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Das Hochwasser von Bennigsen – Teil 2: Richtig versichert?

SPRINGE/BENNIGSEN. Der 22. Juli: Nach einem starken Unwetter standen Straßen und Keller in Bennigsen unter Wasser, mehr als 100 Schäden registrierten allein zwei Versicherungen. Die NDZ nimmt sich des Themas an: Was passierte eigentlich genau an diesem 22. Juli? Und wer war wie versichert?

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Autor:

VON BERNHARD HERRMANN

VOLLER KANAL

Es war eine unheilvolle Kombination am 22. Juli: Durch den nachmittäglichen Starkregen in Bennigsen kam es neben den Überflutungen der beiden Entwässerungsgräben und des Hüpeder Baches dazu, dass die alte Mischwasserkanalisation die enormen Mengen Oberflächenwasser vornehmlich in den Straßen oberhalb der Straße Osterland nicht aufnehmen konnte. Dadurch kam es in etwa 80 Fällen zu Überschwemmungen von Grundstücken, Kellern und Garagen. Laut Dieter Erdmann, Leiter der Stadtentwässerung der Stadt Springe, war allein das neue vierteilige Regenrückhaltebecken an der Bahnlinie in Verlängerung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße, das eigentlich erst Mitte September in Betrieb geht, mit 1,25 Millionen Litern Wasser vollgelaufen.

Das Wasser aus den Becken wird in den Bach Schille eingeleitet. Die laufende Trennung der alten Mischwasserkanäle in den Straßen in separate Kanäle für Schmutzwasser (aus Toiletten, Duschen und Waschmaschinen) sowie Regenwasser werden noch dauern – so würden etwa zehn Jahre lang pro Jahr zwei Straßen saniert.

 

SCHÄDEN UND VERSICHERUNGEN

 

Wie groß der Unwetter-Schaden am 22. Juli war, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Allein an zwei Versicherungsunternehmen in Bennigsen haben sich danach 102 Einwohner gewendet. Alle beklagen Schäden durch Überflutungen in Wohnhäusern und Wohnungen sowie am Hausrat.

Beide Geschädigte, die sich an die Ergo-Versicherung gewandt haben, besitzen keine Elementarschaden-Versicherung für Gebäude und Wohnungen, sagt Fachmann Bernd Wolter. Die Schadensumme dort beträgt insgesamt etwa 1000 Euro – und muss von den Geschädigten selbst getragen werden.

Der Großteil der Schäden wird bei der VGH bearbeitet: „Uns wurden etwa 100 Wohngebäude- und Hausratschäden aus dem gesamten Ort gemeldet“, sagt Christian Worms, Sprecher des Unternehmes.

Eine erste, vorläufige Schätzung ergibt eine große Spannweite. Manch ein Hauseigentümer ist mit 2000 Euro glimpflich davongekommen – in anderen Fällen könnte die Summe laut Worms aus bis zu 100 000 Euro steigen. Insgesamt bewegen sich die Schäden bei etwa einer halben Million Euro.

Das vermehrte Auftreten auch lokal begrenzter Extremwetterereignisse im Zuge des Klimawandels – wie Starkregen – verdeutlicht auch aus seiner Sicht die wachsende Notwendigkeit für Hausbesitzer und Mieter, sich auch gegen solche Elementarschäden abzusichern. Branchenweit ist das bislang kein Standard: Wer eine Gebäude- oder Hausratversicherung abgeschlossen hat, muss in der Regel nachbessern.

Darüber hinaus können sich Hausbesitzer durch bauliche Präventionsmaßnahmen schützen – etwa durch den Einbau von Rückstauklappen, die übrigens durch die Kommunalsatzung der Stadt Springe auch gesetzlich vorgeschrieben sind.

 

KOMMT DER STEUERZAHLER FÜR SCHÄDEN AUF?

 

„Für die Bürger betroffener Städte oder Gemeinden gibt es keine gesetzlichen Regelungen, nach denen diese Schäden ersetzt bekommen, die nicht über eine Elementarversicherung abgedeckt sind“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann.

In zurückliegenden Katastrophenfällen, zum Beispiel durch Hochwasser, sind bei Land, Bund und Europäischer Union Fördertöpfe eingerichtet worden. „Dabei handelte es sich aber um freiwillige Leistungen, die auf Grundlage politischer Beschlüsse erbracht worden sind“, sagt Abelmann.



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