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Besuch am Krankenbett

Springe. Wenn sich die Springer Eltern im Mai für eine Gesamtschule entscheiden, dann geht hier alles ganz schnell. Dann sind die Mädchen und Jungen, die gerade mit ihren Eltern durch die Räume geführt werden, plötzlich Springes letzte Realschüler. Gestern lud die Heinrich-Göbel-Realschule alle Viertklässler der Stadt zum Tag der offenen Tür ein. Um eine Zukunft zu bewerben, von der niemand weiß, wie sie aussieht.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

In der Klasse 10 c steht Lehrer Michael Topp vor der neusten Errungenschaft der Schule: Das elektronische Smartboard hat hier die klassische Tafel ersetzt. Begeistert schauen zwei Jungen zu, wie Topp per Fingerzeig große Landesflaggen auf dem riesigen Bildschirm wandern lässt – perfekt für interaktiven Unterricht. Und für die Jungen definitiv ein Grund, ab dem Sommer hier zur Schule gehen zu wollen.

Im Foyer und in vielen Klassenräumen präsentieren sich die Angebote der Einrichtung: die praxisnahe Umwelt-AG, die im Wisentgehege stattfindet. Die Hausaufgaben-AG, bei der ältere Schüler die jüngeren unterstützen. Die Realschule steht eigentlich gut da mit ihren 550 Schülern. Etwa 90 Anmeldungen wird es für das kommende Schuljahr geben – an der Hauptschule sind es bislang nur sieben.

Trotzdem scheint man sich in Politik und Verwaltung weitgehend einig zu sein: Wenn, dann müssen beide Schulen gemeinsam weichen. Weil es sonst für eine neue Einrichtung zu wenig Kinder gibt in Springe. Und: Die Zahl derer, die nach der vierten Klasse die Stadt verlassen, um Gesamt- oder Privatschulen zu besuchen, steigt. Fast ein Drittel sind es inzwischen. Die Stadt kostet das hunderttausende Euro im Jahr. Darum soll gehandelt werden: Die Bildungslandschaft soll sich ändern, selbst wenn die Gesamtschule nicht kommen sollte. Auch die von Rot-Grün so ungeliebte neue Oberschule setzt in erster Linie letztlich darauf, Real- und Hauptschulen zu verschmelzen. Das macht das Aus noch wahrscheinlicher.

Im Foyer des Schulzentrums Nord steht Frank Kasburg und begrüßt die Eltern. Der Rektor hofft, dass er viele von ihnen überzeugen kann. Die endgültigen Anmeldungen stehen im Mai an. Doch die Gesamtschuldebatte hinterlässt Spuren. „Klar kommen Fragen. Manche Eltern sind verunsichert“, sagt Kasburg. Dabei muss sich zumindest der kommende Jahrgang keine Gedanken machen, sie würden in jedem Fall Realschüler bleiben. Wer hier startet, der kann bis zum Abschluss in der zehnten Klasse bleiben. Klar ist aber auch: Eine schrumpfende Schule wird weniger Personal haben, weniger Ressourcen, weniger Angebote. In diesen Bereichen müsste zumindest vorübergehend mit der neuen IGS kooperiert werden, um den jetzigen Standard zu halten. Ob das räumlich und organisatorisch möglich ist, steht in den Sternen.

Neben Kasburg im Foyer werden Waffeln gebacken, der Duft zieht weit hinein ins Gebäude, bis zu Jan Schweinsberg und seiner Familie. Seine Tochter soll im kommenden Jahr hier zu Schule gehen. Der Alvesroder schüttelt den Kopf. „Für mich macht die ganze Diskussion keinen Unterschied“, sagt er, „die Schulform ist für mich unerheblich“.

Vor zehn Jahren hatte Springe noch zwei Realschulen. In einem Monat könnte das Schicksal der letzten besiegelt sein.



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