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Wie eine Boitzumer Firma die Windkraft umkrempeln will

Aus dem Vorgarten in die neue Energie-Welt

Boitzum. Manchmal kommt sie ganz unscheinbar daher, die Energiewende. Zum Beispiel in Boitzum, 171 Einwohner. Ein Vorgarten kurz vor dem Ortsausgang in Richtung Alferde. Hier dreht sich etwas, mit dem Rolf Antweiler, Sabine Wittor und ihre Kollegen ein Stück weit die Welt verändern wollen. Eine Stange, zwei Meter sechzig hoch, und sechs durchsichtige Plastikschalen ziehen neugierige Blicke auf sich. Doch moderne Kunst ist das nicht – sondern eine Kleinwindkraftanlage.

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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

„KoSi“ nennt sich das Gebilde – benannt nach dem österreichischen Erfinder Siegfried Kogelbauer. Antweiler und Wittor haben die Idee im Internet entdeckt – und sich zusammen mit ihren Mitstreitern aus München und Hildesheim gleich die Generalvertriebsrechte für ganz Deutschland gesichert.

Dass Antweiler beruflich überhaupt in Sachen Energie unterwegs ist, ist eine kuriose Geschichte für sich: 63 Jahre alt ist der Boitzumer, gelernter Koch und Serviermeister, war lange als selbstständiger Gastronom tätig. „Dann wollte ich wieder mehr Privatleben haben“, sagt er. Er arbeite mit seiner Frau in Sachen Finanzdienstleistung zusammen – und kam schließlich mit der Energie in Berührung. Vertrieb Spritsparmodule für Autos und Heizungsanlagen. Und entdeckte schließlich „KoSi“, das Windrad.

„Es geht im Grunde darum, autark zu sein“, sagt der 63-Jährige. Soll heißen: Erst einmal wird mit der Anlage Strom für den Eigenbedarf produziert – und Überschüssiges dann erst ins Netz eingespeist. Die Anlage könne theoretisch genug Energie erzeugen, um einen Zwei- bis Drei-Personen-Haushalt zu versorgen: „In der Praxis gibt es natürlich Windschwankungen.“ Trotzdem: Nach einigen Jahren habe sich die Investition von gut 4700 Euro ausgezahlt, ist Antweiler sicher.

Der Unternehmer ist noch von etwas anderem überzeugt: Um von Boitzum aus Europa mit neuer Technik zu verändern, ist für ihn genau der richtige Zeitpunkt gekommen: „Der Atomausstieg hat da natürlich geholfen. Die Leitungsnetze sind ja bislang noch nicht ausreichend ausgebaut für die Energiewende. Und die Kosten für Verbraucher werden weiter steigen“, glaubt er. Für Antweiler Grund genug, sich zuhause unabhängig zu machen von Strom- und Wärmeversorgern. Dass man dazu erst mal ungewöhnlich wirkende Skulpturen in seinen Boitzumer Vorgarten stellen muss, gehört für ihn eben dazu.



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