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Archäologen finden in Bennigsen Überreste aus Frühgeschichte

BENNIGSEN. Auf der Fläche zwischen der Straße Zur Schille und der Friedrich-Ludwig-Jahn Straße haben Archäologen Überreste aus der Zeit von vor Christi Geburt gefunden. Das könnte das Bauvorhaben, auf dem Areal sollte eigentlich ein Baugebiet entstehen, deutlich verzögern.

Mit diesen Furchen hatten Archäologen die potenzielle Baugebiets-Fläche untersucht. FOTO: BRINKMANN-THIES
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Denn die Fläche dürfte in nächster Zeit die Arbeitsstätte von Archäologen werden – und nicht von Bauarbeitern. Die bisherigen Funde legen den Schluss nahe, dass auf dem Gelände einst ein Dorf war – in der Zeit vor Christi Geburt.

Wie berichtet, wurden auf dem Gelände sogenannte Suchschnitte durchgeführt: Das bedeutet, dass ein Bagger mehrere fünf Meter breite Furchen angelegt hatte. Die Hannover Region Grundstücksgesellschaft (HRG) ist Eigentümer des Geländes und möchte, wie berichtet, dort auf einer Fläche von rund 3,6 Hektar ein Baugebiet entwickeln. Daraus wird alsbald aber vermutlich nichts. Den Verdacht legt das Ergebnis der vorsorglichen Untersuchungen jedenfalls nahe.

„Es wurden mehrere Befunde aufgedeckt: Sogenannte Pfostengruben und Siedlungsgruben“, erläutert Klaus Abelmann, Pressesprecher der Region Hannover. Die Archäologin der Region, Ute Bartelt, datiert die Fundstücke auf die Zeit vor Christi Geburt. Und das macht den Fund für die Wissenschaft gleich in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.

Der Hintergrund: Als Pfostenloch oder Pfostengrube bezeichnet man in der Archäologie die Reste der Eingrabung, in die ehemals ein senkrecht stehender Holzpfosten gestellt wurde, um ihm Halt zu geben. Der Pfosten ist in den meisten Fällen längst verwittert, Archäologen können allerdings anhand deutlicher Bodenverfärbungen erkennen, dass er da war. Und das dürfte großes Interesse der Forscher wecken.

Denn erstens deutet der Fund von Pfostenlöchern oder Pfostengruben darauf hin, dass sich auf dem Gelände einst eine Siedlung oder gar ein Dorf befunden haben könnte: Vorgeschichtliche Häuser sind in dieser Region fast immer in Pfostenbauweise errichtet worden.

Zweitens ist jeder Fund aus der Zeit vor Christi Geburt für Archäologen und Historiker eine bedeutende und wichtige Quelle, weil Schriftzeugnisse aus dieser Zeit in der Region nahezu ganz fehlen, umso wichtiger ist die Auswertung von Bodenfunden, um die Lebensweise der Menschen zu der Zeit rekonstruieren zu können.

Das spricht dafür, dass die Probegrabung nur der Auftakt für eine deutliche breiter angelegte Grabungskampagne auf dem Gebiet sein dürfte. Dass noch weitere Grabungen folgen werden, räumt auch Regions-Sprecher Abelmann bereits ein: „Sollte das Grundstück bebaut werden, sind auf jeden Fall weitere Grabungen notwendig, um auch die Befunde zwischen den Suchschnitten untersuchen zu können“, sagt er.

Was das fürs Bauprojekt bedeutet? Die Region verweist auf einen Pressetermin gemeinsam mit den Archäologen und mit der Grundstücksgesellschaft. Wann der stattfindet, steht allerdings noch nicht fest.

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