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Auswärts arbeiten – auswärts einkaufen

Springe. Einmal im Jahr veröffentlicht die Region ein umfangreiches Zahlenwerk. Die „Trends und Fakten“ zeigen deutlich Springes Probleme im vergleich mit der Nachbarschaft – aber auch die Bereiche, in denen die Stadt besser dasteht. Ein Überblick.

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Genug Geld zum Shoppen ist da

Das Geld ist da – doch es fließt nur teilweise in den örtlichen Einzelhandel. So lässt sich die Statistik der Region zum Thema Kaufkraft zusammenfassen. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat für Springe eine sogenannte Zentralitätsziffer von 72,2 berechnet. Bei einem Wert über 100 fließt mehr Geld in den Einzelhandel einer Stadt, als die Bewohner statistisch ausgeben. Umgerechnet fließt also gut ein Viertel der Springer Kaufkraft nach außerhalb ab. Im Regionsvergleich ist das ein eher schlechter Wert; Springe landet auf dem 14. Platz. Andererseits: Kommunen wie Wennigsen (62,8) oder gar Gehrden (49,3) verlieren noch viel mehr Umsatz an die Umgebung. Laut GfK verfügt jeder Springer im Schnitt übrigens über eine Kaufkraft von 21 123 Euro – der Wert liegt leicht unter dem Regionsmittel, aber noch über dem Bundesdurchschnitt.

Mehr raus als rein

Klar, Springe ist eine Pendlerstadt, das ist kein Geheimnis. Doch die neue Statistik zeigt: Der Anteil der Arbeitnehmer, die die Stadt für den Job verlassen und abends heimkehren, ist vergleichsweise gering. Demnach fahren nach Angaben von Region und Bundesagentur für Arbeit täglich 6501 Springer in die Umgebung; 3252 kommen dafür in die Stadt. Macht unter dem Strich einen negativen Überschuss von 3249 – oder 34,2 Prozent aller Springer Voll- und Teilzeitbeschäftigten. Damit muss sich die Stadt in der Region beileibe nicht verstecken: So liegen in Seelze 58 Prozent der Arbeitsplätze außerhalb, in Uetze sind es 57,3 Prozent und in Wennigsen 52,1 Prozent. Springe profitiert klar dabei von großen Arbeitgebern wie Nordeon, Paulmann, Octapharma oder den zahlreichen Bildungseinrichtungen. Am anderen Ende der Skala befindet sich Hannover: 159 000 Arbeitnehmer fahren täglich in die Landeshauptstadt, nur 51 000 aus ihr heraus.

Arbeits-Motor am Deister

Als wesentliches Merkmal für Wirtschaftswachstum und Wohlstand hat die Region die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs ausgemacht. 2012 sei diese Zahl in der gesamten Region auf einem historischen Höchststand, heißt es in dem Papier „Trends und Fakten“. Von dieser Entwicklung hat offenbar auch Springe profitiert: Die Zahl der Voll- und Teilzeitjobs in der Stadt stieg im Vergleich zum Vorjahr von 6066 auf 6241 – ein Plus von 2,88 Prozent. Dazu beigetragen haben dürften etwa der Start von Philips-Nachfolger „Nordeon“, bei dem viele neue Jobs entstanden sind. Aber auch bei Octapharma stieg nach dem fast vollendeten Um- und Ausbau die Zahl der Stellen. Wie positiv die Entwicklung in Springe zu bewerten ist, zeigt der Regionsvergleich: In nur sieben der 21 Kommunen wurden mehr Jobs geschaffen – fünf Städte und Gemeinden verloren gar sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen.

Günstig Leben

Das hat sogar der Region nicht geschmeckt: Als Haushalts-Aufsichtsbehörde hat sie Springes niedrige Steuersätze bei gleichzeitig leeren Kassen gerügt (NDZ berichtete). Und die Übersicht beweist es: Nur Lehrte mit 395 Punkten kommt bei der Grundsteuer noch unter den Hebesatz von Springe – 410 Punkte sind fast konkurrenzlos niedrig in der Region. Dass man an begehrten Standorten wie Hannover oder Laatzen deutlich mehr Steuern zahlt, ist klar. Doch auch Wennigsen (440) oder Pattensen (430) haben höhere Sätze als Springe. Das setzt sich übrigens bei der Gewerbesteuer fort: Mit 395 Punkten liegt Springe mit Lehrte gar gleichauf am Schluss – unterboten nur von Gehrden (390). Wer hier ein Haus bauen will, kann sich übrigens gleich noch mal freuen: Auch der mittlere Grundstückspreis in Springe liegt mit 100 Euro pro Quadratmeter sehr niedrig. Günstiger kommt man nur in Uetze weg, wo die Flächen gar nur 73 Euro/qm kosten.

Die Minus-Stadt

Auch ohne den Zensus hat Springe mächtig Einwohner verloren: Laut Statistik der Region wohnen aktuell noch 28 971 Menschen in der Stadt. Die in diesem Jahr veröffentlichte Bevölkerungszählung hatte für 2011 noch 400 Einwohner weniger aufgelistet. Was auch immer stimmt – Fakt ist: Springe schrumpft alarmierend schnell. In den vergangenen zehn Jahren gingen durch den Geburtenrückgang und durch Wegzüge rechnerisch 1068 Springer verloren – 3,56 Prozent der Gesamtbevölkerung, ein negativer Spitzenwert in der Region. Auch die Prognose sieht düster aus: Das CIMA-Institut in Hannover sagt für die kommenden zehn Jahre einen weiteren Rutsch um 1329 Personen voraus. Kombiniert mit den Zensus-Zahlen könnte Springe im Jahr 2023 unter 27 000 Einwohner fallen. Innerhalb der Region übertrifft bis dahin laut Prognose nur Barsinghausen (-5,24 Prozent) den Springer Wert (-4,59 Prozent). Ähnlich viel verliert Garbsen.

zett

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