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Hebammen kämpfen für höheren Lohn

7,50 Euro pro Stunde – „der Oberwitz“

Springe. Genau 5020 Gramm zeigt die Waage an – 20 Gramm müssen noch für die Windel abgezogen werden. Der kleine Noah ist 37 Tage alt und isst ganz ordentlich. Mama Meike Glesinski ist zufrieden, Hebamme Hanna Springfeld auch – eigentlich. Denn die Geburtshelferin kann von ihrem Einkommen kaum leben. Und vielen ihrer Berufsgenossinnen geht es genauso. Darum gehen einige von ihnen jetzt auf die Straße – und streiken für eine gerechte Entlohnung.

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Autor:

Rusmira Colic

Seit Noahs Geburt kommt Springfeld ein Mal pro Woche bei der jungen Mutter vorbei und beantwortet alle Fragen rund ums Baby. „Ich habe zwar schon eine Tochter, aber jedes Kind ist anders“, sagt Glesinski, glücklich über die Unterstützung. Dass Springfeld sich eine Stunde Zeit nimmt, ist für viele Familien wichtig – aber nicht selbstverständlich. Die Krankenkasse zahlt für einen halbstündigen Besuch 27 Euro. „Im Normalfall bleibe ich aber mindestens eine Stunde“, erklärt Springfeld. Für ein Beratungsgespräch einer Schwangeren bekomme sie sogar nur 15 Euro.

„Ich arbeite von Jahr zu Jahr mehr und verdiene weniger“, sagt Karin Stierand, die seit 22 Jahren als Hebamme arbeitet. Weil die Tarifverhandlungen mit den Krankenkassen seit Monaten still stehen, gehen die Geburtshelferinnen seit Ende der vergangenen Woche auf die Straße. Es ist mehr ein symbolischer Streik, weil die Schwangeren nicht darunter leiden sollen.

„7,50 Euro Stundenlohn sind der Oberwitz“, sagt auch Inka Klawier aus Eldagsen, die bis vor eineinhalb Jahren noch Geburtshilfe angeboten hat. „Als die Haftpflichtversicherung auf jährlich 3 700 Euro stieg, bedeutete das das Aus“, erklärt sie. Früher habe sie rein rechnerisch zweieinhalb Geburten absolvieren müssen, um die Versicherungskosten zu erwirtschaften – heute seien es 18. Für eine Hausgeburt bekommt eine Hebamme 548 Euro von der Krankenkasse bezahlt, das Doppelte ist laut des niedersächsischen Hebammenverbandes angemessen. Für eine Krankenhausgeburt gibt es 285 Euro. Dem werden elf Stunden Arbeit zugrunde gelegt – acht Stunden vor der Entbindung und drei danach.

Das Gehalt stehe einfach in keinem Verhältnis zur Verantwortung, erklärt Klawier: „Wir sind in ständiger Rufbereitschaft und einer starken physischen und psychischen Belastung ausgesetzt.“ Viele Menschen hätten eine romantische Vorstellung von dem Job. „Wir haben nie frei“, sagt Stierand. Von 52 Wochenenden im Jahr sei sie an 45 im Einsatz. „Wir machen das alle nur, weil die Arbeit so befriedigend und erfüllend ist.“ Springfeld ergänzt: „Es ist ein sehr idealistischer Beruf.“ Sie hat selbst drei Kinder, das jüngste gerade ein knappes Jahr alt. Vier Monate nach der Geburt hat die Hebamme wieder gearbeitet.

Für die 29-jährige Glesinski ist Springfeld eine Hilfe in jeder Lage. „Heute haben wir Tragesysteme getestet, damit ich einfach beide Hände frei habe“, erklärt die junge Mutter. Sie kann bei Springfeld alle Fragen rund ums Stillen und Ernährung loswerden – oder Beschwerden. Der Mutter ist wichtig, sich rundum betreut zu fühlen.



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