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Bewährungsstrafe für 21-Jährigen Eldagser

ELDAGSEN. Um an Geld zu kommen, hat ein heute 21-jähriger Eldagser gleich eine ganze Reihe von Straftaten begangen: Er überfiel gemeinsam mit anderen eine Spielothek an der Langen Straße, erpresste zwei seiner Freunde und kaufte sich bei Möbelriese Ikea eine Zimmerausstattung, ohne sie bezahlen zu können.

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Autor:

Anne Brinkmann-Thies

Das Jugendschöffengericht am Springer Amtsgericht hat den jungen Mann deshalb jetzt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt – allerdings zur Bewährung.

„Es tut mir leid“, sagte der junge Mann, der alle Tatvorwürfe unumwunden einräumte. Gemeinsam mit zwei Bekannten hatte er im Oktober 2016 in der Eldagser Spielhalle rund 1200 Euro erbeutet. Zuvor hatte er an die Tür der bereits geschlossenen Spielothek geklopft. Weil die 78-jährige Aufseherin den jungen Mann vom Sehen kannte, öffnete sie ihm die Tür.

Doch dann stürmten die beiden anderen Männer, maskiert mit Sturmhauben, in den Raum. Während einer die ältere Dame in eine Ecke drängte und festhielt, erbeuteten der 21-Jährige und sein Bekannter aus einer Kasse und einem unverschlossenen Tresor das Geld. Die Beute wurde aufgeteilt, die jungen Männer fuhren nach der Tat nach Hannover und feierten kräftig. Die beiden Mittäter waren bereits vor einiger Zeit für diesen Überfall verurteilt worden.

Sein Mandant habe Geld gebraucht und sich deshalb mit Gleichgesinnten zusammengetan, erklärte der Verteidiger vor Gericht und fügte hinzu: „Das war eine blöde Idee“. Die 78-jährige Aufsicht kann seit dem Überfall vor mehr als einem Jahr keine nächtlichen Schichten mehr übernehmen. „Da habe ich ein schlechtes Gefühl“, sagte sie in ihrer Zeugenaussage. Die Entschuldigung des Angeklagten nahm sie noch im Gerichtssaal an.

Nur zwei Monate nach dieser Tat erpresste der 21-Jährige zwei Brüder um insgesamt 550 Euro: Auf einer Party erklärte er einem der beiden zunächst, er werde selbst erpresst und brauche dringend Geld. Dann drohte er ihm: Wenn er ihm das Geld nicht gebe, würde er sich rächen. Er kenne eine gewaltbereite Familie, die werde er dann mobilisieren.

Dann ging er mit beiden Brüdern zu einer örtlichen Bank, dort hob einer der beiden zunächst 50 Euro ab. Dann bedrohte der Angeklagte auch noch den anderen Bruder. Als der lediglich 20 Euro abheben wollte, schubste ihn der Angeklagte zur Seite, sodass er sich am Knie verletzte – und tippte selbst die Summe von 500 Euro ein. Was mit dem Geld anschließend geschehen ist, daran konnte sich der 21-Jährige nicht mehr erinnern. Er sei betrunken gewesen und habe Amphetamine genommen, deshalb sei sein Mandant total enthemmt gewesen, berichtete sein Verteidiger.

Im Januar dieses Jahres dann kaufte der Eldagser in dem Möbelhaus ein Bett und einen Kleiderschrank. Die EC-Karte, mit der er die Waren bezahlte, war seitens der Bank bereits gekündigt – funktionierte aber dennoch. Geld sei aber so oder so keins mehr auf dem Konto gewesen, so der Verteidiger.

Erst im August war der junge Eldagser vor dem Amtsgericht in Alfeld zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt worden: Er hatte gemeinsam mit Familienmitgliedern Falschgeld im Wert von 4000 Euro in Umlauf gebracht. Die Blüten hatte er sich in Belgien besorgt und dafür einen geringen Betrag bezahlt. Rund um Alfeld bezahlten er und die anderen Täter in verschiedenen Läden und Tankstellen mit falschen Fünzigern.

Bis kurz vor jener Verhandlung hatte der Eldagser drei Monate in Untersuchungshaft gesessen, weil er keinen festen Wohnsitz hatte. Diese Zeit hinter Gittern habe ihm deutlich vor Augen geführt, dass es so nicht weitergehen könne, erklärte der 21-Jährige. Er hat inzwischen eine Ausbildung begonnen und sein Leben komplett umgekrempelt.

In die nun vom Jugendschöffengericht verhängte eineinhalbjährige Bewährungsstrafe ist auch das Urteil vom Alfelder Amtsgericht eingeflossen. Zudem muss der junge Mann 500 Euro an die 78-jährige Aufsicht aus der Eldagser Spielhalle zahlen. Und er muss an einem sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich teilnehmen: Mit Hilfe eines Mediators setzen sich dafür der 21-Jährige und die Brüder, die er erpresst hatte, an einen Tisch.

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