weather-image
Lebenshilfe will mit neuem Vorsitzenden die turbulente Vergangenheit hinter sich lassen

„Bei uns gibt es keinen König“

Springe. Die Unruhe war groß bei der Lebenshilfe: Erst zog sich der langjährige Vorsitzende zurück, dann trat sein Nachfolger entrüstet aus. Jetzt will der Verein mit neuem Vorstand einen anderen Weg beschreiten. Weniger „hierarchisch“ soll es zugehen. Deutlich wurde auch, wie wichtig die Einrichtungen sind, um die sich die Lebenshilfe kümmert.

270_008_6556734_lebenshilfe.jpg

Autor:

Markus Richter

„Es gibt keinen Chef, keinen König“, sagte der bisherige Schatzmeister Jörg Degener. Der 55-jährige Lehrer war der einzige Kandidat für den Posten des Vorsitzenden – und wurde einstimmig gewählt. Degener erläuterte ausführlich die Struktur der Institution: Auf der einen Seite der Verein, der sich für Menschen mit geistiger Behinderung einsetzt. Der hat einen geschäftsführenden und einen erweiterten Vorstand aus den Reihen der 136 Mitglieder gewählt. Dazu gibt es einen Beirat. Der Vorstand arbeitet seit der Gründung vor einem halben Jahrhundert ehrenamtlich.

Im Mittelpunkt stehen jedoch die Einrichtungen, die Häuser Auf dem Bruche: die Tagesförderstätte und der neue Wohnbereich mit einem Jahresumsatz von 1,5 Millionen Euro. Beide Häuser sind voll ausgelastet, es gibt Wartelisten. 18 Personen – und damit der größte Anteil – wohnt und lebt dort gleichermaßen. Den Leitungsposten beider Einrichtungen hat Burkhard Luthmann inne. Und der machte in seiner eindringlichen Rede deutlich: „Wir haben hier in Springe eine Berechtigung.“ Viel sei in jüngster Zeit verbessert worden: Es gibt inzwischen einen Betriebsrat, einen Elternrat und eine Bewohnervertretung – wichtig auch im Sinne der Inklusion. Eine Betriebsvereinbarung für die Entgeltgestaltung wurde getroffen, zahlreiche Mitarbeiter haben freiwillig qualifizierte Fortbildungen begonnen. Auch die Bewohner werden mit einbezogen, etwa als Brandschutzhelfer. Der Betriebsrat um Norbert Scharf wirkt beim Aufbau des Qualitätsmanagements mit. Dennoch werden die Sorgen um den Fortbestand der Einrichtungen ständig durch gesetzliche Regelungen geschürt. „Auch kleine Einrichtungen müssen mitmischen.“ Nachgedacht werde über die Angebotserweiterung in der Tagesstruktur: „Wenn uns jemand vorwirft, wir würden hier keine Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, dann müssen wir das nicht gelten lassen“, zeigt sich Luthmann überzeugt.

So gebe es nicht nur den kleinen Laden, den die Bewohner kreativ füllen, sondern immer mehr Freizeitaktivitäten: Sport- und Kulturveranstaltungen, Restaurantbesuche, Urlaube, Therapien, Diskoausflüge… Was noch fehlt, sind Wohngruppen und eine sogenannte Wohnschule, bei deren Aufbau sowohl die Unterstützung anderer Lebenshilfe-Vereine als auch der Paritätischen Lebenshilfe Weserbergland-Schaumburg zu erwarten ist. Trotz allem will die Lebenshilfe Springe eigenständig bleiben – und sieht sich da auf einem guten Weg. Auch sei man längst in Springe wahrgenommen und angekommen. Luthmann: „Wir sind mittendrin – und keine Stubenhocker.“



Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt