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Cartoonist Uli Stein im großen NDZ-Interview

In Springes Innenstadt sind verschiedene Cartoons von ihm gerade in den Schaufensterscheiben vieler Einzelhändler zu sehen. Darüber, warum er eigentlich zeichnet, wo ihm die besten Ideen kommen und was seine Lieblingsfiguren sind, hat NDZ-Redakteur Ralf T. Mischer Anfang August mit dem Cartoonisten Uli Stein gesprochen.

Herr Stein, möchten Sie sich ihre Freiluft-Ausstellung selbst mal anschauen? Sie wohnen doch gleich um die Ecke, oder?

Uli Stein: Ja, wenn ich es irgendwie schaffe, komme ich mal vorbei und schaue mir das an. Ich fand die Idee von Herrn Schönebaum, das zu machen, auch toll.

Im Jagdschloss wurde ja schon einmal eine Schau von ihnen gezeigt, „Wow Wau“ heißt sie und dabei geht es um Hunde und ihre Halter. Was machen Sie eigentlich lieber, Cartoons über Tiere oder Cartoons über Menschen?

Tiere.

Warum?

Das Thema liegt mir mehr und man kann auch viele Dinge aus dem menschlichen Bereich auf Tiere übertragen. Wenn etwa zwei Mäuse zur Eheberatung kommen, gibt das viel mehr Möglichkeiten. Ich übertrage gern menschliche Themen auf die Tierwelt.

Könnte man die nicht gleich in der Menschenwelt ausdrücken? Oder sind Sie da lieber zurückhaltender?

Nein, das mache ich ja auch. Aber ich finde es oft charmanter und skurriler, wenn man manche Situationen im Tierreich spielen lässt.

Wie kam Ihnen eigentlich die Idee zu der berühmten Stein-Maus?

Das war schon in den 80er-Jahren, ich hatte einen Auftrag für Tierpostkarten und da habe ich dann zwei Dutzend verschiedene Motive gemacht und dabei haben wir festgestellt, dass die Fans am meisten auf die Maus abgefahren sind. Da habe ich dann einen größeren Schwerpunkt auf die Mäuse gelegt. Die Schweine und Hunde und Katzen und Pinguine kamen auch gut an, aber die Maus war eben der Favorit der Leute. Insofern war es eine Entscheidung der Fans, wenn man so will.

Bis heute wird die Maus mit ihnen ja am deutlichsten in Verbindung gebracht?

Ja, das stimmt, obwohl von allen Zeichnungen, die ich gemacht habe, ist die Maus nur ein ganz kleiner Prozentsatz meiner Arbeit.

Die Fans haben sie halt besonders gern. Sie sind ja ein Fan von Hannover 96. Wann waren Sie zuletzt im Stadion?

Das ist sehr sehr lange her, weil ich mag keine großen Menschenansammlungen. Von daher ist mir das ein wenig suspekt. Ich habe einen großen Fernseher mit über zwei Meter großer Diagonale, das reicht mir.

Und ist dann ja auch ziemlich coronasicher. Wenn sie 96 Fan sind, haben sie gerade eine große Leidensfähigkeit?

Absolut, in guten Zeiten kann jeder Fan sein. Gerade in den schlechten Zeiten muss man zu seinem Verein stehen, unbedingt.

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, diese Leidenszeit in einem Comic festzuhalten?

Nee, daran habe ich noch nicht gedacht. Wir müssen erst mal aufsteigen nächstes Jahr und dann sehen wir weiter.

Sie kommen ja vom Schreiben und haben sich irgendwann davon ab-, und dem Zeichnen zugewandt. Warum?

Ich habe irgendwann festgestellt, dass es viel spannender ist, statt eine Geschichte in vielen Worten ganz lang zu erzählen, sie in einem Moment zusammenzufassen. Auf den Punkt bringen, das hat mir sehr viel Spaß gemacht, als ich angefangen habe zu zeichnen – und das ist auch heute noch so. Manchmal müssen die Leute nachdenken, was denn da vorher passiert ist.

Wo fallen Ihnen solche Szenen ein?

Es ist bei mir nie so, dass ich irgendwo bin, etwa im Aldi, und dass ich da irgendwas sehe, zum Beispiel dass einer Frau ein Eierkarton herunterfällt und dass ich das dann unbedingt zeichnen muss. Bei Kollegen ist das manchmal anders. Aber ich setze mich abends in aller Ruhe vor ein leeres Blatt, kein Telefon, keine E-Mail, kein Geklingel, kein gar nichts. Ich will meine komplette Ruhe haben und tauche dann ein in meine Ideen-Welt. Dabei stell ich mir meist die Was-Wäre-Wenn-Frage. Was wäre, wenn sich ein Schwein beim Metzger bewirbt als Azubi. Das zeichne ich dann. Am nächsten Morgen schaue ich dann noch mal mein Gescribbel durch und entscheide, was davon zu gebrauchen ist. Die Ideen kommen aber immer abends.

Wo sitzen Sie dabei? Am Schreibtisch?

Auf meinem Sofa (lacht) Bei mir kommen die besten Ideen im Liegen. Da hat jeder andere Zugänge, unter der Dusche ist mir noch nie was eingefallen.

Wollen Sie mit ihren Cartoons eigentlich Botschaften vermitteln?

Ich zähle mich zur Unterhaltungsbranche, ich will keine Message rüberbringen und auch niemanden Belehren. Die Leute sollen Spaß haben und sich freuen, denn so viel Spaß hat man ja nicht mehr heutzutage.

Gerade in diesen Zeiten nicht… Gab es mal einen Cartoon, den sie gezeichnet haben und der es nicht zur Veröffentlichung geschafft hat?

Nein, Catprint Media, die Agentur, die mich betreut, trifft sehr bewusst die Entscheidung, wer welchen Cartoon vorgelegt bekommt. Die schwarzhumorigen Cartoons werden oft ausgesiebt, die kommen dann in Bücher. Wir wählen vorab aus, was für welche Veröffentlichung geeignet ist. Oft merke ich abends schon, wenn mir ein schwarzhumoriger Cartoon einfällt, ohohoh, das wird nie jemand akzeptieren, dann mache ich den trotzdem, der kommt dann in ein Buch.

Haben sich durch Internet und Social Media eigentlich die Vertriebskanäle geändert?

Das Hauptaugenmerk der Agentur liegt auf Zeitschriften und Zeitungen. Aber auf meiner Website ulistein.de gibt es jeden Tag einen neuen Cartoon und einen Fotobeitrag in meinem „Notizbuch“.

Wenn Sie einen Cartoon über Springe zeichnen würden, wie sähe der aus?

Naja, ich mag ja Tiere, es wäre durchaus denkbar, dass Springes Wildsau darin vorkommt. Und die hätte dann ein dringendes Anliegen in Springe.

Was könnte das sein?

Schaun wir mal...




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