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Geschäftsführer des Eldagsener Schaustellerbetriebs: „Alles aus der Luft gegriffen“

Beschuldigte weisen Korruptionsvorwurf zurück

Eldagsen/Hameln (mf). Weihnachtsmarkt-Mafia oder alles nur heiße Luft? Ein Tag nach den spektakulären Razzien bei einem Schaustellerbetrieb in Eldagsen und im Hamelner Rathaus setzen sich die Beschuldigten zur Wehr: An den Vorwürfen sei nichts dran, das Vorgehen von Polizei und Staatsanwaltschaft völlig übertrieben.

Der Hamelner Weihnachtsmarkt: Ging hier nicht alles mit rechten Dingen zu? Foto: dana

Rund 80 Polizeibeamte und vier Staatsanwälte hatten am Mittwochvormittag Geschäftsräume und Privatwohnungen der Schausteller in Eldagsen, Hannover und Lemgo durchsucht (NDZ berichtete). Zeitgleich filzten Fahnder die Büros und Wohnungen von zwei Bediensteten in der Hamelner Stadtverwaltung. Der Verdacht: Sie sollen den Schaustellerbetrieben an der offiziellen Vergabe vorbei lukrative Standplätze auf dem Hamelner Weihnachtsmarkt zugeschanzt haben.

Die Staatsanwaltschaft, die von einem „qualifizierten Anfangsverdacht und auffälligen Unregelmäßigkeiten“ spricht, ermittelt nun wegen Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit gegen insgesamt sechs Beschuldigte. Ins Rollen gebracht wurden die Ermittlungen durch eine anonyme Anzeige, die nach übereinstimmender Einschätzung von einem Insider stammen muss.

Bei der betroffenen Firma in Eldagsen vermutet man einen Racheakt als Hintergrund. Fest steht: Viele andere Schaustellerkollegen sind schlecht auf das Unternehmen zu sprechen. Nicht ohne Grund. „Wir haben uns vor zwei Jahren in den Markt eingeklagt“, erinnerte der Geschäftsführer gestern gegenüber der Neuen Deister-Zeitung. Nach dem Sieg seines Unternehmens vor dem Verwaltungsgericht Hannover habe die Stadt Hameln ihre Vergabekriterien ändern müssen. Mit der Folge, dass einige alte Marktbeschicker nicht mehr zum Zuge gekommen seien.

„Die jetzt erhobenen Vorwürfe sind jedenfalls aus der Luft gegriffen, an den Behauptungen ist nichts dran“, so der Firmenboss, der davon nach eigenen Angaben „völlig überrascht“ worden ist.

Deutliche Kritik übt er an dem massiven Polizeieinsatz. Dieser sei völlig unverhältnismäßig gewesen. Das Riesenaufgebot von Polizisten habe das Firmengelände geradezu besetzt. Und das just in einem Augenblick, in dem wichtige Geschäftspartner aus China bei ihm gewesen seien. „Die haben natürlich völlig verschreckt das Weite gesucht“, ärgert sich der Unternehmer, der mit seinem riesigen Vergnügungspark aus Fahrgeschäften und Verkaufsbuden inzwischen auch im Ausland Märkte beschickt. Sollten die Asiengeschäfte nun platzen, wäre der Schaden für seine Firma immens, sagt er.

Möglicherweise könnten darüber hinaus einige Firmen aus der Region, die Lagerflächen auf dem weitläufigen Betriebsgelände angemietet haben, aufgrund der im Raum stehenden Vorwürfe die Geschäftsbeziehungen aufkündigen, fürchtet der Schaustellerchef. „Das alles kann uns in den Bankrott treiben.“

Auch die Stadt Hameln will sich nicht in die Nähe von Korruption rücken lassen. Es gebe nicht den geringsten tatsächlichen Anhaltspunkt dafür, dass sich Mitarbeiter der Stadt bei der Vergabe der Standplätze für den Weihnachtsmarkt unkorrekt verhalten haben, sagte Verwaltungssprecher Thomas Wahmes. „Es hat keinerlei Unregelmäßigkeiten gegeben.“ Die Frage, ob ein nicht zum Zug gekommener Stand-Betreiber hinter der anonymen Anzeige stecken könnte, wollte Wahmes nicht beantworten.

Die Staatsanwaltschaft Hannover bleibt indes bei ihrer Einschätzung der Lage. Es gebe eine Reihe von Auffälligkeiten, sagte Behördensprecher Klaus-Jürgen Lendeckel. So habe eine der Schaustellerfirmen bereits konkret in den Bau einer für den Hamelner Weihnachtsmarkt maßgeschneiderten Hütte investiert, obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch gar keine offizielle Zusage für einen Standplatz gab. Das sei sehr merkwürdig. Verdächtig gemacht hätten sich die Beteiligten auch noch an anderen Stellen. Mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen werde die Staatsanwaltschaft dazu allerdings derzeit keine weiteren Details nennen.

Lendeckel geht davon aus, dass frühestens im Dezember erste Ergebnisse vorliegen. Das Sichten des beschlagnahmten Materials werde einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Ermittlungen dürften sich deshalb vermutlich bis ins nächste Jahr ziehen, glaubt der Oberstaatsanwalt.



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