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Anthropologie der Uni Göttingen forscht an Edagser Skeletten

ELDAGSEN. Handelte es sich bei den gefundenen Knochen in Eldagsen um eine Mutter und ihre Kinder? Mit dieser Frage befassten sich fünf Archäologen, darunter Bezirksarchäologe Friedrich-Wilhelm Wulf und Birgit Grosskopf von der Uni Göttingen.

Bachelorstudenten in Göttingen bearbeiten im Rahmen eines Praktikums die Eldagser Knochen aus den Sammelkisten.
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Ein Rückblick: 2013 wurden in Eldagsen während Sanierungsarbeiten rund um die St.-Alexandri-Kirche zahlreiche menschliche Skelette gefunden. Die Experten vor Ort vermuteten, dass es ein Friedhof war, der vom 9. bis 19. Jahrhundert genutzt wurde. Bestattet wurden die Menschen aber in der Frühen Neuzeit, 16. bis 18. Jahrhundert. Damit die Bauarbeiten weitergehen konnten, wurden die Skelette schnell geborgen, die 356 Bestattungen dokumentiert und die Skelette der Abteilung Historische Anthropologie und Humanökologie an der Universität Göttingen geschickt.

40 Bestattungen bewertete die wissenschaftliche Angestellte Birgit Großkopf als vielversprechend für die Abteilung. Kriterien dafür waren zum Beispiel, ob die Skelette eine Totenkrone, Schmuck bei der Bestattung von Babys und Kindern oder jung verstorbenen Ledigen hatten. Interessant für die Abteilung war auch eine ungewöhnliche Ausrichtung eines Skeletts und die Frage, ob es sich um Doppelbestattungen handelte. „Die Knochenfunde waren Bestandteil einiger Bachelor- und Masterarbeiten“, weiß Dozentin Großkopf.

„Neues Material für die Studierenden zum Forschen ist sehr gut und lockt auch Interessierte in unsere Abteilung“, sagt Großkopf. Derzeit aber ruhen die aufwendigeren Untersuchungen. Das Problem: Ein Antrag an eine niedersächsische Stiftung für weitere Untersuchungen an den Eldagser Knochen wurde abgelehnt. „Die molekulargenetischen Untersuchungen sind sehr teuer, ohne Förderung fehlen die finanziellen Mittel“, beklagt sie. Eine molekulargenetische Untersuchung hat das Ziel, Veränderungen des Erbgutes festzustellen. „Wir müssen jetzt abwarten und weitere Anträge stellen. Mit der morphologischen Untersuchung können wir aber weitermachen“, erzählt Großkopf.

Begonnen wurde bei den ersten Untersuchungen damit, festzustellen, wie alt und welches Geschlecht die bestatteten Menschen hatten. Es konnten genetische Fingerabdrücke, eine Art DNA-Profil sowie Familienlinien bestimmt werden. Um weitere Verwandtschaften zu ermitteln, wurde die DNA entnommen und vervielfältigt. Dabei kam nicht nur heraus, dass es sich bei einem Doppelgrab um Mutter und Kind handelte, sondern auch, dass ein zusätzlich untersuchtes Kind mit dem Menschen des zweiten Doppelgrabes verwandt sein soll.

Weil das Erbgut gut erhalten ist, können auch weitere Analysen Ergebnisse liefern. „Wir haben das ganze Material noch lange nicht bearbeitet“, sagt Großkopf. Die Knochen werden weiterhin in Göttingen für die Studierenden bleiben. Die Ergebnisse werden an das Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege weitergegeben.

Jetzt steht aber fest: Bei einem der Gräber handelte es sich tatsächlich um eine Mutter mit ihrem Kind, die Menschen des anderen Doppelgrabes waren aber nicht miteinander verwandt.

Bei den Baumaßnahmen an der Marktstraße/Hinter der Post, wurden ebenfalls wieder neue Knochen in Eldagsen gefunden.



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