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Christof Wackernagel: Terror statt Hollywood

SPRINGE.Er hatte die Wahl zwischen Hollywood oder der Roten Armee Fraktion (RAF). Christof Wackernagel hat sich für den Weg des Untergrundkämpfers entschieden. Warum entschloss sich ein junger, gebildeter Mann dazu, Terrorist zu werden? Verleger Dietrich zu Klampen hat Wackernagel für eine Lesung im OHG gewinnen können

Warum Gewalt nie ein Mittel ist: Christof Wackernagel liest im OHG aus seinem Werk „RAF oder Hollywood“.FOTO: HELMBRECHT
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Am Mittwoch las der Autor aus seinem Werk „RAF oder Hollywood“.

„Ich glaube, viele junge Menschen sind unzufrieden und fragen sich, wie sie damit umgehen und wie sie ihr Leben gestalten. Ich weiß, wie es nicht geht“, sagt Wackernagel, der zu Beginn seiner Schauspielerkarriere – und in Vor-Terror-Zeiten als der deutsche James Dean galt. Ihm sei eine Diskussion daher wichtiger als eine Lesung: „Mich interessiert, welche Probleme die jungen Menschen haben.“

Wackernagel schilderte , wie er Anfang der 1960er-Jahre den Prozess gegen Adolf Eichmann erlebte. Eine technische Sensation, schließlich wurde der Prozess live im Fernsehen übertragen, alle fieberten mit, was in Jerusalem passierte. „So sah ein Nazi aus? Ein Massenmörder? Waren sie alle so?“ Eichmann sei ganz anders gewesen als Hitler oder Goebbels, so unaufgeregt und völlig ruhig. „Ich spürte, dass ich Herzklopfen hatte – keine Angst, aber ein dumpfes, unangenehmes Gefühl.“

Er sei aufgewühlt gewesen und habe dann auch noch erfahren, als er als Zehnjähriger Fragen stellte, dass seine Tante Lily für die Nazis gearbeitet hatte.

Warum er sich dem bewaffneten Untergrund angeschlossen hat, statt Karriere in Hollywood zu machen? „Genau diese Frage kann nicht rational beantwortet werden.“ Vielmehr berichtet Wackernagel den Schülern aus der jeweiligen Zeit, was ihn beeinflusst hat was und ihn seine Meinung bilden ließ. Genau analysiert er die Zustände in Deutschland und die gesellschaftlichen Strukturen.

Seine Lesung beginnt mit dem Ende seiner RAF-Zeit. „Das war die freiste Zeit meines Lebens. Danach kam der Knast und danach der Knast der barbarischen Zwänge, in denen wir heute leben.“ 1980 wurde er nach einer Schießerei wegen Mordversuchs und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt: „Wir wurden zu dem, was wir bekämpften.“

Mal zaubert Wackernagel mit humoristischen Einwürfen den Schülern ein Schmunzeln um die Lippen – genauso schnell aber gefriert dieses wieder, wenn Wackernagel zu Beginn schildert, wie sein Freund Gert in den Bauch geschossen wird. „Bis ich meine Sig Sauer gezogen hatte und zurückschießen konnte, spuckte die Pistole vor Gerts Bauch bellend eine zweite Ladung in ihn.“

Es sind diese langen Sätze, mit denen Wackernagel mit seinen Worten aus dem Klassenzimmer einen Terrorschauplatz macht: „Ich stürmte heraus, sah mich einem Halbkreis aus knallendem Feuerwerk umgeben.“



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