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Experten geben Entwarnung: Problem wird erst akut, wenn Mediziner in Ruhestand gehen

Ärzte können auch in Springe knapp werden

Springe (jemi). Die Serie „Der Landarzt“ im ZDF ist Kult und die Zuschauer verehren den smarten Doktor. Doch das ist eben nur eine Serie im Fernsehen. Die Realität sieht etwas anders aus: Da wollen kaum noch junge Ärzte auf dem Land ihren Beruf ausüben – somit werden sie in einigen kleinen Orten knapp. Für Springe geben Experten der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) allerdings noch Entwarnung.


„In Springe herrscht noch keine Unterversorgung“, sagt Dr. Specker, Geschäftsführer der Bezirksstelle der KVN. Derzeit gebe es 21 Hausärzte, etwas beunruhigend sei allerdings, dass davon acht älter als 60 Jahre seien. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es sich schwierig gestalte, Nachfolger für diese Praxen zu gewinnen. In einigen Jahren könne es also auch in Springe zu Engpässen kommen. Der Geschäftsführer befürchtet, dass vor allem die Praxen in den kleinen Ortsteilen schwer neu zu besetzen sind. Das habe er auch schon im Bereich Springe festgestellt. Eine Praxis sei eben nur überlebensfähig, wenn es genug Einwohner gebe. Bei unter 1000 Menschen im Ort würde sich seiner Meinung nach höchstens eine Zweitpraxis lohnen, die stundenweise geöffnet hat.

Im Moment jedoch sei die Versorgung so gut gewährleistet, dass für alle Ärzte Sperrgrenzen gelten. Das bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Praxen eröffnet werden dürfen. Gerade im Bereich der Fachärzte könne sich die Deisterstadt nicht beklagen, sagt Specker. Es fehle allein ein Hautarzt – der nächste sei in Bad Münder und somit von der Entfernung zumutbar, findet Specker.

Die Vertreter der KVN können die Reserviertheit der jungen Ärzte gegenüber der Arbeit auf dem Land nicht unbedingt verstehen. Specker weiß, dass es dort häufig einfacher ist, Fuß zu fassen. Trotzdem würden die Stellen in Ballungsgebieten, wo die Konkurrenz deutlich höher ist, eher genommen werden. „Die jungen Ärzte haben meist mehrere Optionen.“ Deshalb würden sich die jungen Mediziner das Beste herauspicken. Springe habe es laut Specker aber auch hier ganz gut getroffen. Schließlich sei die Infrastruktur in Springe für Familien attraktiv – hinzu käme die Nähe nach Hannover.

KVN-Pressesprecher Dr. Uwe Köster berichtet, dass sich vor allem junge Ärztinnen sträuben, auf dem Land tätig zu sein. Schnell hätten sie die Sorge, auf dem Dorf zu „versauern“. Die weichen Faktoren wie Kultur oder Einkaufsmöglichkeiten spielen eine wichtige Rolle, so Köster. Außerdem würden auch die Ehepartner eher einen Beruf in der Stadt ausüben und nicht gewillt sein, in die Peripherie zu ziehen. Um den Gang auf das Land für die Mediziner attraktiver zu gestalten, würden bereits jetzt zum Teil Umsatzgarantien und finanzielle Planungssicherheit angeboten werden. Man dürfe die Ärztelücken, die in einigen Jahren drohen, unter keinen Umständen zu groß werden lassen, sind sich die Experten einig.

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