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Das Ende der Heinrich-Göbel-Realschule in Springe

SPRINGE. Die Internetseite existiert schon nicht mehr: „Diese Domain steht zum Verkauf“ liest, wer im Netz die Adresse www.heinrich-goebel-realschule.de eingibt. Der Anfang vom Ende der Realschule hat schon viel früher begonnen. Eine Spurensuche.

Martin Deiwick (von links), Cedric Liebrum, Astrid Derks und der stellvertretende Schulleiter Timo Keil halten das ehemalige Schild der Geschwister-Scholl-Realschule, die in der Heinrich-Göbel-Realschule aufging. Bald wird auch deren Schild im großen
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

140 Tage noch. Dann ist Schluss: Wenn Astrid Derks am 31. Juli das Klassenzimmer abschließt, dann übergibt sie offiziell den Schlüssel und lässt damit nicht nur ihre Laufbahn als Pädagogin hinter sich. Mit Beginn ihrer Pensionierung wird es auch die Heinrich-Göbel-Realschule nicht mehr geben. Den Beschluss zur Schließung von Springes einziger verbliebener Realschule fällte die Politik bereits 2013 – mit der Entscheidung zur Einrichtung einer IGS. Schon damals war nämlich vorgesehen, dass die Gesamtschule irgendwann die Gerhart-Hauptmann-Schule und die Heinrich-Göbel-Realschule ersetzt. Und die Hauptschule wurde bereits im vergangenen Jahr geschlossen; Ende Februar hat der Schulausschuss die Schließung der Realschule noch einmal bestätigt.

Astrid Derks ist so etwas wie das Gesicht der Realschule – nicht nur, weil sie die einzige Lehrkraft ist, die auch noch offiziell an der Heinrich-Göbel-Schule arbeitet. Die zwei zehnten Klassen mit 59 Schülern werden zwar von bis zu 23 Pädagogen unterrichtet – die sind aber von der IGS zur Realschule abgeordnet worden. Derks war schon Lehrerin an der Geschwister-Scholl-Realschule in Eldagsen, machte deren Wechsel in die Kernstadt mit; als die Geschwister-Scholl-Schule 2004 schließlich in der Realschule aufging, machte sie dort weiter – und heute unterrichtet sie auch Schüler der IGS. Der Name der Schule spielt keine Rolle, sagt die 65-Jährige, „es kommt doch immer auf die Schüler an“, sagt sie. „Meine Ältesten haben heute schon Kinder – die ich nun unterrichte“, sagt sie und lacht.

Pragmatisch geht auch IGS-Schulleiter Cedric Liebrum mit der Schließung der Realschule um – er ist übrigens gleichzeitig deren Rektor. „Ich hoffe, dass die Raumnot unserer Schule sich entschärft“, sagt er – in die Räume, die jetzt für die Realschule genutzt werden, sollen IGS-Schüler einziehen. „Die Schülerzahl der IGS wird größer werden, es gibt also großen Raumbedarf“, konstatiert auch Martin Deiwick, zuständiger Dezernent bei der Niedersächsischen Landesschulbehörde.

Er weiß auch, dass die Zahl der Realschulen in der Region rückläufig ist: Zehn gibt es derzeit, zwei davon schließen am Ende des Schuljahres – neben der Heinrich-Göbel-Realschule ist das die Realschule Uetze. Weitere werden wohl folgen. Deiwick: „Der Trend geht in Richtung alternativer integrativer Schulformen“, sagt der Experte – und meint, dass die Realschulen meist in Integrierte Gesamtschulen oder in Oberschulen umgewandelt werden. Die Entscheidung, ob eine Realschule umgewandelt wird, fällt allerdings der Schulträger, also die Stadt.

An der grauen Backsteinwand im Flur des Realschultrakts hängt ein Monitor, auf dem der Vertretungsplan eingeblendet wird – von IGS und Realschule. Die Grenzen sind schon jetzt fließend, bald werden sie ganz verschwunden sein. Für die Schüler, die gerade lärmend von der Pause wiederkommen, ist das Ende der Schule ohnehin eher der Tag, an dem sie ihren Abschluss in der Hand halten werden. „Wir sehen uns als eine Schule – schließlich haben wir ja auch eine Schulleitung“, sagt der stellvertretende Schulleiter Timo Keil.

Eine große Feier für die Auflösung der Schule ist deshalb bislang auch nicht geplant. Lediglich für die Schüler soll es einen Festakt geben, bei dem sie auch ihre Zeugnisse erhalten.

Eine Konsequenz wird die Schließung haben: Zeugnisse, Urkunden und Unterlagen der alten Heinrich-Göbel-Realschule gehen über in das Archiv der IGS. Dort liegen schon die schriftlichen Überbleibsel der Geschwister-Scholl-Realschule, weiß Derks. Und dort werden sie wohl eine Weile liegen bleiben: Denn Schulzeugnisse müssen, qua Gesetz, mindestens 50 Jahre lang aufbewahrt werden, falls einstige Schüler sie einsehen oder kopieren möchten.



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