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Apotheker droht Verlust der Zulassung

Springe/Hannover. Er war Chef von vier Apotheken, darunter Geschäfte in Eldagsen und in Springe. Jetzt besitzt der 45-Jährige nur noch eine Apotheke in Empelde. Und wie lange der Pharmazeut sie noch betreiben darf, entscheidet bald die Apotheker-Kammer Niedersachsen. Die Berufung gegen seine Bewährungshaftstrafe aus dem Dezember 2013 zog er gestern am Landgericht jedenfalls zurück.

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Dabei hat er eine steile berufliche Karriere hinter sich. 1998 erhielt er die Approbation als Apotheker, im Juni 2002 promovierte er als Doktor. Im Januar 2003 machte er sich mit einer ersten Apotheke in Hoheneggelsen selbstständig. 2007 erwarb er dann die Apotheken in Springe und Eldagsen.

Doch da hatten die Betrügereien bereits begonnen. Ab 2007 bis Oktober 2011 kassierte der Angeklagte mit gefälschten Rezepten mehr als 292 000 Euro. Auf den Rezepten von Arztpraxen, die Notfallmedikamente und Verbandstoffe anforderten, hängte er bei den Mengenangaben oft einfach eine Null an oder veränderte die Zahlen. Der Schwindel flog auf. Anklage.

Im Dezember 2013 wurde der Apotheker dann im Amtsgericht Hannover wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Urkundenfälschung in 51 Fällen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Aus den 51 Einzelstrafen von insgesamt 308 Monaten Haft bildete das Schöffengericht eine Gesamtstrafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung. Inzwischen hat der geschäftstüchtige Apotheker das erschwindelte Geld zurückgezahlt – mitsamt einer weiteren Vertragsstrafe waren es mehr als 400 000 Euro.

Gestern dann die Berufungsverhandlung vor einer kleinen Strafkammer des Landgerichts. Der schmächtige Pharmazeut (nachtblauer Anzug, dezente Krawatte, weißes Einstecktuch) wiederholte sein Geständnis vom Dezember 2013.

Der Vorsitzende Richter Volker Löhr verblüfft: „Was gefällt Ihnen an dem Urteil nicht?“ Der Angeklagte: „Im Großen und Ganzen ist alles so richtig. Ich möchte nur das Strafmaß reduzieren!“ Richter Löhr: „Sie sind beim Schöffengericht sehr gut weggekommen! Der Angeklagte: „Ich war süchtig nach Erfolg, wollte weitere Apotheken in Hannover betreiben. Doch ich war auch krank. Litt unter schweren Depressionen. Inzwischen habe ich mich freiwillig zwei Psychotherapien unterzogen.“ Der Richter kopfschüttelnd: „Was hatten sie gedacht, als Sie die Rezepte fälschten?“

Der Angeklagte überlegte, dann zögernd: „Als ich die Rezepte in die Hand nahm, verspürte ich den unwiderstehlichen Drang, sie zu verändern. Das gab mir einen Kick, ein Glücksgefühl wie bei einem Sieg. Doch am nächsten Tag hatte ich die Tat schon wieder bereut. Ich hatte oft schlaflose Nächte. Deshalb war ich am Ende auch froh, als die Sache aufgeflogen war.“ Dieser Zeitung sagte der Apotheker: „Bei meinen schweren Depressionen hatte ich eine Störung der Impulskontrolle!“

Laut Staatsanwalt seien nicht alle Vorwürfe im ersten Prozess aufgeklärt worden: „Wenn wir mehrere Tage verhandeln, könnte es sein, dass wir mehrere eingestellte Verfahren wieder aufrollen!“ Richter Löhr fragte den Angeklagten, wie es für ihn weitergehe, wenn er die Zulassung verliere. Antwort: „Ich hoffe, dass ich weiter arbeiten kann!“ Verteidiger Michael Tusch bat um eine Auszeit. Nach fünfminütiger Beratung zog er die Berufung zurück. Der Richter: „Ich habe mehrere Zeugen geladen. Die Kosten trägt der Angeklagte.“ as

Der Apotheker vor Gericht: Der 45-Jährige hatte einst Geschäfte in Springe und Eldagsen. Gestern zog er die Berufung gegen seine Verurteilung wegen Betrugs zurück.



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