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Aufräumen nach Wildunfall: Gericht entscheidet wer zahlt

SPRINGE. Es ist ein Schreckenszenario für jeden Autofahrer: Man ist auf der Bundesstraße unterwegs, auf einmal steht ein Reh mitten auf der Fahrbahn – und der Aufprall ist unausweichlich. Ein solcher Fall auf der Bundesstraße 217 in Höhe Steinkrug beschäftigt heute das Verwaltungsgericht Hannover.

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Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Dabei geht es um die Frage, wer für die Bergung des toten Wildes aufkommen muss. Experten sprechen von einem Urteil mit grundsätzlicher Bedeutung. Geklagt hatte ein Autofahrer gegen die Straßenverwaltung.

„Wilde Tiere sind herrenlos, solange sie sich in Freiheit befinden. Nach der Kollision mit einem Auto liegt das verendete Wild häufig im öffentlichen Straßenraum“, erläutert Ingo Behrens, Pressesprecher des Verwaltungsgerichts. Aber dort kann das tote Tier nicht bleiben.

In der Regel wird in solch einem Fall der zuständige Jäger verständigt. „Wir rücken dann eigentlich immer aus. Sollte der Jäger nicht erreichbar sein, liegen der Polizei auch die Nummern von Ersatzansprechpartnern vor“, sagt Volker Gniesmer, Vorsitzender der Jägerschaft Springe. Laut Gerichtssprecher Behrens sinkt das Interesse der Jäger an den meist nächtlichen Unfalltouren jedoch – weil das Wildfleisch aufgrund einer Verschärfung der Lebensmittelgesetze nicht mehr verwendet werden darf.

Sind die Jäger vor Ort, erlösen sie ein verletztes Tier mit der Waffe von seinen Leiden – und rufen wenn nötig einen Tierkörperbeseitiger, der das Wild entsorgt. Gniesmer: „Dadurch entstehen uns natürlich Kosten.“ Weil die Jäger ohnehin schon durch die Jagdsteuer zur Kasse gebeten werden, verlangen sie ihre Auslagen etwa für Einsätze auf der B 217 bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr zurück. Die wäre eigentlich zur Bergung der Tiere verpflichtet. Und zahlt auch: „Mit der untergeordneten Straßenmeisterei in Wennigsen haben wir eine Vereinbarung“, sagt Gniesmer.

Der Leiter der Behörde bestätigt das auf Anfrage: „Ja, es gibt diese Vereinbarung.“ Gezahlt wurden in dem jetzt strittigen Fall Entsorgungskosten in Höhe von 48,79 Euro sowie jeweils 85 Euro pauschalierte eigene Aufwendungen an den Jäger, der sich um das verendete Wild gekümmert hat.

Für die Behörde ist das eine Erleichterung: Gäbe es die Vereinbarung mit den Jägern nicht, müsste sie zu jeder Tages- und Nachtzeit Arbeiter in Bereitschaft halten, um Wild zu entfernen. Überdies müssten Kühlboxen angeschafft werden, um totes Wild lagern zu können. Aber die Erleichterung ist auch mit Kosten verbunden. Die werden von der Behörde seit Ende 2016 auf die Unfallfahrer abgewälzt. Heißt: 133 Euro zahlt der Fahrer des Unfall-Wagens. Zudem erhebt die Straßenmeisterei eine Verwaltungskostenpauschale in Höhe von 15 Euro.

Ansprüche der Jäger gegen den Unfall-Fahrer oder dessen Versicherung wurden von der Rechtsprechung bislang verneint. Am Ende des Verfahrens dürfte ein Präzedenzurteil stehen.



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