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Drei Mal ändern sich die Pläne für den Marktplatz-Brunnen – jetzt will die Stadt ihn am liebsten zupflastern

Auf dem Trockenen

Eldagsen. Wenn der neue Kirchvorplatz in den kommenden Monaten die Eldagser erfreut, dann könnte eine wichtige Verschönerung fehlen. Die NDZ erzählt die kuriose Geschichte vom neuen Brunnen, der abwechselnd ein 35 000 Euro teures Schmuckstück und ein 1500-Euro-Schnäppchen ist. Und jetzt sogar zugepflastert werden könnte.

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VON CHRISTIAN ZETT

Der Vermerk vom Fachdienst Stadtplanung ist zwei DIN A4-Seiten lang. Schwarz auf weiß erzählt er ein kleines Brunnendrama: Im Rathaus hatte man „eine fachgerechte und energetisch sinnvolle“ Umgestaltung des Brunnens auf 35 000 Euro geschätzt – klar zu teuer für alle Beteiligten.

„Wir hatten vorher einen Brunnen und den wollen

wir danach auch haben“

Also einigten sich Ortsrat und Stadt schon vor Jahren, die vorhandenen Elemente des alten Brunnens kurzerhand in einen neuen umzuwandeln. Kostenpunkt inklusive einer Gartenpumpe: 1511 Euro – so festgehalten schon vor der Ausschreibung der Stadtsanierung in den offiziellen Unterlagen.

Die Verwaltung wurde tätig: Sie nutze die Chance der Bauarbeiten auf dem Platz, um für Brunnen und Wochenmarkt eine eigene Strom- und Wasserversorgung zu legen. Bisher waren beide Leitungen aus dem Ratskeller gekommen.

Aber dann der Schock: Als die Baufirma den Brunnen ausbaute, habe sich herausgestellt, dass dieser „weder verkehrssicher noch einwandfrei war“, heißt es in dem Vermerk der Stadt: So seien die oberen Platten lose auf das Betonfundament gelegt worden. Ein Wiederaufbau sei so mit Blick auf die Vorschriften bedenklich.

Ein Ingenieurbüro plante eilig neu. Und entwarf mit Segen des Sanierungsbeirats ein weiteres Ensemble. Doch inklusive der nötigen Anschlüsse würde der neue Brunnen gut 20 000 Euro kosten – und damit satte 1333 Prozent der ursprünglichen Summe.

Doch die Baufirma blieb bei ihren Sorgen: So könne weder die Standsicherheit noch die vorgeschriebene Keimfreiheit garantiert werden. Die geplante Pumpe und fehlende Filter seien ein Problem. Die Baufirma übernehme so „keine Gewährleistung für die Anlage“.

Dazu kommt: Eine mögliche Förderung aus dem laufenden Sanierungsprogramm würde nur einen Teil der Kosten abdecken. Den Rest müssten Stadt oder Ortsrat zahlen – und darauf haben beide verständlicherweise keine Lust. Noch viel weniger Lust hat der Ortsrat allerdings auf die Vorschläge, die die Stadt in ihrem Vermerk schließlich macht.

Variante 1: Die vorgesehene Fläche wird gepflastert und erst geöffnet, wenn der Ortsrat Geld für den Brunnen zahlen kann.

Variante 2: Die Bedenken der Baufirma werden ignoriert, der Brunnen für rund 20 000 Euro gebaut, von denen 14 000 Euro Fördergelder wären. Problem: Zahlt die Stadt den Restbetrag, fehlt das Geld bei anderen Sanierungsprojekten. Außerdem gäbe es bei späteren Problemen und Mängeln keine Gewährleistung der Firma – die Stadt bliebe auf den Kosten sitzen.

Variante 3: Der Brunnen wird zum dritten Mal neu geplant – streng nach Vorschrift. Dann wäre man aber auch wieder bei den ursprünglich errechneten 35 000 Euro. Der Anteil der Stadt würde satte 21 000 Euro betragen.

Der Ortsrat hat seine Entscheidung schon gefällt: Die Politiker beschlossen am Montagabend einstimmig, mit Fördergeldern und Mitteln der Stadtsanierung im kommenden Jahr einen neuen Brunnen zu errichten. Entwürfe seien vorher mit dem Ortsrat abzusprechen. Bürgermeister Ralf Burmeister hält die ganze Geschichte für eine Posse: „Wir hatten vorher einen funktionierenden Brunnen und den wollen wir danach auch haben – fertig, aus.“

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