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Die Idylle in den Bennigser Gartenkolonien bröckelt / Ex-Vereinschef wettert gegen Vorstand

Ärger im Paradies

Bennigsen. Im Kleingartenverein Bennigsen hängt der Laubensegen schief – und schon länger brodelt es hinter den Hecken. Jetzt sorgt ein Schreiben auf der Internetseite des Klubs für mächtig Zündstoff.

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Autor:

Markus Richter

„Klartext reden war immer mein Ding“, sagt Frank Kallis. Mit dem früheren Vorsitzenden ist zurzeit nicht gut Kirschen essen. Sechseinhalb Jahre hatte er das Amt inne, mit Herzblut, wie er sagt. Im Juli trat der 49-Jährige dann zurück. Mit der Übergangslösung durch den kommissarischen Vorstand zeigt sich Kallis jedoch alles andere als zufrieden. „Ich kann und will nicht einfach zusehen, wie wir verarscht werden“, schimpft er auf der Internetseite, die noch immer maßgeblich von ihm betreut wird. Kallis spricht von „Beratungsresistenz“ und von Ungleichbehandlung durch die Klubleitung. Obwohl der Verein eigentlich eine Gemeinschaft aus drei Kolonien darstellt, höre „das Bewusstsein einiger Mitglieder vor dem eigenen Gartenzaun auf“.

Als Beispiel führt Kallis die „Kolonie von Reden“ an. Die werde „mehr oder weniger nur noch als ungeliebtes Stiefkind behandelt und vernachlässigt“. Bis zum Jahresende liegen dort 18 Gärten brach – und das, obwohl die Schreber gerne Nachwuchs hätten und auf die Mieteinnahmen angewiesen sind. Der Ärger fange schon am Aushangkasten an: So teile der Vorstand mit, die Mitglieder müssten zwei Einsätze für einen einzigen, „unbedeutenden“ Garten in der Kolonie „Quensells Lust“ leisten – statt dort, wo die Arbeit wirklich benötigt wird, nämlich bei „von Reden“.

Pikant: Kallis wirft seinem Nachfolger vor, vor der eigenen Laube in „Quensells Lust“ alles schön haben zu wollen. Sein Gegenüber, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung erwähnt haben will, dreht den Spieß um 180 Grad um: Kallis wohne schließlich in „von Reden“ und sei daher besonders bedacht darauf, dass seine Nachbarschaft nicht untergehe. „Das größte Problem unseres Vereins: Wir haben zu viele Parzellen.“ Die im Bereich „von Reden“ seien die Einzigen, von denen man sich trennen könne.

Kallis hingegen sagt, er und seine Nachbarn würden „da unten einen richtigen Kragen schieben“ angesichts dieses Verständnisses von Gemeinschaft. „Es hat ganz den Anschein, dass die Notwendigkeit der Überlebensgrundlage des Vereins völlig außer Acht gelassen wird.“

Die brachliegenden Gärten würden mit einem Verlust von 1200 Euro zu Buche schlagen, die einzige Parzelle in der „Vorzeigekolonie Quensells Lust“ nur mit 60 Euro. Hinzu kämen sogar massive Kosten für die Entsorgung des Bauschutts. „Geld, was eigentlich überhaupt nicht dafür eingeplant wurde.“ Unter seiner Vereinsführung hätte es das nicht gegeben, meint der 49-Jährige.

Eine Rückkehr in den Vorstand schließt er im Gespräch mit der NDZ aus. Seinem kommissarischen Nachfolger, den er im Grund als „eifrigen Gartenfreund“ schätze, schlägt er vor, zurückzutreten. Und genau das hat der auch vor: „Es steht fest, dass ich mein Amt niederlege.“ Am Montag kommt der Vorstand zusammen, noch in diesem Jahr soll die Mitgliederversammlung tagen. Und alle hoffen, dass in Bennigsen die Idylle wieder einkehrt.

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