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Schulfotografen-Prozess: Realschulleiterin weist Bestechungsvorwurf zurück / 160 Euro Spende

„Aggressive, teilweise unerträgliche Anrufe“

Springe (mari). „Ich hatte keine Bedenken. Das erschien mir legal“: Jutta Brenneke, Rektorin der Heinrich-Göbel-Realschule, hat gestern vor dem Landgericht Hildesheim im Schulfotografen-Prozess ausgesagt. Sie habe jahrelang mit der angeklagten Firma aus Lehrte zusammengearbeitet und nie auch nur den Hauch eines Bestechungsversuchs gesehen.


Das Schöffengericht ließ zwischen den Zeugenbefragungen am zweiten Prozesstag durchblicken, dass die Beweislage derzeit eher dünn aussehe. Weil Unterlagen fehlten, drohte der auf Korruptionsfälle spezialisierte Staatsanwalt zwischenzeitlich, die Lehrter Firma erneut durchsuchen lassen zu wollen.

Dem Unternehmen wird vorgeworfen, zwischen April 2002 und Januar 2005 15 Schulen in Peine, Hannover und der Umgebung mit Geld- und Sachgeschenken bestochen zu haben, um an Aufträge zu kommen. Bereits am ersten Prozesstag wehrten die als Zeugen geladenen Lehrer und Rektoren ab. Sie hätten sich für die Firma wegen ihres guten Preisleistungsverhältnisses und der örtlichen Nähe entschieden. Zwar hätten sie auch Spenden – etwa eine Digitalkamera – oder eine Umsatzbeteiligung erhalten. Aber diese Art der Aufwandsentschädigung sei bei allen Anbietern üblich.

Das sagte auch Brenneke aus. Wöchentlich werde sie von Schulfotografen bedrängt. „Das sind aggressive, teilweise unerträgliche Anrufe.“ Die Lehrter KG sei anders gewesen, sehr nett und ordentlich. „Auch deswegen haben wir sie ausgewählt.“ Die Bilderaktion sei so aufwendig, dass Brenneke sie gerne nur im Zwei-Jahres-Takt durchführen würde: „Aber die Eltern wünschen sie jedes Jahr.“

Die Realschule hat von dem Lehrter eine Spende in Höhe von 160,95 Euro erhalten. Vergleichsweise wenig: Während die Springer Schule nur fünf Prozent des Umsatzes behielt, zogen andere zehn bis 15 Prozent ein. Eine Erklärung dafür hatte Brenneke nicht. Über den „Gewinn“ sei schließlich nie verhandelt worden.

Der Prozess wird morgen fortgesetzt. Die Urteilsverkündung ist für nächste Woche vorgesehen.



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