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Barbara Thiel - die Datenschützerin vom Deister

BENNIGSEN/HANNOVER. Seit drei Jahren ist Barbara Thiel aus Bennigsen Niedersachsens oberste Datenschützerin: Die Landesbeauftragte überwacht die Einhaltung von Vorschriften, prüft Behörden und Firmen – und will so jedem Bürger die Chance geben, selbst zu bestimmen, was mit seinen Daten passiert. Ein Portrait.

Sie beschäftigt sich mit Themen wie dem Freifunknetz: Barbara Thiel ist beim Land zuständig für den Datenschutz. FOTO: LANDESBEAUFTRAGTE
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Thiel war zum 1. Januar 2015 vom Landtag zur Landesbeauftragten für den Datenschutz gewählt worden. Zuvor war sie als Regionsdezernentin ausgeschieden – zuständig war sie dort unter anderem für Informationstechnologie und Sicherheit. Trotzdem hat sich ihr Blick in den vergangenen Jahren stark verändert. „Ich bewerte Themen ganz anders, als ich es Ende 2014 noch getan habe. Ich weiß inzwischen, was datenschutzrechtlich alles relevant sein kann.“ Der Bürger, hat die Bennigserin beobachtet, lebe in „einem Zustand der digitalen Sorglosigkeit“: Internetsuchen, Online-Einkäufe, soziale Medien – überall teilen wir unsere persönlichen Daten mit: „Aber gerade die internationalen Unternehmen machen überhaupt nicht transparent, was sie mit diesen Daten machen.“

Aber auch, wenn sie durch Bennigsen oder Springe gehe, begegneten Thiel „in fast jedem Lebensbereich“ Themen aus ihrer täglichen Arbeit: Angefangen bei der Videoüberwachung in Bussen oder Bahnen („Jeder muss die Möglichkeit haben, sich frei zu bewegen, ohne dass Verhaltenskontrollen ausgeübt werden“) bis hin zu Daten, die Stadt oder Region erheben: „Im Meldewesen, bei der Gebührenberechnung: Überall muss sichergestellt sein, dass die Daten nur für das genutzt werden, wofür sie gesammelt wurden.“ Aber auch auf das in Springe immer weiter verbreitete „Freifunk“-Netz hat Thiel ein Auge: Dabei werden über private Drahtlos-Netzwerke öffentliche Internetzugänge angeboten. „Darüber könnten ja auch Bewegungsprofile der Nutzer erstellt werden. Die Frage ist: Wer hat Zugriff auf diese Informationen? Wer weiß, wann ich wo in diesem Funknetz eingeloggt bin?“

Im Jahr 2017 hatte Thiel auch den Vorsitz der bundesweiten Datenschutzkonferenz inne – ein Amt, das jährlich zwischen den Bundesländern wechselt. Dort wiederum gab es ein Hauptthema: Die Umsetzung der neuen Datenschutzgrundverordnung, die am 25. Mai 2018 europaweit zur Anwendung kommt, in Kraft tritt. „Im Moment haben wir in verschiedenen Ländern verschiedene Regeln – ein Flickenteppich.“ Für viele Unternehmen in Deutschland ist die Änderung eine große Herausforderung: Sie müssen umfangreiche Nachweise über die Verarbeitung personenbezogener Daten erbringen.“ Gerade für kleinere Firmen sei das schwierig, weiß Thiel: „Sie haben oft gar nicht die Ressourcen von größeren Unternehmen – aber die gleiche Verpflichtung.“

Unter dem Strich wird die Herausforderung für sie und ihre Mitarbeiter nicht geringer, weiß Thiel: „Mit dem Internet und der Digitalisierung hat nicht nur die Menge der Daten zugenommen, sondern auch deren Qualität.“



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