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Alle Infos zur Dichtheitsprüfung

SPRINGE. Am 31.12. 2019 endet nicht nur ein Jahr – in Sachen Abwasser beginnt mit diesem Stichtag eine neue Ära: Bis zu diesem Tag muss für alle Abwasserkanäle auf Grundstücken im Stadtgebiet eine Dichtheitsprüfung vorliegen.

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Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Warum das so ist, ob die Stadt an den Plänen festhält – und was das für Grundstücksbesitzer bedeutet, haben wir zusammengetragen.


Wie wird die Dichtheit der Abwasserleitung nachgewiesen?
Ist die eigene Leitung dicht, kann kein Fremd- oder Grundwasser in sie hineinsickern. Damit das ausgeschlossen wird, ist die sogenannte Dichtheitsprüfung vorgeschrieben. „Es gibt zahlreiche Unternehmen, die diese Leistung für die Grundstückseigentümer durchführen“, sagt Dieter Erdmann, Chef des Stadtentwässerungsbetriebs in Springe. Unternehmen, die der Stadt ihre Sachkunde nachgewiesen haben, hat die Verwaltung auf ihrer Internetseite auf einer Firmenliste zusammengetragen. Die dort aufgelisteten Unternehmen haben der Stadt nachgewiesen, dass sie wissen, was sie tun. Diese Unternehmen prüfen mittels Wasser- oder Luftdruck, ob in der jeweiligen Leitung kein Leck ist. Sind die Rohre dicht, bekommen die Grundstücksbesitzer einen Nachweis darüber, der wiederum wird an die Stadt weitergegeben, die die Nachweise sammelt. Ist eine Leitung nicht dicht, muss sie repariert werden. Faktisch wird diese Pflicht von der Stadt allerdings nur insofern kontrolliert, als sie die Dichtheitsprüfungsnachweise sammelt und verwaltet. Eigene Dichtheitsprüfungen macht die Stadt nicht.


Wenn nachgewiesen ist, dass die Leitungen dicht sind, ist die Sache erledigt?

Ja, zumindest 25 Jahre lang. Dann muss laut Satzung erneut nachgewiesen werden, dass die Abwasserleitungen dicht sind.


Will die Stadt an der Frist für die Prüfung festhalten?
Von dem jüngsten Vorschlag der CDU im Stadtrat – sie möchte die Frist zur Dichtheitsprüfung verschieben – hält Erdmann gar nichts. Er stellt klar, dass die Stadt „erhebliche Probleme mit Fremdwasser“ habe. Dabei handelt es sich seinen Angaben zufolge in erster Linie um Grundwasser, das in die Leitungen gelangt und schließlich in vielerlei Hinsicht Kosten verursache. Etwa dadurch, dass Pump-Anlagen häufiger im Einsatz seien, dadurch mehr Strom verbrauchen und am Ende schneller kaputtgehen. Und auch in der Kläranlage verursache das Wasser schließlich Kosten, unter anderem lasse sich verdünntes Abwasser schlechter reinigen, als unverdünntes. Erdmann spricht in dem Zusammenhang von Kosten „von mindestens einer halben Million Euro“, die dadurch entstehen, dass Grundwasser in die Abwasserleitungen laufe. Dabei rechnet Erdmann vor, dass in Springe an regenfreien Tagen nur weniger als halb so viel Trinkwasser verbraucht werde, wie am Ende in den Kläranlagen lande. Dort kämen an regenfreien Tagen bis zu 3,4 Millionen Liter Abwasser an. Zwar räumt der Stadtentwässerungs-Chef ein, dass auch städtische Leitungen Lecks haben könnten. Aber: „Wir sanieren unsere Leitungen ganz massiv“, sagt Erdmann, ergänzt „Grundstückseigentümer sollten das auch tun“. Kurzum: Eine Aufschiebung der Frist würde die Stadt viel Geld kosten, deshalb will der Eigenbetrieb an der Frist unbedingt festhalten.


Warum ist die Frist, anders als etwa in Bad Münder, hier so wichtig?
„Wir stehen vor einem großen Berg an Aufgaben“, bekennt Dieter Erdmann. Und räumt ein, dass die Leitungsdichtheit lange Zeit „nicht so ernst genommen“ worden sei. Mittels der Kanalbefahrung mit Kameras habe man festgestellt, dass etliche Kanäle undicht seien. Es bestehe also Handlungsbedarf.

Seit wann ist bekannt, dass diese Frist gilt?
Geregelt ist die Pflicht zur Dichtheitsprüfung in der Abwasserbeseitigungssatzung der Stadt. Die ist seit dem ersten Januar 2005 in Kraft. Der Stadtentwässerungschef stellt klar, dass die Stadt mehrfach auf die Frist und die Notwendigkeit zur Dichtheitsprüfung hingewiesen habe, unter anderem mit einer Postwurfsendung, die an alle Haushalte verteilt worden sei.


Wie sieht es aus mit Neubauten? Wird da auch kontrolliert, ob die Leitungen dicht sind?
Laut Stadtentwässerungsbetrieb ist eine Kontrolle gegeben. Bei Neubauvorhaben sei der Dichtheitsnachweis im Rahmen der Abnahme zu erbringen und somit ein Bestandteil der Genehmigung. Erdmann räumt ein, dass der Stadt nicht bekannt sei, wann die einzelne Grundstücksentwässerungsanlage verlegt werde. Wenn Bauherren ihre Anlage nicht zur Abnahme anmelden, weil sie noch nicht gebaut ist, könne das dazu führen, dass die Anlage vor Inbetriebnahme nicht geprüft wurde. „Sollte das passiert sein, wird der Nachweis nachgefordert. Somit ist die Kontrolle gegeben“, sagt Erdmann.


Wenn die Politik die Frist doch verschieben sollte – dann haben die, die jetzt schon ihre Leitung haben prüfen lassen, umsonst Geld bezahlt?

Dieter Erdmann vereint diese Frage ausdrücklich. Ausgaben für Kontrollprüfung und Sanierung hätte dieser Personenkreis keinesfalls umsonst aufgewandt. „Eine Grundstücksentwässerungsanlage, die technisch nicht in Ordnung ist, verursacht über kurz oder lang erhebliche Probleme für den Grundstückseigentümer, etwa durch Kellerüberflutungen oder durch Vernässung des Gebäudes“, argumentiert er.



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