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Drei Jahre nach der Eröffnung der Sucht-Einrichtung Sonnenhof ist die Nachfrage ungebrochen

„Das Leben hat sie in die Knie gezwungen“

Völksen. Kochen statt Heroin spritzen. Kickern statt Beschaffungskriminalität. Seit drei Jahren können 34 Männer und Frauen im Sonnenhof in Völksen den Ausbruch schaffen aus einem Leben mit Drogen. Und die Nachfrage ist riesig: „Wir sind immer voll ausgelastet“, sagt Sozialarbeiter Martin Doschat. Täglich kommen mehrere Anfragen – nicht nur aus Springe und Umgebung: „Wir haben auch Bewohner aus Bremen und Göttingen.“

Ein Wandschmuck auf dem Völksener Sonnenhof – gefertigt von einem Bewohner. Die Einrichtung ist komplett ausgebucht. Foto:
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Sie alle sollen in der Langzeiteinrichtung wieder an einen geregelten Tagesablauf gewöhnt werden – und die Drogen möglichst hinter sich lassen. Jeden Tag kommt ein Arzt aus dem Ort in die Einrichtung, er substituiert die Patienten – soll heißen: Er versorgt sie mit Medikamenten, die den Suchtdruck lindern sollen. „Den Bewohnern die Gier nehmen“, nennt Sozialarbeiter Doschat das.

Kaum einer der Männer und Frauen ist jünger als 35 Jahre. „In dem Alter wird man erfahrungsmäßig besser mit der Sucht fertig“, sagt der Sozialarbeiter. „Die Jüngeren müssen immer noch mal los auf die Piste, Partys feiern.“ Die Älteren – sie habe „das Leben schon in die Knie gezwungen“. Sie leben von Hartz IV, vor ihrem Umzug nach Völksen manchmal auf der Straße. Und kommen nicht mehr zurecht mit sich. Einige begehen Diebstähle, um Drogen zu finanzieren.

Im Sonnenhof soll sich das ändern: Feste Zeitstrukturen, Hausarbeit, kochen oder mal tapezieren. Mehrere Sozialarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um die Bewohner. Dazu kommen fünf sogenannte Arbeitsanleiter: ein Koch, ein Gärtner oder ein Tischler, die gemeinsam mit den Süchtigen das Gelände und die Häuser in Schuss halten.

Für Sozialarbeiter Doschat und seine Kollegen geht es auch darum, die Männer und Frauen wieder ins richtige Leben zu führen. Doch das ist schwer – manchmal unmöglich: „Es sind auch Leute dabei, die werden hier nie wieder ausziehen“, sagt er. Die Jobsuche ist ein Problem – der Wohnort ein anderer. Viele kommen aus Hannover, dem „Drogenumschlagplatz Nummer 1 in Niedersachsen“, sagt Doschat. Und in die Landeshauptstadt zurück will kaum einer von ihnen. Denn dort warten alte Bekannte, alte Gewohnheiten.

Doch hin und wieder ist die Gefahr ganz nah, vor der Tür: „Es kommt vor, dass an der Straße Dealer stehen“, sagt Doschat. Die Kriminellen wissen, wen sie hier in Versuchung führen können. Doschat klingt stolz, als er sagt: „Denen haben die Bewohner gesagt: ‚Du bist hier fehl am Platze.‘“ Dazu kommt: Aus Sicht des Sozialarbeiters kommt man überall an Drogen, wenn man will: „Jedes Örtchen hat seinen Dealer.“

Der Sonnenhof wird zusammen mit der Einrichtung „Schloss Gestorf“ von der gemeinnützigen Step GmbH aus Hannover betrieben – einer Tochtergesellschaft des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Finanziert wird der Aufenthalt der Bewohner vom jeweiligen Sozialträger – etwa der Region Hannover. Die Einrichtung bietet Eingliederungshilfe nach dem Sozialgesetzbuch. Auch die Politik interessiert das Angebot: Am Donnerstagabend informierten sich die Mitglieder des Sozialausschusses im Sonnenhof.



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