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40 Jahre klärte Ralf Burmeister Mordfälle auf

ELDAGSEN. Er hat jede erdenkliche Form gesehen, wie ein Mensch ums Leben kommen kann: Der Eldagser Ralf Burmeister geht am Donnerstag in Pension. Seit 2004 hat er bei der Polizeidirektion Hannover Tötungsdelikte aufgeklärt. Ein spektakulärer Fall bleibt aber noch ungeklärt – der Mordfall Annette Peus.

„Cold Cases“ , also ungeklärte Morde, haben Ralf Burmeister besonders gereizt. Jetzt geht er in den Ruhestand – und will dann in seiner Freizeit trotzdem noch Krimis lesen, aber auch reisen. Sein Ziel: Shanghai. FOTO: HELMBRECHT
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Saskia Helmbrecht Redakteurin zur Autorenseite

Am 27. September 1996 wurde die damals 15-Jährige tot in einem Maisfeld bei Mardorf entdeckt. Sie wurde vergewaltigt und erdrosselt. Der Täter ist bis heute auf freiem Fuß. „Das war damals ein Wahnsinnsaufwand, wir haben über 6000 Spuren verfolgt und mehr als 4000 DNA-Untersuchungen veranlasst und hunderte Bände durchgearbeitet“, erinnert sich Burmeister, der noch alle Daten und Uhrzeiten genau benennen kann. Immer wieder gab es neue Hinweise zu dem Fall, auch, als in der Sendung „Fahndung Deutschland“ der Mord vor Kurzem wieder aufgerollt wurde. „Das war auch der erste Fall, als wir mit Profilern eine Fallanalyse erstellt haben. Heute ist eine operative Fallanalyse längst gang und gäbe“, berichtet der 61-Jährige. Nun müssen aber andere Kollegen weiter ermitteln.

Berufswunsch Kriminalpolizist

Seit 2004 arbeitete Burmeister in der Polizeidirektion Hannover, zuvor war er zehn Jahre lang in Garbsen. 1974 hat er seine vierjährige Ausbildung begonnen, 1978 kam er direkt nach Springe ins Kriminalkommissariat, wo er bis 1994 tätig war. „Der Reiz bestand damals für mich darin, direkt bei der Kripo anfangen zu können.“ Bereut habe er diese Entscheidung nie – auch wenn er täglich mit menschlichen Abgründen und Schicksalsschlägen konfrontiert wurde. „Ich habe jede Form des Todes gesehen.“ Sein Antrieb: Den Fall für die Angehörigen aufzuklären. Und um das zu können, hat Burmeister jeden einzelnen Tatort besucht. „Ich musste zwanghaft vor Ort sein und mir immer selbst ein Bild machen, das ich während der gesamten Ermittlung im Kopf hatte.“ Im Umfeld des Opfers hat er dann recherchiert und Daten ausgewertet – elektronische Medien auszulesen sei heute Standard. „Die Masse der Daten macht die Recherche natürlich auch zeitintensiv.“

Die Frau im Fass

Wenn die Verdächtigen dann bei seiner Vernehmung Täterwissen offenbaren, sei das die Krönung einer Ermittlung. „Die Königsdisziplin ist aber natürlich ein nachvollziehbares Geständnis.“

Spektakulär sei auch der Fall der „Fass-Leiche“ gewesen. 1992 hatte ein Mann seine Frau erwürgt. Das Grausame: Die Leiche schweißte er in ein Metallfass und bewahrte die Frau jahrelang in einer Garage auf, nahm die Leiche sogar nach Umzügen mit in die neue Stadt. Tagelang wurde der Mann verhört – bis er gestand, erinnert sich Burmeister. „Man freut sich über den kriminalistischen Erfolg.“ Die Tat wurde als Totschlag eingestuft – und der verjährt nach 20 Jahren. „Ich habe aber nie meine Motivation aus der Höhe der Verurteilung gezogen, das ist Sache der Justiz und soll es auch bleiben.“

Bilder im Kopf

Immer mal wieder gab es Tage, an denen er die Fälle gedanklich mit nach Hause genommen hat. „Manchmal hat man einfach Assoziationen, etwa, als jemand zwei Kinder erschossen hat, die genauso alt waren, wie meine.“ In seiner Frau habe er aber eine gute Zuhörerin gehabt, um auch außerhalb der Dienststelle über seine Erlebnisse zu reden. „Auch wenn man sich Gedanken macht, konnte ich mich auch immer gut davon trennen und nach der Begutachtung einer Leiche auch ein Bier trinken.“ Seine erste Leiche werde er aber nicht vergessen – ein Mensch, der sich vor einen Zug warf. „Man wurde da gleich ins Feuer geschickt und ich habe mich fürchterlich übergeben müssen, da habe ich mir geschworen, dass mir das nie wieder passiert.“

Rund um die Uhr zu ermitteln, Urlaube zu streichen, immer erreichbar zu sein oder sich gemeinsam die Nächte um die Ohren zu schlagen, schweiße die Kollegen eng zusammen. „Wir werden da auf jeden Fall in Kontakt bleiben.“

Am Freitag will der 61-Jährige seinen Ruhestand mit Kollegen in einer Gaststätte in Hannover feiern und mit alten Wegbegleitern in Erinnerungen schwelgen. Heute wird er bereits in seinem Kommissariat verabschiedet.

Jetzt freue er sich darauf, nicht mehr jeden Tag um 5 Uhr aufstehen zu müssen und weniger Stress im Alltag zu haben. „Keine Zwänge mehr zu haben, ist doch eine schöne Sache.“



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