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Das sind die Verlierer und Gewinner des Hochwassers

SPRINGE. Tagelanger Dauerregen sorgte für zahlreiche Einsätze der Feuerwehr. Tief Alfred brachte zig Liter Regen pro Quadratmeter. Und: Es war nicht der erste Dauerregen des Sommers. Viele Menschen sind verärgert und frustriert, weil ihr Keller nach dem Dauerregen vollgelaufen ist, andere sind einfach nur genervt.

Besonders gefragt in diesen Tagen: Gummistiefel. Foto: Mischer
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Sandra Hermes Redakteurin zur Autorenseite

Doch der verregnete Sommer bringt nicht nur Verlierer hervor.

Die Gewinner des Dauerregens

Ein kurzer Gang zum Bäcker, schon hat Versicherungskaufmann Heino Zimmer zwei neue Termine für Beratungsgespräche zum Thema Elementarschadenversicherung. „Aktuell fahre ich von früh bis spät gemeldete Schäden ab“, sagt er. Er ist ständig in Kontakt mit Firmen in Hannover oder Hildesheim, die in der Lage sind, rasch eine Vielzahl von (bereits versicherten) Häusern trocken zu legen. Die Geräte dafür kommen teilweise schon aus dem Ruhrgebiet. „Unsere Kunden sind jetzt extrem sensibilisiert dafür, was Unwetter auch hier anrichten können“, sagt der LVM-Agenturinhaber aus Eldagsen.

Bei der Firma Rohr-Fit in Springe stehen die Telefone seit ein paar Tagen nicht mehr still. Vier Mitarbeiter koordinieren, wohin die Kanalfachleute ausrücken müssen. „Wer nicht schon in der Kundenkartei steht, muss warten“, sagt Inhaber Björn Jungfer. Außerdem habe er seine Mitarbeiter gerade von allen geplanten Baustellen abgezogen, um zunächst das Dringlichste zu erledigen. „Bei solchem Regen macht sich jedes noch so kleine Loch bemerkbar“, erklärt Jungfer. „Durch Wurzeln verstopfte Kanäle, die bei normalem Regen noch funktionieren, laufen sofort über.“ Wirtschaftlich profitierten sie natürlich von diesem Wetter, dafür arbeiteten gerade alle an der Leistungsgrenze.

Wer wirtschaftlich auch seinen Nutzen aus der Situation zieht, ist der Raiffeisenmarkt in Eldagsen. „Es ging gleich Dienstagmorgen los“, sagt Mitarbeiterin Stephanie Mantz. Ob Gummistiefel, Schläuche, Tauchpumpen, Regenjacken oder -hosen – „wir sind fast leer gekauft worden.“ Und ein Ende sei noch nicht in Sicht. „Jetzt werden Produkte zur Beseitigung der Schäden gekauft, zum Beispiel Schimmelpilzentferner.

Überall Pfützen und überflutete Wiesen: Nach dem Hochwasser kommen die Stechmücken – und damit gehören sie auf verdrehte Weise auch irgendwie zu den Gewinnern des Regens. Das Hochwasser führt dazu, dass Mücken aus schon vor Jahren abgelegten Eiern schlüpfen können. Dank der Brutplätze können sich die stechenden Biester massenhaft vermehren. „Es könnte eine kleine Mückenplage geben. Es sei denn, es folgt jetzt eine sehr heiße Phase und die in den Pfützen abgelegten Eier vertrocknen“, sagt Rudi Krause, stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbunds Springe.

Die Verlierer des Dauerregens

Lieber Badewanne als Sonnenbad? Auf der Verliererseite des Hochwassers stehen auf jeden Fall die Freibäder. Weniger Einnahmen und an zwei Tagen blieben die Bäder sogar ganz geschlossen. Als weitere Folge des Dauerregens ist der Freibadverein Eldagsen jetzt sogar gezwungen, das für Sonnabend geplante Beachvolleyball-Turnier und das für denselben Tag vorgesehene Freibadfest um eine Woche (auf den 5. August) zu verschieben. „Außer einer Schlammschlacht ist hier derzeit kein Spiel möglich“, sagt Freibadchef Wolfram Feuerhake beim Blick auf das unter Wasser stehende Volleyballfeld enttäuscht.

Für den Nachwuchs von Vögeln ist der Dauerregen nach Einschätzung des Nabu auch ein Problem. „Nester, die aus dem Baum gespült wurden, haben keine Chance“, sagt Rudi Krause. Für die Jungtiere sei das Wetter der vergangenen Tage eine „Katastrophe“ gewesen. „Entweder sie konnten sich retten oder eben nicht.“ Auch Tiere, die unter der Erde leben, wie Mäuse, Hamster oder Kaninchen, hätten es im Moment schwer. „Sie müssen den Bau verlassen“, so Krause.

Das Wisentgehege zieht normalerweise Tagestouristen an. In dieser Woche waren es deutlich weniger – am Dienstag war niemand dort. „Ausgerechnet in den Ferien ist das Regenwetter schon ärgerlich“, sagt Thomas Hennig, Leiter des Wisentgeheges.

Arbeiten an Baustellen können bei Dauerregen nur schwer ausgeführt werden und bergen sogar Gefahren. Bei Maurern wird der Mörtel zu flüssig und Arbeiten auf Dächern sind riskant, weil die Arbeiter ausrutschen könnten. „Die Branche kennt aber solche witterungsbedingten Ausfälle“, sagt Timo Bertel von der Verkehrsbehörde der Stadt. Aktuell gebe es nur die Baustelle an der Unfallkreuzung in Gestorf. „Hier ist die Situation nicht dramatischer als sonst; spätestens Montag fließt dort der Verkehr wieder.“shrm/kw



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