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Abenteurer Arved Fuchs im großen NDZ-Interview

SPRINGE. Er durchquerte Grönland einmal komplett mit dem Hundeschlitten, umrundete das Kap Hoorn mit einem Faltboot und gelangte als erster Deutscher zu Fuß zum Nordpol: Arved Fuchs ist nicht nur Polarforscher, sondern auch ein begnadeter Erzähler – nicht nur in seinen Büchern, sondern auch live während Vortragsreisen.

Auf Expedition: Arved Fuchs auf seinem umgebauten Haikutter Dagmar Aaen zwischen riesigen Eisbergen. FOTO: VERANSTALTER
Mischer

Autor

Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Über seinen Hang zum Abenteuer, seinen Traumurlaub und seinen anstehenden Besuch in Springe hat Fuchs mit NDZ-Redakteur Ralf T. Mischer gesprochen.

21 000 Seemeilen auf einem Schiff; größtenteils fernab jeglicher Zivilisation, so weit im Süden, wie es das Eis zulässt: Das klingt nach Abenteuer.

Ja, das ist auch ein Abenteuer. Aber das ist es natürlich nicht allein, sondern es geht auch um Inhalte. Aber wenn man mit einem so kleinen Segelschiff in diesen Gewässern unterwegs ist, dann ist das natürlich immer eine ganz besondere Herausforderung, weil die Rahmenbedingungen sehr extrem sind.

Genau, die Expedition im vergangenen Jahr wurde ja noch spannender dadurch, dass Sie mit Stürmen, Flauten und einem kaputten Propeller zu kämpfen hatten. Machen Sie sich da manchmal auch Gedanken darüber, ob sie heil zurückkommen?

Ja, natürlich, man fährt ja nicht einfach blauäugig los in den blauen Dunst hinein. Ich mache solche Expeditionen ja schon sehr lange und solche Projekte unterliegen natürlich einer genauen Planung und einer Risiko-Abwägung. Das zeigt sich bei dem, was wir im vergangenen Sommer erlebt haben – mit dem Defekt an der Schraubenanlage. Wir mussten die Route aus Sicherheitsgründen ändern und zurück nach Island fahren, weil es relativ riskant war. Die Sicherheit steht also immer im Vordergrund. Was für den Außenstehenden extrem und sehr gefährlich aussieht, ist für uns Handwerk. Wir haben gelernt, mit bestimmten Widrigkeiten umzugehen und dem zugrunde liegt eine sehr sorgfältige Planung.

Warum setzt man sich dem überhaupt aus?

Na, ich bin immer jemand gewesen, der zum einen Spaß an Natursportarten gehabt hat, der die Leidenschaft für die Natur gehabt hat – und der zum anderen die Natur in ihrer ganzen Konsequenz erleben möchte. Also nicht durch die Scheiben eines klimatisierten Kreuzfahrtschiffes nach draußen gucken. Das ist ja ungefähr so, als würde ich Fernsehen gucken. Wenn ich bei 20 Grad unter null eine Region bereise, dann möchte ich diese 20 Grad unter null auch spüren. Man muss natürlich lernen, sich in dieser Natur zu bewegen. Ich bewege mich auf dem grönländischen Inlandeis oder an Bord eines Segelschiffes mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie in Hamburg auf dem Jungfernstieg. Ich bin in beiden Welten zu Hause.

Wie oft waren Sie in dieser abenteuerlichen Welt – und welche Expedition war am gefährlichsten?

Ich bin kein Jäger und Sammler der gefährlichsten oder schwierigsten Situationen. Ich mache das seit 1970 und natürlich sind im Rahmen dieser Expeditionen auch immer wieder brenzlige Situationen entstanden. Heute interessieren mich aber, ehrlich gesagt, auch andere Dinge, das hat sicherlich auch mit dem Alter zu tun. Früher war der sportliche Ehrgeiz und dieses sich Herantasten an eigene Grenzen und ein wenig darüber hinauszugehen im Mittelpunkt. Heute geht es mir um Inhalte: Stichwort Klimawandel, Plastik und andere Dinge. Zuletzt hatten wir Wissenschaftler an Bord, die Forschungen dazu betrieben haben.

Darüber werden die Zuschauer in Springe sicherlich auch etwas erfahren?

Im Vortrag, den ich in Springe halten werde, geht es um die Kap-Hoorn-Antarktis-Expedition im Jahr 2015. Da stand der Wissenschaftsaspekt noch nicht so im Vordergrund wie bei der Expedition im vergangenen Jahr in die Arktis. Aber ich werde auch erzählen, was ich früher dort gemacht habe, wie etwa 1984 die Kap-Hoorn-Umrundung im südlichen Winter mit einem Faltboot. Das ist eine echte Extrem-Unternehmung gewesen. Ebenso wie die Durchquerung des patagonischen Inland-Eises oder die Shackleton-Reise, die ich in der Antarktis gemacht habe.

Das scheinen ja Erfahrungen zu sein, die noch heftiger sind als die Unternehmung, die sie 2018 gemacht haben?

Das kommt immer drauf an (lacht). Mit einem Segelschiff im Eis in den Schwerwettergebieten zu fahren, das ist sicherlich auch kein Spaziergang.

Können Sie auch mal mit einer Tüte Chips und einer Flasche Bier vorm Fernseher entspannen?

Das kann ich wie jeder andere auch. Aber das ist nicht mein Lebensmittelpunkt. Das ist ja mal ganz nett – aber ich bin eher jemand, der versucht, sein Leben zu gestalten und mit Inhalten aufzufüllen. Ich mache mit meiner Frau auch mal Urlaub.

Aber nicht pauschal, oder?

Nein, und auch nicht nur einfach mit dem Badetuch am Strand liegen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen – schon mit sportlichen Aktivitäten.

Waren Sie schon mal am Deister?

Die Region sagt mir natürlich was und das Wisentgehege ist mir ein Begriff. Ob ich hier schon einmal für einen Vortrag gewesen bin, kann ich wegen der vielen Vorträge, die ich schon gehalten habe, aber nicht mehr genau sagen. Leider ist keine Zeit für eine Wanderung, weil ich mitten in der Vortragstournee stecke und einen vollen Terminkalender habe.

Sie haben sicherlich schon die nächste Expedition geplant. Wo soll es hingehen? Vielleicht sollten Sie über eine Überlebenstour im Deister nachdenken?

(Lacht) Darüber denke ich mal nach. Ernsthaft: Das aktuelle Projekt ist über zwei Jahre gelaufen, das ist ja logistisch und finanziell ein ziemlicher Aufwand. Das Schiff geht, wenn wir zurückkommen, erst mal in die Werft und wird runderneuert. Parallel planen wir das nächste Projekt – aber ich kann heute nicht sagen, wo es hingehen wird.



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