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Abschied: Patricia Szabo brannte für das Leben – und den Journalismus

Sie wusste, dass sie den Kampf nicht gewinnen kann – und hat ihn doch angenommen. Jetzt hat NDZ-Volontärin Patricia Szabo diesen Kampf endgültig verloren – ein Nachruf auf eine leidenschaftliche Lokaljournalistin.

lkbm Redaktion Christian Zett  jhr_4H2A7450

Autor

Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Als Patricia Szabo im Juni 2021 erfährt, dass sie Krebs hat, macht sie etwas völlig Ungewöhnliches und Normales zugleich: Sie schreibt öffentlich darüber – kreativ, ehrlich und mit viel Humor. Ungewöhnlich ist das, weil viele Menschen bei diesem Thema eine solche Offenheit scheuen. Und doch ist es auch normal, weil es zu ihr passt, so ehrlich und direkt zu sein.

Monatelang können ihre Freunde so im sozialen Netzwerk Facebook ihren Kampf gegen die Krankheit verfolgen, von der sie sofort wusste: „Gesund werde ich nicht mehr.“ Es gibt hier künstlerische Interpretationen vom Krankenhaus-Essen zu sehen, spektakuläre Chemotherapie-Fotomontagen und immer wieder schöne und traurige Momente. Am 15. Mai 2022 ist Patricia Szabo gestorben, mit gerade 43 Jahren.

Eine leidenschaftliche Reporterin

Patricia Szabo, Kürzel „sza“, war eine leidenschaftliche Reporterin, kreativ, immer mit der nächsten Geschichte im Kopf. Sie liebte es, die Menschen in unseren Städten und Dörfern kennenzulernen, ihre kreativen Ideen zu hören und weiterzutragen. Aber sie scheute auch nicht den Konflikt und die klare Meinung – egal ob es um Corona-Maßnahmen ging, um Lokalpolitik oder um Situationen, die sie als ungerecht empfand.

Geboren 1978 im polnischen Krosno Odrzañskie, kam Patricia Szabo als Kind nach Deutschland und zog mit ihrer Familie über Bremerhaven an den Deister. Sie studierte an der Hochschule Hannover Technische Redaktion und stieg 2017 bei der NDZ ein, zuerst als freie Mitarbeiterin, die von vielen Terminen ganz kleine und ganz große Geschichten mitbrachte – immer mit der Leidenschaft für den Lokaljournalismus und mit dem Auge für das nächste tolle Bild. Sie liebte die Fotografie. Im Frühjahr 2021 begann sie dann ein Volontariat, die Ausbildung zur Redakteurin.

"Ich will kein Opfer sein"

Eine der Waffen, die Patricia Szabo mitbrachte in diesem Kampf gegen den Krebs, war ihr Humor. „Denk dran: Lustiger Nachruf! Irgendwas mit erst viel Humor, dann viel Tumor“, hat sie mir in einer ihrer letzten Nachrichten geschrieben.

Und so war sie auch: Zumindest nach außen hin wollte sie sich bei aller Angst das Lachen, den manchmal beißenden Spott über die Krankheit und ihre Auswirkungen nicht nehmen lassen. „Ich will kein Opfer sein“, hat sie gesagt.

Sie klammerte sich ans Leben

Patricia Szabo liebte es, selbstständig zu sein, sich frei zu fühlen; sie eroberte sich die Welt, erkundete Thailand oder Island, arbeitete als freiwillige Helferin im Erdbebengebiet von Nepal. Corona und der Krebs – für beide hätte sie sicher noch viele passende Schimpfwörter gefunden – haben sie gebremst in ihrem Reisefieber. Und doch klammerte sie sich bis zuletzt an das Leben, das sie so liebte. Den nächsten schönen Moment, die nächste große Reise sehnte sie immer herbei. Patricia Szabo hinterlässt ihren Ehemann und zwei Kinder.

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