weather-image
29°

Das steckt hinter dem Rekordgewinn der Stadtwerke

SPRINGE. Vielleicht wusste Christian Springfeld am Mittwoch nicht so recht, ob er sich freuen sollte über den Rekordgewinn der Stadtwerke von 1,35 Millionen Euro. Denn andererseits profitiert die Stadt davon nicht direkt.

Nördlich des Bison-Sportplatzes könnten bald die Bagger rollen: Die Stadtwerke wollen ein Heizwerk bauen. FOTO: MISCHER
zett2

Autor

Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Die Stadt als größter Gesellschafter sieht von dem Geldsegen nichts – erst nächstes Jahr, nach dem erhofften Abschluss eines langen Rechtsstreits, erwartet man im Rathaus eine größere Ausschüttung. Und zusätzlich eine große Gewerbesteuersumme.

Denn weil die Stadtwerke in den vergangenen Jahren mit Zustimmung der Gesellschafter ihren Gewinn stets intern zurückstellen mussten, um floß keine Ausschüttung. Und damit auch keine Gewerbesteuer. Hintergrund ist ein Gerichtsprozess, der schon seit Jahren zwischen den Stadtwerken und Konkurrent Avacon (vorher Eon-Avacon) wogt. Es geht um die Übernahme des Springer Netzes, um Pachthöhen und Entgelte. Diekmann hofft in diesem Jahr auf ein Urteil: Im Juni geht es vors Oberlandesgericht Celle.

Wenn die Streitpunkte geklärt sind, sollen im kommenden Jahr, so plant es die Stadt, 915 000 Euro Gewinnausschüttung fließen – in dieser Höhe als Einmaleffekt und Resultat aus dem Urteil. Schon die Jahre danach plant man im Rathaus vorsichtiger: Die vorgesehenen Einnahmen sinken auf 254 000 Euro (2019) beziehungsweise auf 162 000 Euro im Jahr 2020.

Fraglich ist ohnehin, wie sich die Gewinnausschüttung entwickeln wird: Denn die nächsten großen Ausgaben, die Diekmann gerne überwiegend aus Eigenkapital stemmen will, stehen schon an: Zum Fernwärmenetz müsste das Unternehmen trotz einer Fördersumme von bis zu 80 Prozent der Kosten eine niedrige einstellige Millionensumme zuschießen.

Und: Der Kauf von Strom- und Gasnetz steht an. Ersterer sei nach einem positiven Gerichtsbeschluss bereits eingeplant und finanziert, erklärt Diekmann. Das Gasnetz übernehmen die Stadtwerke einem bereits unterzeichneten Vertrag zufolge zum 1. Januar 2020 zu einem Preis von 14,8 Millionen Euro. Man wolle bis dahin möglichst viel Eigenkapital aufbauen, um die Kosten für die Gesellschafter oder die Belastung durch Fremdkapital gering zu halten. Bedeutet aber auch: Die Gesellschafter wie die Stadt oder Energieversorger BS Energy aus Braunschweig müssten erneut auf Teile der Gewinnausschüttungen verzichten. Langfristig, da ist Diekmann sicher, würden diese jedoch davon profitieren.

Der Geschäftsführer blickt nun erst mal auf das nächste Großprojekt: Die Verlegung eines Fernwärmenetzes samt Glasfaserleitung in der Kernstadt. Noch in diesem Monat, so hofft er, könnte der Förderbescheid vom Bund kommen. Dann könnte auch die Stadt in die Planungen einsteigen: „Wir werden parallel das Straßen- und Kanalprogramm aus zehn Jahren in zweieinhalb stemmen – das ist ein erheblicher Umfang“, erinnert Springfeld.

Fest steht bereits, wo das neue Heizwerk samt Betriebshof für das Netz hinkommt: Statt an der Kläranlage nahe des Wertstoffhofs soll die Anlage nun auf einem leeren Grundstück nördlich des Bison-Sportplatzes gebaut werden.

Beim bestehenden Wärmenetz stocken die Stadtwerke ebenfalls auf: Durch den Bau des zweiten Abschnitts im Gebiet „Großer Graben“ hat das Unternehmen die dortige Nahwärmeversorgung um ein zweites Blockheizmodul erweitert; die dritte Ausbaustufe soll noch in diesem Jahr folgen.

Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare