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Bennigsen: Stadt arbeitet an Anti-Hochwasser-Konzept

BENNIGSEN. Der Ärger nach der Überschwemmung in Bennigsen war groß: Grundstücksbesitzer vermuteten, dass das Fassungsvermögen des Stausees viel zu klein sei. „Wir haben so groß gebaut wie es ging“, meldet sich jetzt Stadtentwässerungs-Chef Dieter Erdmann zu Wort.

Das Gewerbegebiet wurde nach dem Regen zum Teil überschwemmt. Die Größe des Stausees sei laut Stadt ausreichend. FOTO: HERRMANN
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Seit dem Hochwasser 2016 habe die Stadt den Querschnitt des Gewässers vergrößert – und von 1,20 Meter auf bis zu zehn Meter verbreitert. Das Problem: Die Stadt kann den Querschnitt nur auf einer begrenzten Länge ausweiten. Eine Fläche sei in Privatbesitz, da könne die Stadt also nicht einfach weiterbauen, erklärt Erdmann. Bereits seit mehr als 20 Jahren versuche die Stadt, das Grundstück zu verkaufen, allerdings bis jetzt vergeblich. „Wir haben so viel gemacht, wie es also ging.“ Und: 3,50 Meter müssten zusätzlich für einen Unterhaltungsweg freigehalten werden, betont Erdmann.

Nach den Überschwemmungen hat sich Erdmann selbst ein Bild vor Ort gemacht und mit den betroffenen Grundstücksbesitzern gesprochen. „Wenn wir den Querschnitt nicht vergrößert hätten, wäre es viel schlimmer gewesen“, ist er sich sicher. Immerhin sei das Wasser auf dem Gelände bei Gerüstbau Kilian mittlerweile weg. Erdmann weiß aber auch, dass das Regenrückhaltebecken am Feuerwehrhaus nach dem Regen am Dienstagabend komplett vollgelaufen sei. Sein Ziel: Das Wasser einmal um Bennigsen außen herum zu leiten statt durchs Zentrum. „Ich behaupte nicht, dass wir fertig seien in Bennigsen.“

Er hofft, das Wasser über den erweiterten Querschnitt bis zum Regenrückhaltebecken führen zu können. Dafür fehlt der Stadt allerdings noch ein Grundstück, das in Privatbesitz ist. Für Bennigsen ist zudem ein Hochwasser-Schutzkonzept geplant, das Stadt und Stadtentwässerung mit 40 000 Euro beidseitig finanzieren. „Dazu hatten wir gerade das erste verwaltungsinterne Gespräch.“ Jetzt sollen auch die Feuerwehr und die Politik in die Gespräche eingebunden werden. In den vergangenen sechs Monaten habe Erdmann Erfahrungen aus anderen Kommunen eingeholt, die in das Konzept einfließen sollen.

Nach einem Treffen mit der Gewässerunterhaltung Mittlere Leine will Erdmann dann an die Auftragsvergabe gehen: Ein Ingenieurbüro soll das Konzept abschließend erstellen.

„Zum Einen bietet der Überflutungsschutz Infos für den Bürger, aber auch für die Feuerwehr, die danach ihren Einsatz planen kann.“ Zum Beispiel sollen die Einsatzkräfte erkennen können, wo die Probleme je nach Regen am größten sind und mit welchen Tiefen sie rechnen müssen.

Für das kommende Jahr ist ein weiteres Regenrückhaltebecken am Hainhopenweg geplant. Erst dann kann das Oberflächenwasser auch wirklich um den Ort herum abfließen, erklärt Erdmann. „Ziel ist außerdem, das Wasser zu drosseln und um es langsam in den Bach abgeben zu können“. Der Rohrgraben „Ostsammler“ sei gebaut.

Nicht nur im Gewerbegebiet kam es am Dienstag zu Überschwemmungen: Auch zahlreiche Keller liefen, wie berichtet, voll. Grund dafür sei eine Verstopfung des Rohrs gewesen, so Erdmann. Die Kanäle sollen jetzt noch einmal befahren werden, um festzustellen, woher das Geröll in den Kanälen kam.

Eine Prognose, wann man in Bennigsen mit den zahlreichen Maßnahmen fertig ist, will Erdmann nicht abgeben. „Die Pläne gehen weit über fünf Jahre hinaus, ich denke, mein Nachfolger wird auch noch zu tun haben in Bennig-sen.“ Aber: „Man muss sich der unangenehmen Realität stellen“: Der Klimawandel mache sich bemerkbar. „Letztlich versuchen wir, neue Wege zu gehen und Konzepte zu erstellen, um der Lage Herr zu werden.“ Eine „absolute Sicherheit“ gebe es aber nie.

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