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„Betteln ist nicht verboten“

Springe. Sie klingeln an der Haustür, klopfen an Autofenster – und bitten um Geld: In letzter Zeit häufen sich bei der Polizei die Beschwerden über Bettler. Kripo-Chef Hartmut Retzlaff berichtet von Meldungen aus Springe, aber auch aus Bennigsen oder Völksen. Der Beamte warnt davor, die Situation zu dramatisieren. Bürger sollten jedoch misstrauisch sein.

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„Solche Fällen haben wir immer mal“, sagt Retzlaff. Gerade nach der Vorstellung einer Kriminalitätsstatistik – wie sie die Polizei am Freitag vorlegte – seien die Leute besonders aufmerksam. Doch eingreifen können er und seine Kollegen im aktuellen Fall nicht: „Betteln ist nicht verboten.“ Wer einfach nur an der Haustür oder auf der Straße um etwas bittet, der macht nicht strafbar.

Trotzdem gelte es, misstrauisch zu sein und auf verdächtiges Verhalten zu reagieren. Denn nicht jeder, der an der Haustür klingelt, hält sich an das Gesetz. Erst am Wochenende hatte die Polizei von einem Fall berichtet, bei dem ein Rentner in Alferde auf einen alten Trick hereinfiel: Der Täter klingelt an der Tür, bittet um Wasser oder um Zettel und Stift. Wenn das Opfer sich hilfsbereit etwa in die Küche begibt, schlagen die Diebe zu, durchwühlen blitzschnell Taschen oder Schränke in Flur oder Wohnzimmer.

Auch beliebt – und natürlich verboten: Die Täter geben sich als Spendensammler aus, tun so, als wären sie taubstumm. Greifen die großzügigen Helfer zum Portemonnaie, versuchen die Diebe, heimlich viele Scheine zu erbeuten, während sie ihr Opfer ablenken oder ihm die Sicht versperren.

„Lassen sie niemanden ins Haus, den sie nicht kennen. Und lassen sie keine Nähe zu, auch nicht auf der Straße“, rät Retzlaff. Wer etwas Verdächtiges beobachtet, solle die Polizei informieren. So habe sich ein Zeuge gemeldet, dessen Grundstück von einem Unbekannten fotografiert wurde. Darauf angesprochen habe der Mann erklärt, ihm gefalle der Garten sehr gut. Das habe der Zeuge aber für eine Ausrede gehalten, sagt Retzlaff.

Im Internetportal „Facebook“ empörten sich am Wochenende gleich mehrere Springer über den ungebetenen Besuch. Dort war die Rede von der nördlichen Kernstadt – etwa im Bereich Tulpenstraße und Akazienallee. Auch in Gestorf seien die Bettler gesichtet worden.

Das sagt das Gesetz: Betteln ist nicht verboten. Problematisch wird es erst, wenn der Bettler Umstände vortäuscht, um an Geld zu gelangen – etwa eine Obdachlosigkeit oder eine andere Notsituation.

Als Ordnungswidrigkeit kann in Deutschland aufdringliches Betteln geahndet werden. Dazu zählt allerdings nicht das bloße Klingeln an der Haustür mit der Bitte um Geld. Aufdringlich bettelt etwa, wer sich Passanten in den Weg stellt, auf sie einredet oder sie verfolgt oder anfasst.



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