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Bushaltestellen-Ausbau: Verband rügt Springes Politik

SPRINGE. Die Stadt am Deister habe „definitiv das Anrecht auf die rote Laterne“, sagt Peer Maßmann von der „Selbsthilfe Körperbehinderter Hannover und Umgebung“. Sein Verein sei stets im regen Kontakt mit der Regiobus und organisiere mit dem Nahverkehrsanbieter auch Mobilitäts-Fortbildungen für Beeinträchtigte.

Der Verein „Selbsthilfe Körperbehinderter Hannover und Umgebung“ fordert mehr barrierefreie Bushaltestellen für Springe . Foto: Archiv
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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Doch so langsam wie in Springe gehe der barrierefreie Ausbau der Bus-Stopps nirgendwo sonst in der Region über die Bühne, sagt er. Und fordert Betroffene nun dazu auf, ihren Unmut über die Debatte in der Politik zum Ausdruck zu bringen.

Der Verein reagiert damit auf die Entscheidung der Mitglieder des Bau-Ausschusses zum barrierefreien Ausbau der Haltestellen. „Mit unbändigem Erstaunen“ habe Maßmann zur Kenntnis genommen, dass sich die Politik in der Sitzung mehrheitlich „gegen den vom Bürgermeister gewünschten Ausbau barrierefreier Bushaltestellen in Springe“ gestellt hatte.

Wie berichtet, plante die Verwaltung, insgesamt rund 380 000 Euro in den nächsten beiden Jahren zu investieren, um den von der Region in Verantwortung betriebenen Ausbau der Haltestellen zu beschleunigen. Mit knapper Mehrheit hatten die Mitglieder des Bau-Ausschusses dem Vorhaben im Mai einen Riegel vorgeschoben, vor allem mit dem Argument, keine Aufgaben im Namen der Region übernehmen zu wollen – während die Stadt auf einem Teil der Kosten sitzenbleibe. Vorgesehen war, dass binnen sechs Jahren alle Haltestellen im Stadtgebiet barrierefrei wären. Allein aus verfügbaren Regionsmitteln würde der Ausbau, laut Verwaltung, mehrere Jahrzehnte dauern.

„Viel zu lang“, schimpft Maßmann – seines Wissens nach schafft jede andere Regionskommune mindestens drei neue Haltestellen pro Jahr. „60 Prozent der Menschen mit anerkannter Schwerbehinderung wohnen im Regionsumland. In der Stadt Springe sind 11,2 Prozent der Bevölkerung betroffen“, erläutert er. Aufgrund des demografischen Wandels zeichne sich seit Jahren eine Zunahme des Bevölkerungsanteiles schwerbehinderter Menschen ab. „Unabhängig von diesen Zahlen ist Barrierefreiheit mitnichten ein Randgruppenproblem. Barrierefreiheit dient allen Menschen, so etwa Senioren, vorübergehend eingeschränkt Mobilen, Reisenden mit Gepäck und Eltern mit Kinderwagen.“

Die Forderung des Verbandes an die Politik: Sie solle „der Beschlussvorlage zum Ausbau barrierefreier Bushaltestellen ohne Abstriche“ folgen. Damit die Mitglieder des Rates sich auch so entscheiden, ruft der Aktivist Betroffene und Angehörige dazu auf, zur nächsten Ratssitzung zu kommen, während dort endgültig über das Thema entschieden wird – am Donnerstag, 27. Juni.

Mit dabei sind dann womöglich auch die Bewohner von „Young Care Springe“ am Seniorenheim an der Jägerallee – junge Pflegebedürftige, für die es in Deutschland nicht ausreichend Pflegeplätze gibt, die aber am Deister einen Platz gefunden haben. Sie klagen bereits seit Jahren darüber, dass der Fahrstuhl am Bahnhof immer wieder defekt sei. Und auch das Überqueren der Bahnschienen sei mit erheblichen Gefahren für Rollstuhl- und Rollatorfahrer verbunden. Mehrfach schon sei es dabei für Bewohner zu brenzligen Situationen gekommen, ein Unfall habe aber stets gerade noch rechtzeitig abgewendet werden können, sagt Herta Naumnann.



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