weather-image
20°

Barrierefreie Bushaltestellen: Die Region soll’s richten

SPRINGE. Springe hinkt beim barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen hinterher. Und wenn es nach dem Willen des Bauausschusses geht, dann bleibt das vorerst auch so.

Foto: Archiv
marita

Autor

Marita Scheffler Redakteurin zur Autorenseite

Mit knapper Mehrheit lehnten die Politiker ab, die Aufgabe im Namen der Region zu übernehmen – vor allem, weil die Stadt auf einem Teil der Kosten sitzenbleiben würde.

In jedem Springer Stadtteil – außer Wülfinghausen – gibt es mindestens eine barrierefreie Haltestelle. 42 Stopps müssen jedoch noch so verändert werden, dass Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte oder auch Eltern mit Kinderwagen problemlos den Bus nutzen können. An 18 Standorten sind zudem die Wartehäuschen erneuerungsbedürftig; an sechs fehlt der Unterstand komplett.

Dem ersten Erneuerungsschub vor drei Jahren ging eine lange politische Debatte voraus. Schon damals war die Region eigentlich in der Pflicht, bot den Kommunen aber eine hohe finanzielle Beteiligung an, wenn die als Modernisierer vorauseilen. Seitdem ist Pause – zumindest am Deister. Die Stadt Springe sei die einzige, die „nichts mehr macht“, sagte Tiefbauamtsleiter Gerd Gennat im Ausschuss. „Alle anderen machen vier bis acht Haltestellen pro Jahr.“ Dass es höchstens acht Baumaßnahmen in zwölf Monaten sind, hänge mit den Förderrichtlinien zusammen.

Mehrere Politiker verwiesen darauf, dass sie der Geldausgabe vor drei Jahren nur zugestimmt hatten, weil die Stadtverwaltung damals von einer einmaligen Sache sprach – ein Detail, das Gennat zurückwies: „Wir haben niemals behauptet, dass es das dann gewesen ist.“ Überhaupt wundere ihn der Widerstand: Die Verwaltung nehme jetzt einen neuen Anlauf, weil zuletzt vermehrt Bürger – und Ortsräte – „einen hohen Handlungsbedarf für gut ausgebaute und mit Wartehaus ausgestattete Haltestellen“ monierten.

Was mehrere Politiker wurmt: Wegen der Zuschüsse von Land und Region bleibt die Stadt zwar nur auf 12,5 bis 15 Prozent der Baukosten sitzen, für die Planungen ist sie aber ganz allein zuständig. In Springe müsste dafür extra eine neue Stelle geschaffen werden.

„Wenn man zu etwas keine Lust oder Zeit hat, schiebt man es einfach mal jemand anders zu“, beschwerte sich Tim Schmelzer (CDU), dass die Region „einer ihrer ureigensten Aufgaben“ vernachlässige. Das heimische Bauamt habe mehr als genug andere Projekte auf der Liste. Über das Prozedere ärgert sich zwar auch Lüdersens Ortsbürgermeisterin Ursel Postrach (SPD), sie warb dennoch für Unterstützung: Im Stadtgebiet würden besonders viele Menschen mit Behinderungen wohnen, „und denen können wir doch nicht immer sagen: Ihr müsst sehen, wie ihr fertig werdet“.

Bei vier Gegenstimmen, drei Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen wurde der Ausbau-Antrag abgelehnt. In der kommenden Woche kommt das Papier im Verwaltungsausschuss auf den Tisch, Ende Juni muss sich der Stadtrat zu dem Thema äußern.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt