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Ausstellung im Museum: Ehepaar Lorentz zeigt Lichterbögen

SPRINGE. „Sie sollen die Herzen der Menschen in der dunklen Jahreszeit erhellen“, das ist das Ziel von Heike und Wolfgang Lorentz. Sie stellen dreidimensionale Lichterbögen her – fein-filigran sägen sie die Bögen liebevoll in ihrer Werkstatt in der Wedemark. Nur eine Ausstellung im Jahr organisiert das Paar.

Heike und Wolfgang Lorentz bauen die Ausstellung im Museum auf. Eröffnet wird sie am 27. November.Foto: Helmbrecht
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Dem Springer Museum ist es aber nach zwei Jahren endlich gelungen, die Künstler für die Weihnachtsausstellung in der Deisterstadt zu gewinnen.

Dass aus den ersten geklöppelten, mit einfachem Holzrahmen versehenen, Bögen einmal dieses Ausmaß entstehen würde, haben die gelernten Feinmechaniker nicht geahnt. „Meine Frau hat da einmal mit angefangen. Am Anfang war ich von den Bögen nicht begeistert, aber als ich den ersten Rahmen in der Hand hielt, war ich zufrieden und stolz auf das Ergebnis“, erzählt Wolfgang Lorentz. Schnell wurden aus der einsamen Sperrholzplatte mit Lichterkette imposante Kunstwerke. Zwischen 100 und 200 Stunden arbeiten die beiden an einem Lichterbogen. Haben die Eheleute am Anfang im Jahr 2000 noch nach Vorlagen gearbeitet, entwerfen sie ihre Exponate heute fast ausschließlich selbst.

„Für uns ist das eine Mischung aus Spaß, Liebe und Entspannung“, sagt Lorentz über seine Arbeit in der Werkstatt. „Hier kann ich meine Seele auftanken“, ergänzt er. Die Liebe zum Detail, sie steckt in jedem seiner Werke, zu jedem Exponat kann er eine Geschichte erzählen. Nichts ist so, wie es scheint.

Da gibt es zum Beispiel den Sockel, der die Geschichte des Abendmahls nach Leonardo da Vinci abbildet. Erst beim genauen Hinsehen fällt auf, dass das Motiv spiegelverkehrt ist. Auf dem Sockel steht ein Bogen, der die Szene bei der Geburt Jesu zeigt – allerdings vor der eigentlichen Geburt. Im Stall befindet sich noch der Ochse, die Heiligen Drei Könige sind noch auf dem Weg. Die Szene wurde vom Ehepaar bewusst ausgesucht. „Gerade vor dem aktuellen Hintergrund, dass sich viele Vertriebene auf der Flucht befinden, wollten wir uns auf den Weg und die Suche konzentrieren“, sagt Heike Lorentz.

Ehepaar Lorentz legt aber nicht nur viel Wert auf jedes Detail, sondern vertritt auch eine ganz besondere Meinung zum Verkauf ihrer Werke. Denn: Die Bögen können nirgendwo erworben werden, auch das hat einen guten Grund: „Wir freuen uns, wenn die Besucher die Lichter im Herzen mit nach Hause tragen und nicht in Einkaufstüten“, so Wolfgang Lorentz. Kaufen die Menschen etwas, währt die Freude darüber nur kurz. „Hier geht es darum, sich zu besinnen, sich Zeit zu nehmen zum Anschauen, nicht um Konsum.“ Und das Konzept gehe auf: „Wir bekommen viel positives Feedback von Menschen, die vor ein oder zwei Jahren unsere Ausstellung besucht haben und sich immer noch gerne daran zurückerinnern. Das ist viel mehr wert.“ Nur an enge Freunde und an die Familie werden die Werke verschenkt.

Ein weiterer Vorteil, sagen die beiden scherzend, dass die Männer viel entspannter während der Veranstaltung seien. „Die Männer müssen ihr Portemonnaie nicht krampfhaft festhalten, sondern können entspannt durch die Räume gehen, viele sagen dann ‚Gott sei Dank gibt es keinen Verkauf‘“, sagt Lorentz. So kam es bereits zu vielen interessanten Begegnungen mit den Besuchern selbst. Viele Männer gingen auf die Künstler zu und sagen, dass sie früher auch einmal gesägt hätten – „der fragende Blick der Frau daneben und die Frage, wann genau er das denn getan habe, begegnet uns sehr oft“, erzählt das Ehepaar lachend.

Ein Bogen besteht aus über 2000 einzelnen Sägeschnitten – gefertigt mit einer Dekupiersäge, die das Paar für stolze 59 Deutsche Mark gekauft hatte und der sie bis heute treu geblieben sind, während heute fast alle Hobbykünstler ihre Bogen lasern. Besonders ist auch, dass die Beleuchtung in den Bögen integriert ist – damit soll das Augenmerk auf das Motiv gelenkt werden.

Ein Highlight der Ausstellung wird eine Holzreplik von 1740 sein, dem ältesten nachweisbaren Schwibbogen der Welt, mit Genehmigung von Igor Jenzen, Direktor im Museum für Sächsische Volkskunst.

Ausstellung: Die Weihnachtsausstellung im Museum auf dem Burghof wird am Sonntag, 27. November, um 11 Uhr eröffnet. Zu sehen sind die Werke bis zum 8. Januar.

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