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Alle Hintergründe zum Stromausfall in Springe und Bad Münder

SPRINGE/LÜDERSEN. Blackout in Springe: Am Sonnabend ist im gesamten Stadtgebiet und in Teilen der Region der Strom ausgefallen. Ein Fahrer eines Rübenroders hat am Abend einen Strommast bei Lüdersen umgefahren.

Ein Rübenroder prallt bei Lüdersen gegen einen 110-Kilovolt-Hochspannungsmast und sorgt so für einen Blackout im Stadtgebiet Springe. Der Fahrer blieb unverletzt. FOTO: HERRMANN

Autor

Bernhard Herrmann Reporter

Der 44-jährige Fahrer ist auf einem Acker in der Feldmark zwischen Lüdersen und Pattensen gegen einen Hochspannungsmast des Netzbetreibers Avacon geprallt. Durch die Wucht des Aufpralls knickte das Stahlgerippe um und stürzte auf die Erntemaschine. Als die Leiterseile den Erdboden berührten, kam es zum Kurzschluss und zeitgleich zu einem großflächigen Stromausfall in 24 Städten und Gemeinden in der südlichen Region Hannover und dem nördlichen Landkreis Hameln-Pyrmont.

Als es ab 20.50 Uhr plötzlich nacheinander zum kompletten Blackout kam, griffen die Springer erst einmal zu ihren Handys und Taschenlampen und schauten verunsichert aus den dunklen Fenstern auf die stockfinsteren Straßen. Festnetz-Telefone, die über strombetriebene Router und das Internet arbeiten, aber auch Mobilfunkzellen waren stromlos – die gesamte Kommunikation war ausgefallen. Terrestrischer Radioempfang funktionierte nur noch über batteriebetriebene Empfänger. Daher konnten auch keine Notruf- und Servicenummern gewählt werden. Viele Springer fuhren mit Autos und Bussen in beleuchtete Orte in Richtung Hannover.

Von 21.30 Uhr bis 21.40 Uhr wurde laut Avacon-Sprecherin Corinna Hinkel für die Städte und Gemeinden aus der Region Hannover die Stromversorgung über eine Mittelspannungs-Ringleitung wiederhergestellt. Wem Schäden durch den Stromausfall entstanden sind, soll sich laut Hinkel an den Netzbetreiber Avacon wenden.

Laut Polizei war der 44-jährige Fahrer aus Bodenwerder mit dem Rübenroder auf einem Zuckerrübenfeld hinter der Bebauung in Richtung Pattensen mit Erntearbeiten beschäftigt. Auf der Fahrt zu einem Rübenabladeplatz am Feldweg soll sich die Entladeeinrichtung nicht zurück in die Maschine zurückbewegt haben. Dann prallte der Ausleger gegen den Hochspannungsmast. Durch die Wucht des Aufpralls knickte der Mast nach hinten um und legte sich über die Karosserie der Erntemaschine, die daher eingeklemmt wurde und nicht weiterfahren konnte. Beide Traversen mit den sieben Leiterseilen und Isolatoren bohrten sich senkrecht in den Acker hinein. Dadurch standen die Erntemaschine und der Mast unter 110-Kilovolt-Spannung. Der Fahrer war laut Polizei unverletzt. Der 44-Jährige rief über den Notruf die Regionsleitstelle an. Die Mitarbeiter dort wiesen den Erntehelfer an, auf keinen Fall das Fahrerhaus zu verlassen, um nicht von der lebensgefährlichen Hochspannung getötet zu werden. Die Räder isolierten die Zuckerrübenvollerntemaschine gegen die Hochspannung. Ein Polizeihubschrauber leuchtete eine Zeit lang die Unfallstelle in der Feldmark aus der Luft aus.

Die Regionsleitstelle alarmierte die Ortsfeuerwehren aus Lüdersen und Bennigsen. 29 Einsatzkräfte rückten mit sechs Fahrzeugen in die Feldmark aus. Die Polizei sperrte alle umliegenden Feldwege ab. Die Einsatzkräfte durften sich laut Feuerwehr nur auf etwa 200 Meter dem umgestürzten Hochspannungsmast nähern, um nicht selbst in Lebensgefahr zu geraten. Die Feuerwehreinsatzleitung stand über Handy in Kontakt mit dem Fahrer.

Netzbetreiber Avacon schaltete im Laufe des Abends die Hochspannung auf dem Leitungsabschnitt aus und schickte zwei Techniker an die Unfallstelle. Zwischenzeitlich musste abgewartet werden, bis kein Reststrom mehr durch die Techniker messbar war. Nach etwa zwei Stunden konnte der Fahrer die missliche Lage unter dem Hochspannungsmast verlassen und stieg unverletzt aus dem Führerhaus des Rübenroders aus. Er wurde mit einem leichten Schock dem Rettungsdienst übergeben und anschließend nach Hause gefahren.

Für die Bergung des Rübenroders müssen laut Experten zuerst die Leiterseile gekappt und der etwa fünf Tonnen schwere Mast zerlegt werden.

Die Unfallstelle in der Feldmark wurde weiträumig abgesperrt. Ein Wachdienst übernahm gestern Morgen die Sicherung des zerstörten Rübenroders und vom umgestürzten Hochspannungsmast. Die Schadenhöhe und Folgeschäden sind noch unklar. Die Einsatzstelle konnte erst gegen 0 Uhr dem Energieversorger für weitere Maßnahmen übergeben werden. Wieviele Haushalte insgesamt betroffen waren, kann Avacon-Sprecherin Corinna Hinkel nicht sagen – lediglich die ausgefallenen Stationen würden erfasst. „Es kann aber schon sein, dass einige Haushalte innerhalb einer Ortschaft noch Strom hatten, weil diese dann an andere Leitungen angeschlossen sind.“ Nach NDZ-Informationen sollen etwa einige Eldagser noch Strom gehabt haben.

Der Rübenroder gehört laut Polizei zur Zuckerrüben-Rode-Gemeinschaft Weserbergland (ZRG) GmbH & Co. KG in Aerzen. Der 44-jährige Fahrer aus Bodenwerder ist dort beschäftigt.

Züge stehen still: Auch im S-Bahn-Verkehr kam es zu Ausfällen und Verspätungen: Aufgrund des Stromausfalls war ein Stellwerk in Weetzen gestört. Betroffen war die S-Bahn-Linie 5, die in Springe und Bad Münder hält. Die Stellwerkstörung konnte aber um 22.19 Uhr behoben werden.

Keine Unfälle oder Einbrüche: Innerhalb der etwa 30 Minuten soll es laut Polizei keine Unfälle oder Einsätze in Springe gegeben haben. Etwa 40 Anrufer meldeten den Beamten den Stromausfall, die Polizei wartete zu diesem Zeitpunkt allerdings auch noch auf Informationen des Energieversorgers.

Information

In 24 Ortschaften ist der Strom ausgefallen: In der Stadt Springe, in Altenhagen I, Alvesrode, Eldagsen, Gestorf, Völksen; in der Stadt Barsinghausen: in Langreder; Stadt Ronnenberg: in Weetzen, Linderte, Vörie; Stadt Gehrden selbst und in Redderse; Gemeinde Wennigsen selbst und in Argestorf, Bredenbeck, Degersen, Evestorf, Holtensen, Sorsum, Steinkrug, (Wennigser Mark) und im Landkreis Hameln-Pyrmont (Bad Münder selbst und in Flegessen, Hachmühlen und Hasperde).



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