom Grundstück in den See und wir könnten einen Tretbootsbetrieb mit Ausflugslokal aufmachen“, sagt Kilian ironisch.

Weil nach dem Landregen am Dienstag das Wasser des Stausees bereits bis hoch an den Maschendrahtzaun stand, sei völlig unklar, was passiert, wenn ein anhaltender Starkregen wie im Jahr 2017 kommt. Daher schützt der Inhaber nun seinen Betreib mit einem Deich auf seinem Grundstück vor neuen Überflutungen.

Einen Pumpenschacht hat Kilian nach den Überflutungen 2017 auf dem Hof angelegt, in dem sich das Oberflächenwasser sammeln kann. Am Dienstag stand das Wasser etwa 20 Zentimeter hoch auf dem Hof und wurde von der Feuerwehr abgepumpt.

Kilian macht seinem Ärger Luft, den er mit dem Hochwasser 2016 und im vergangenen Jahr hatte. „Glücklicherweise haben wir eine Gebäudeversicherung mit der Deckung für Elementarschäden“, sagt der 54-Jährige. „Allein der im Jahr 2017 angerichtete Hochwasserschaden betrug am Gebäude 70 000 Euro, an Werkzeugen und Maschinen 17 000 Euro und zwei Tage lang konnten zwölf Mitarbeiter bei uns nicht arbeiten.“ Mit der Schadenregulierung durch die Versicherung kam parallel die Kündigung des Vertrags.

Derzeit laufen Bauarbeiten, bei denen ein Rohr vom neuen Regenrückhaltebecken an der Schille, die etwa 1,25 Millionen Liter Wasser aus dem Oberdorf speicher soll, quer durch die Felder bis zu dem Stausee bei Kilian. „Wenn dieses Wasser noch dazukommt, wie hoch steigt dann der Wasserspiegel im Stausee?“, fragt er.

Angeblich soll das Fassungsvermögen des Stausees ausreichen, wurde dem Unternehmer von einer Verantwortlichen gesagt. Das Gegenteil ist aber nach dem Regen am Dienstag der Fall. Offensichtlich ist die Abflussmenge des Wassers aus dem Stausee weiter in den Hüpeder Bach bereits für einen kurzen Regen falsch berechnet worden, vermutet Kilian.

Während Kilian und Voges weiter den Deich mit einem Bagger bauten, meldete ein Bauunternehmen der Stadtentwässerung, dass das Regenwasser aus der Baustelle der Sebastian-Kneipp-Straße zum Regenrückhaltebecken nicht abfließt und Anwohner bereits Wasser im Keller haben.

Mitarbeiter der Stadtentwässerung rückten mit einem Spülwagen an und spülten das verstopfte Kunststoffrohr frei, damit das Oberflächenwasser abfließen konnte.



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