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Antisemitismus: Deutschrapper diskutiert mit IGS-Schülern in Springe

SPRINGE. Er war aktiver und erfolgreicher Teil der deutschen Hiphop-Szene. Doch weil er zunehmend antisemitische Tendenzen im Deutschrap bemerkte, wandte Ben Salomo sich von der Szene ab und engagiert sich seitdem verstärkt gegen Rassismus und Antisemitismus. Auch an der Integrierten Gesamtschule Springe (IGS).

Szabo,-Patricia

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Patricia Szabo Volontärin zur Autorenseite
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Dort hat Salomo jetzt einen Vortrag vor Neunt- und Zehntklässlern gehalten – wegen der Corona-Pandemie kam er per Videoschalte in die Klassenzimmer.

Ben Salomo, der mit bürgerlichem Namen Jonathan Kalmanovich heißt, kam im Alter von vier Jahren gemeinsam mit seinen Eltern aus Israel nach Westberlin und sammelte bereits in seiner Jugend Erfahrungen mit Antisemitismus. „Ich habe 1997 mit dem Rappen angefangen. Da kannte es eigentlich noch niemand“, erzählte er. Irgendwann habe er angefangen Gedichte zu schreiben, „um angestauten Emotionen einen Ventil zu geben.“ Mit seiner Battle-Rap-Reihe „Rap am Mittwoch“ machte er sich einen Namen und erreichte Millionen Zuschauer bei YouTube: „Die Veranstaltung hatte eine riesige Reichweite und war regelmäßig ausverkauft. Die Show ist mein Lebenswerk gewesen“.

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Berührungspunkte der Szene mit Rechtsrock und der Hisbollah

Doch als Salomo zunehmende antisemitische Tendenzen im Deutschrap bemerkte, gab er 2018 seinen Rückzug aus der Hip-Hop-Szene bekannt. Seitdem diskutiert er in seinen Vorträgen über die Missstände in der deutschen Rapszene. Viele Rapper und Produzenten seien involviert gewesen.

„Viele verknüpfen ‚Jude‘ seit jeher mit etwas Negativem“, sagte der Musiker. „Und wenn man in der Rap-Szene sagt, dass man Jude ist, ist man unten durch.“ Verantwortlich dafür seien sowohl Berührungspunkte mit der Rechtsrockszene, als auch mit der in Deutschland verbotenen islamistisch-schiitischen Partei und Miliz Hisbollah aus dem Libanon, die in der Rap-Szene dschihadistische Bildsprache, Dresscodes sowie Symbolik benutze, wie etwa der Rapper SadiQ in seinem Song „Kalaschnikow Flow 2“.

IGS will Schülerinnen und Schüler sensibilisieren

An der IGS seien bislang keine antisemitischen Vorfälle bekannt, sagt Annika Othmer, die didaktische Leiterin der Schule. „Aber mein Kollegium und ich nehmen mit Besorgnis die steigende Anzahl an antisemitischen Vorfällen in der Gesellschaft wahr. Sei es der Anschlag in Halle, andere Vorfälle, von denen man in den Nachrichten liest, Kommentare bei Social Media oder auch einzelne Textzeilen von bekannten Rappern.“ Der Schule sei es wichtig, die Schülerinnen und Schüler zu sensibilisieren. Ben Salomo sei in der Rap-Szene schließlich kein Unbekannter und könne durch seine eigenen Erfahrungen einen ganz anderen Zugang schaffen.

Organisiert wurde die Veranstaltung von der Friedrich-Naumann-Stiftung. Othmer: „Interessierte Schulen bewerben sich um eine Veranstaltung mit Ben Salomo.Wir hatten da einfach Glück, dass wir ausgewählt wurden.“




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