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Anja Jung und Raphaela Nickel schaffen Fläche für Bienen

GESTORF. Es summt und brummt in jeder Ecke des violett-bläulich schimmernden Feldes. Der Lavendel steht in den Sommermonaten in seiner vollen Blüte.

Anja Jung gibt Einblicke in den Bienenstock. FOTOS: SZABO

Autor:

Patricia Szabo

Der Duft hängt schwer in der sommerlichen Luft in Voges Garten. „Die Verlängerung des Blütenangebotes durch eine späte Trachtpflanze“ – so lautet das Motto der Offenen Pforte in Gestorf. Das klingt zunächst recht wissenschaftlich. Doch was steckt dahinter?

Bereits vor drei Jahren legten Anja Jung und Raphaela Nickel in mühevoller Arbeit ein Lavendel-Labyrinth an, welches sich in seiner Form am „Labyrinth von Ravenna“ orientiert. Sie verpflanzten 1640 Stecklinge aus zwei unterschiedlichen Sorten dieser Trachtpflanze. Trachtpflanzen sind Pflanzen, die gerne von Bienen, aber auch anderen Insekten, wie beispielsweise Hummeln, angeflogen werden, weil sie besonders viel Nektar und Pollen produzieren.

Mit ihrer Idee wollten die beiden Imkerinnen eine Blühfläche für Bienen schaffen und damit eine Nahrungsgrundlage für die Insekten. „Nach der Rapsblüte kommt nicht mehr viel“, erklärt Jung. Zwar gebe es noch die Lindenblüte, „die hat dieses Jahr jedoch nicht besonders stark gehonigt“, bedauert die Imkerin. Auch das Bienensterben ist ein Problem. Dafür gibt es viele Faktoren. Zum einen sind es die immer stärker eingesetzten Insektizide (Insektenvernichtungsmittel), zum anderen die immer weiter verbreitete Varroamilbe, ein Parasit, der die Bienenstöcke befällt. Jung sieht sich als Imkerin in der Pflicht Nahrungsgrundlagen zu schaffen, damit die Bienen gut durch das Jahr kommen. Der Lavendelgarten ist hierbei eine attraktive Maßnahme.

Nie ohne Rauch: Informativ und spannend ist auch die Präsentation des Bienentreibens innerhalb eines Bienenstocks. Der Rauch aus dem Smoker beruhige die Insekten jedoch nicht, wie viele denken, sondern suggeriere den Bienen einen Waldbrand. Sind die Insekten erst mal alarmiert, ziehen sie sich zurück, um sich im Honigraum den Bauch vollzuschlagen und auf den bevorstehenden Auszug vorzubereiten. Diesen Urinstinkt macht sich der Imker mit dem Räuchermaterial zunutze.

Jungs Räuchermischung setzt sich aus abgemodertem Holz und verschiedenen Kräuter zusammen. Aber selbst mit Rauch kann die Präsentation der Insekten auch mal danebengehen. Fühlen sich die Bienen bedroht, stechen sie zu. Für die Biene ist es ein Todesurteil, weil sie sich bei dem Versuch wegzufliegen, den kompletten Stechapparat abreißt. Auch darüber klärt Jung auf: „Die Stiche der alten Bienen schmerzen mehr, weil sie mehr Gift haben“.

Sei die Giftblase nach einem Stich noch intakt, sollte man sie nach dem Stich vorsichtig ausstreichen und nicht einfach herauszuziehen, rät die erfahrene Imkerin. Damit verhindere man das Einspritzen des Giftes. Jung ist schon oft gestochen worden. „Es kam sogar vor, dass ich aussah wie ein Klingone“, sagt sie.

Auf ein Volk mit rund 50 000 Bienen und einer Königin kommen rund 2000 bis 3000 Drohen (männliche Bienen). Drohnen stechen nicht, können sich nicht ernähren und werden gefüttert. Hat ein Drohn erst mal seine Schuldigkeit getan und die Bienenkönigin seinen Sommer lang begattet, endet sein Nutzen in einem Bienenstock und die Herren werden von den Damen vor die Tür gesetzt. Manchmal setzt sogar eine regelrechte Drohnenschlacht ein. „Bei einer Drohnenschlacht werden die Drohnen aus der Population rausgeschmissen, weil sie überflüssige Fresser sind“. Dieses Phänomen setzt am Ende des Sommers ein.

Seit 2012 arbeitet Jung auch als Bienenpädagogin und bietet Kindern Projekte zu diesem Thema an. Wer sich selber dem faszinierenden Hobby rund um die Imkerei widmen möchte, dem empfiehlt Jung einen Beitritt in einen Imkerverein. Dort sei man am besten aufgehoben. „Die Imkerei ist eine hohe Kunst, braucht Ruhe und erdet“, sagt Jung, „für einen Imker gibt es kaum etwas Beschämenderes als ein totes Bienenvolk“.

Auch die Besucher sind fasziniert. „Es ist für mich ein Wunder, dass alle Waben gleich groß sind“, sagt eine Besucherin begeistert.

Das Projekt um den Lebensraum der Bienen ist ambitioniert und soll in der Zukunft noch erweitert werden. Hierfür haben die beiden Frauen in Bennigsen bereits neues Land im Kleingartenverein gefunden. Dort möchten sie verschiedene Lavendelsorten anbauen und den Insekten einen neuen Lebensraum bieten.

Um dies zu verwirklichen, hoffen sie auch auf mehr Aufmerksamkeit seitens des Ortsrats. Die Imkerinnen wollen die Menschen dazu animieren, mehr Blüten und Bäume zu pflanzen, statt ihre Gärten mit Steinen zu pflastern. Natürlich sei das Pflastern pflegeleichter, das weiß auch Jung. Aber schon durch ein paar Pflanzen im heimischen Garten oder auf dem Balkon werde der Lebensraum der Insekten erweitert.



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