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Trotz Saunatemperaturen ist in manchen Branchen der Anzug Pflicht

Darf es etwas lockerer sein?

Springe. Puh! Gerade erst morgens halb zehn in Deutschland – und schon 27 Grad heiß. Vom schokoladigen Frühstückchen aus der Werbung träumen jetzt wohl die Wenigsten in Springe. Stattdessen schwitzen sie im Büro. Wäre doch schön, wenn da die Hemden und Röcke etwas kürzer als sonst sein dürften. Doch was ist erlaubt und was geht gar nicht? Die NDZ hat sich in der Stadt umgesehen. Und stößt in ähnlichen Branchen auf ganz unterschiedliche Regeln.

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Autor:

Markus Richter

Das ist schon komisch: Da dürfen die Angestellten des Geldinstituts am Freitagmittag das Wochenende einläuten, und doch verleitet der drohende Aufbruch in die Höllenhitze draußen zur Langsamkeit. Der Grund: die Klimaanlage, meint Herbert Horn, Leiter der Volksbankfiliale am Niederntor: „Zum Glück haben wir die.“ Daher gäbe es auch keinen Grund, vom normalen Dresscode abzuweichen: „Krawatten sind weiterhin Pflicht.“ Bei den Damen sollen die Röcke auch im Sitzen nicht allzu hoch rutschen.

Die Philosophie der Geldinstitute schreibt da die konservativere Bekleidungsform vor, Wüstenhitze hin oder her. Mitarbeiter Tobias Bott hat damit kein Problem: Er trägt bei jeder Temperatur seinen Anzug, ein langes Hemd, eine festgezurrte Krawatte. „Ich bin das einfach gewohnt – und ich lasse das Sakko auch in der Pause draußen an.“

Etwa lockerer geht’s da schon im Springer Rathaus zu. In kurzer Hose kommt Bürgermeister Jörg-Roger Hische am Morgen zur Arbeit geradelt – um sich dann sofort umzuziehen. Da ihn heute keine offiziellen Termine erwarten, gönnt er sich den legeren Look mit Jeans und Poloshirt. „Sonst ist für mich natürlich das lange Hemd mit der Leinenhose Pflicht.“ Den festgeschriebenen Dresscode gibt es im Rathaus nicht. „Unsere Leute haben das auch so gut im Griff.“ Sollte tatsächlich mal ein Mitarbeiter allzu viel Haut zeigen oder modisch voll daneben liegen, würden die Fachdienstleiter ihn dezent darauf hinweisen. Bei der Stadtverwaltung komme es natürlich auch auf die Art der Tätigkeit an – ob der Mitarbeiter nur im Büro sitzt, Bürgerkontakt hat, oder im Freien arbeitet.

Ob es bei Versicherungen genauso streng zugeht wie bei Banken? Zumindest im Service-Center der LVM an der Bahnhofstraße nicht. Bernd Klausing, Leiter des Hauses, hält wenig von Zwangsvorschriften. „Es muss einfach passen.“ Er selbst trägt heute keinen Anzug, stattdessen Jeans, die ja inzwischen auch „salonfähig“ seien. Gerade an heißen Tagen sei die Kleidung dennoch ein Thema, bei dem sich gerade jüngere Kollegen auf unbekanntem Terrain bewegen. „Sie fragen natürlich danach. Und ich sage Ihnen: Hauptsache ist, wir beraten unsere Kunden vernünftig.“ Damit sich die sechs Mitarbeiter wohlfühlen und fit bleiben, spendiert Klausing jede Woche einen großen, frisch gefüllten Obstkorb. Er glaubt, dass der Sommer ohnehin kurz wird: „Wenn der Weizen abgeerntet ist, kann man schon die langen Unterhosen herauskramen.“

Bis dahin hat Modeexperte Erhardt Bormann (Deisterpassage) noch einen Tipp: Im Büro Baumwolle tragen. „Leinen knittert zu sehr und wird selten akzeptiert.“ In der Freizeit sollte der Stoff unbehandelt und nicht bügelfrei sein – „dann ist es am kühlsten“.



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