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SPD schießt scharf gegen den Rudolf-von-Bennigsen-Förderverein – doch die Bibliothek bleibt offen

4500 Euro für 44 Leser

Bennigsen. Die Hälfte der Bücher ist „Schrott“ – und der Förderverein um Peter Kimmel „hat sich ein glückliches Leben gemacht mit Steuergeldern“. Es waren scharfe Geschütze, die Dieter Figuth (SPD) im Ortsrat auffuhr, um der Forderung seiner Fraktion Ausdruck zu verleihen: die Schließung der Rudolf-von-Bennigsen-Bibliothek. Der Vorstoß scheiterte – auch, weil sich Figuth mit CDU und Grünen überwarf.

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VON CHRISTIAN ZETT

Die Lage ist schnell beschrieben: Nur 44 Nutzer sind angemeldet für die Rudolf-von-Bennigsen-Bibliothek, die der gleichnamige Förderverein vor zehn Jahren von der Stadt übernommen hat. Vier Stunden pro Woche öffnen Ehrenamtliche die Einrichtung seitdem. Die Stadt kostet das Unterfangen aber weiterhin Geld: 4500 Euro fließen im Jahr; inklusive Energie- und Reinigungskosten sowie eines 700-Euro-Zuschusses an den Verein.

Grund genug für die SPD, die Bibliothek aufzugeben. Die Räume sollen stattdessen vermietet werden, so der Plan – etwa an den Verein selbst oder als Privatwohnungen. Im Vergleich mit Figuth brachte dessen Fraktionskollege Niklas Remtisch das Argument diplomatischer rüber: Rechnerisch komme ein Besucher pro Woche „und das kostet uns 4500 Euro im Jahr“. Von dem Geld könne man ohne Weiteres Jugend-Vereinsarbeit für 300 Mitglieder bezuschussen: „Aber woanders kürzen wir Bezüge oder verlangen Gebühren.“

Andrea Susan Nolte (CDU) brachte das auf die Palme: Auch ohne Bibliothek fielen Kosten für die Unterhaltung der Räume an. Auch eine Vermietung sei „illusorisch“. Figuth unterstellte sie persönliche Interessen und „durchsichtige Gründe, alle Ehrenamtlichen über einen Kamm zu scheren“. Auch Matthias Walter (CDU) widersprach Figuths Äußerungen: Die ehrenamtliche Kraft bekomme vom Geld der Stadt umgerechnet 3 Euro pro Stunde: „So zu tun, als würde der Verein Champagner trinken, ist völlig verfehlt.“ Gegenwehr gab es ebenfalls von Ursula Schulz-Debor (Grüne): „Ich sehe nicht die riesige Möglichkeit zum Sparen.“ Außerdem sei Ziel der Haushaltsbemühungen in den Ortsteilen, das ehrenamtliche Engagement zu stärken.

Bei der Abstimmung reichten die vier Stimmen der SPD dann nicht: Vier CDU-Abgeordnete und beide Grünen-Vertreter stimmten dagegen; Christdemokrat Christoph Rohr enthielt sich.

Figuth hatte zuvor gefordert, dass sich Ortsbürgermeister Hartmut Rieck (CDU) nicht an der Abstimmung beteiligen solle: Er sei „Leser und Nutznießer“, weil er sich an Veranstaltungen des Fördervereins in der Bibliothek beteiligt.

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