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Wie in der DRK-Kita Gestorf Kinder mit und ohne Behinderungen miteinander aufwachsen

Bauen, klettern, fallen lassen – alles gemeinsam

Gestorf/Völksen. Als Kilian Drescher den Redakteur sieht, leuchten seine Augen. „Mann!“ ruft er und kommt in Windeseile von seinem Klettergerüst runter. „Mann!“ Männlicher Besuch ist rar in der Kindertagesstätte in Gestorf – und „Kilian freut sich immer, wenn er einen sieht“, sagt Heilpädagogin Annette Bauer-Dunse und lacht.

Kilian Drescher hat seit dem Sommer einen Platz in der DRK-Kindertagesstätte in Gestorf. Foto: zett
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Lange hatten Kilians Eltern Heike und Oliver Drescher dafür gekämpft, dass ihr dreijähriger Sohn, der das Down-Syndrom hat, den Kindergarten in ihrem Heimatort Völksen besuchen darf (NDZ berichtete). Aber bevor nicht alle freien Integrationsplätze im Springer Stadtgebiet ausgelastet sind, wird in Völksen auch keine Einzelintegration geschaffen. So lauten die Regeln – und denen mussten sich schließlich auch die Dreschers beugen: Seit dem Sommer besucht Kilian jetzt die Kita in Gestorf.

Und auch wenn Heike Drescher es schade findet, dass ihr Kampf für Völksen nicht erfolgreich war – sie ist mehr als zufrieden mit der Betreuung in Gestorf. Hier ist Kilian eins von vier Kindern mit Behinderung. Sie werden in einer verkleinerten Gruppe betreut – zwei Erzieherinnen und Heilpädagogin Bauer-Dunse kümmern sich statt um 25 nur um 18 Kinder.

„Wir legen viel Wert auf freies Spielen“, erklärt die Heilpädagogin. Nur selten werden die Kinder mit Behinderung vom Rest der Gruppe getrennt. Zum Beispiel mittwochs, da ist Psychomotorik angesagt: bauen, klettern, rutschen, fallen lassen. „Bewegung ist eng mit der psychischen Entwicklung verbunden“, erklärt Bauer-Dunse. Außerdem sollen die vier Kinder hier nicht überfordert werden – jeder macht nach seinen Fähigkeiten mit.

Mehrmals in der Woche kommen außerdem stundenweise Sprachtherapeuten in die Kita, üben mit den Kindern. Eines der Mädchen verständigt sich bislang nur mit Mimik und Gestik: „Das ist beim Down-Syndrom häufiger der Fall“, erklärt Bauer-Dunse. Dritter Baustein der Förderung ist die Wahrnehmung: Durch Tastspiele, Schaukeln, Massagen oder Gleichgewichtsübungen sollen die Kinder lernen, besser zu sich selbst zu finden.

Aber sonst sind Kilian und die anderen Kinder fester Teil der Gruppe, mehr noch: „Manchen Eltern fällt gar nicht auf, dass sie überhaupt da sind“, sagt Bauer-Dunse. Auch die nicht behinderten Kinder machen keinen Unterschied, mit wem sie da gerade spielen oder toben – leichter als hier geht die Integration später in Schule oder Beruf leider kaum mehr von der Hand. „Kinder nehmen es als selbstverständlich hin, dass jemand anders ist als sie“, sagt Bauer-Dunse. Die Großen helfen den Kleinen – und die, die etwas besser können als andere, helfen auch.

Die Heilpädagogin freut sich, dass Kilian und die anderen Integrationskinder hier in Gestorf sind: „Und ich hoffe natürlich auch, dass sie bleiben“, sagt Bauer-Dunse. Denn ihre Stelle wird erst ab zwei Kindern mit Behinderung genehmigt – wenn nur eines da wäre, gäbe es lediglich eine stundenweise Einzelintegration.

Plötzlich springt Kilian von seinem Stuhl auf. Nebenan auf der Spielfläche weint ein Junge. Kilian läuft hinüber, schlägt erschreckt die Hand vor den Mund. „Er ist sehr einfühlsam“, sagt Bauer-Dunse und lächelt. Erst, als der Junge sieht, dass die Gefahr gebannt ist, wendet er sich wieder seinem Puzzle zu. Kilian lacht. Hier geht es ihm gut.

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