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Barbara Walsgott: Die Macherin des Quilisma-Chores über ihre Arbeit und ihre Auszeichnung

„Das hat mich emotional tief berührt“

Springe (jemi). Zur Ruhe kommt Barbara Walsgott nur selten. Als Ort für das Interview mit der Zeitung schlägt sie die St.-Andreas-Kirche vor. Hier kann die engagierte Springerin abschalten. Die dicken Mauern helfen ihr, die vielen anstehenden Aufgaben zumindest kurzfristig aus dem Kopf zu bekommen. Walsgott ist die Macherin des Quilisma-Chors – und das seit den 80er-Jahren.

Barbara Walsgott vor der St.-Andreas-Kirche: Sie hat die Kostüme

1985 hatte sie das Bedürfnis, „etwas für Kinder zu machen“. Gemeinsam mit Kai-Uwe Jirka gründete sie den Kinder- und Jugendchor Quilisma, der auch über 20 Jahre später noch sehr erfolgreich ist und immer wieder mit tollen Auftritten auf sich aufmerksam macht. Preise und Auszeichnungen kommen da fast wie von selbst.

Erst am vergangenen Wochenende bekam Walsgott für ihr ehrenamtliches Engagement den niedersächsischen Preis „Unbezahlbar und Freiwillig“ überreicht. „Für mich hat sich in diesem Moment ein sehr persönlicher Kreis geschlossen“, sagt sie. Sie erzählt von ihrer Freundin Ulla Mügge, die 2007 starb. Mügge suchte 1984 den Kontakt zu Walsgott, die damals vom Erzgebirge nach Springe kam und sich über die Offenheit Mügges freute. Die beiden Frauen organisierten schon kurze Zeit später das erste Krippenspiel, das dann jährlich aufgeführt wurde. In diesem Winter wird das 25. Krippenspiel „Die Weihnachtswurzel“ aufgeführt. Dafür wurde Walsgott nun ausgezeichnet. „Den Preis habe ich an dem Tag bekommen, an dem Ulla Geburtstag hatte. Das hat mich emotional tief berührt“, sagt die Springerin. Für sie sei das mehr als ein Zufall.

Auszeichnung bringt gemischte Gefühle

Die Auszeichnung habe sie mit gemischten Gefühlen entgegengenommen: „Erst habe ich mich sehr gefreut. Dann habe ich gedacht, dass so viele andere es auch verdient haben.“ Sie widmet den Preis der St.-Petrus- und der St.-Andreas-Gemeinde, weil beide stets die Räume zum Proben zur Verfügung gestellt haben. Aber auch dem Trägerverein Quilisma und den beiden Chorleitern Jirka und Stephan Doormann. Zu ganz großem Dank fühlt sie sich gegenüber ihrem Mann und ihren fünf Kindern verpflichtet. „Mein Mann hat meine ehrenamtliche Aufgabe immer respektiert und das Geld verdient. Außerdem musste er häufig auf mich verzichten. Aus diesem Grund widme ich ihm auch diesen Preis.“ Der war immerhin mit 3000 Euro honoriert.

Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen macht ihr aber nicht einfach nur Spaß. Walsgott sieht sie als Lebensaufgabe. Vor allem das Krippenspiel zu Weihnachten bedeutet ihr viel. Wenn sie die Texte für die Stücke schreibt, macht sie es sich in der Nacht in ihrem Zimmer gemütlich. „Dann zünde ich ganz viele Kerzen an.“ Kerzenlicht – dieses Faible stammt noch aus ihrem Leben im Erzgebirge, meint sie. Ihr ist es wichtig, dass in den Musicals auch Humor dabei ist. Und: Für die Tochter eines Pastors sind die Geschichten der Bibel wertvoll, sie sieht sich als Vermittlerin des Kulturguts an die jungen Generationen. Mit ihren Stücken will sie auch immer wieder aktuelle Bezüge herstellen.

Wenn dann endlich der große Auftritt ansteht, sind nicht nur die Kinder und Jugendlichen aufgeregt. Auch Walsgotts Herz schlägt dann schneller, was nicht daran liegt, dass sie immer wieder als Souffleuse zum Einsatz kommt. Auf diesen Part kann und will sie nicht verzichten: „Die Kinder brauchen einen Halt in dieser Situation.“ Immer wieder versucht sie, mit ihren jungen Protagonisten Momente der Stille aufzubauen. „Das ist in dieser zappeligen Welt unbedingt notwendig.“ Nach der Aufführung kommt ein Gefühl der Leere und das Bedürfnis, auszuruhen. Nach einigen Tagen des Kraftschöpfens geht es für Walsgott gedanklich wieder an neue Projekte. Auch wenn sich ein kleiner Kreis mit der Preisvergabe am Wochenende geschlossen hat: Der große Kreis ist sicherlich noch nicht so weit. Walsgott hat noch Einiges vor.



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