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Das Ende einer jungen Ehe

SPRINGE. Von jungem Glück und großer Liebe war irgendwann in Springe nichts mehr zu spüren. Es gab täglich Streit, er schlug zu. Die Polizei notierte außer zwei Körperverletzungen auch eine Freiheitsberaubung. Vor Gericht gipfelte die gescheiterte Ehe jetzt in dem Satz: „Ich wünsche mir, dass er abgeschoben wird.“

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Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Die Voraussetzungen, unter denen das minderjährige Paar aus dem Irak an den Deister kam, waren nicht die besten. Sie flüchtete zusammen mit seiner Mutter und seinen Schwestern. Die Jesiden wurden in der Heimat verfolgt.

Er kam nach mehreren Monaten nach. Doch die vorübergehende Trennung hatte Spuren hinterlassen. Das Zusammenleben mit vier Personen in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in der Springer Innenstadt klappte mehr schlecht als recht. „Wir haben miteinander gewohnt und gegessen, aber teilweise wochenlang nicht miteinander gesprochen“, schilderte der Ehemann vor Gericht.

Die Nerven hätten blankgelegen, suchte der Anwalt des jungen Mannes nach Entschuldigungen, warum sein Mandant seiner Ehefrau das Handy mit solcher Wucht gegen den Kopf donnerte, dass sie eine stark blutende Wunde davontrug. Er räumt diese Tat ebenso ein wie zwei Ohrfeigen und einen Biss in den Oberarm an anderen Tagen. Ganz unschuldig an dem Drama sei sie aber nicht gewesen, meinte er: Sie habe ihn immer wieder provoziert.

Der stärkste Vorwurf der Staatsanwaltschaft: In den Streitmonaten zwischen Anfang Februar und Ende Mai vorigen Jahres habe er sie irgendwann eingeschlossen, damit sie nicht zur Polizei gehen könne. Diese „Freiheitsberaubung“ gab es so jedoch nicht, beteuerten beide Seiten vor Gericht. Es war die Schwiegermutter, die den Schlüssel von der Wohnungstür abzog. Vielleicht auch, damit sich die junge Frau nichts antut: Kurz zuvor habe die angekündigt, sich die Pulsadern aufzuschneiden, sollte sich nichts ändern.

Die 20-Jährige ist mittlerweile nach Süddeutschland gezogen und macht eine Ausbildung zur Arzthelferin. Es gehe ihr gut, sagte sie im Zeugenstand. Auch er scheint langsam Fuß zu fassen. Seit einem Monat arbeitet er bei einer Fastfoodkette. Nach den Handgreiflichkeiten mit seiner Ex-Frau hat er sich nichts mehr zuschulden kommen lassen.

Doch wenn Ende Juli seine Aufenthaltsgenehmigung abläuft, dürfte es für ihn schwierig werden: Auf dem Ticket, mit dem er nach Deutschland kam, steht „Familienzusammenführung“, „und die basiert ja auf der Partnerschaft zu ihr“, erklärte sein Anwalt, der mit einer Abschiebung rechnet.

Verurteilt wurde der junge Iraker dennoch; nach Jugendstrafrecht. Er muss eine Geldauflage in Höhe von 600 Euro zahlen, sich an eine Lebensberatung wenden, um künftig Überreaktionen zu vermeiden, und außerdem ein Bewerbungstraining absolvieren. Sollte er doch in Deutschland bleiben, soll er sich auch integrieren können.



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