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Schöffengericht spricht Urteil nach Überfall am Ebersberg / Angestellten mit Messer bedroht

Brutaler Kioskraub: Haftstrafen für junge Täter

Springe (ric). Der vierte Tag der Hauptverhandlung war der vorerst letzte: Im Prozess um den gewaltsamen Kiosküberfall am Ebersberg vor einem Jahr sind drei der Angeklagten zu Haftstrafen nach Jugendrecht verurteilt worden.


Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass die Hauptschuld den 21-jährigen G. aus Hameln trifft. Er soll mit einer Sturmhaube maskiert und mit einem Messer bewaffnet den Angestellten zur Herausgabe von Bargeld und Telefonkarten gezwungen haben. G. muss für zwei Jahre und zehn Monate hinter Gitter, das Strafmaß überschreitet die Grenze für eine erneute Bewährungsstrafe, die bei zwei Jahren liegt. Das Gericht hatte „keine vernünftigen Zweifel mehr an der Schuld“. Der Anwalt hatte aufgrund vermeintlich widersprüchlicher Zeugenaussagen einen Freispruch gefordert.

Alle Angeklagten, darunter auch die Springer J. und S., sind vorbelastet: S. sitzt wegen anderer Vergehen momentan in der JA Hameln ein und wurde an allen Prozesstagen in Fußfesseln vorgeführt und von Justizbeamten begleitet. Am Kiosk-Überfall trifft ihn nach Ansicht des Gerichts die geringste Schuld, habe er doch „lediglich“ Beihilfe geleistet, indem er den Haupttätern den Weg zum Laden am Berg aufzeigte und sich dann in einiger Entfernung an einer Bushaltestelle aufhielt. Seine laufende Haftstrafe wurde um zwei auf insgesamt 26 Monate erhöht.

Der Angeklagte J., in dessen Wohnung sich die Männer zuvor versammelt hatten, soll gewusst haben, dass sich G. das Messer aus der Küche holte, das er später dem Opfer an den Hals hielt. Auch J. zog mit los, um sich dann jedoch mit S. in die Bushaltestelle zu setzen, abzuwarten und im Anschluss an die Tat zur Belohnung zehn Euro und eine Telefonkarte zu kassieren. Auch ihm stellte das Gericht trotz Geständnisses keine positive Sozialprognose: Auch in seiner neuen Heimat fernab des alten Freundeskreises soll er schon mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein. J. muss für zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter, die laufende Bewährungsstrafe bereits eingerechnet.

Der Prozess wird einige weitere Verfahren nach sich ziehen: Der vierte Angeklagte, der ebenfalls maskiert im Verkaufsraum gewesen sein soll, muss sich gesondert verantworten, weil er wie berichtet einem Verhandlungstag fern blieb. Mindestens zwei der Pflichtverteidiger schlossen zudem eine Revision nicht aus. Und: Der Anwalt des Überfall-Opfers überlegt, einen zivilrechtlichen Prozess mit Schmerzensgeld-Forderungen anzustreben. Sein Mandant, der Kiosk-Angestellte, habe einen Nervenzusammenbruch und Angstzustände erlitten und in der Folge seinen Job verloren.



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