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Hallenbad-Betriebsleiter Wolfgang Mausolf geht in der kommenden Woche in den Ruhestand

33 Jahre Erinnerungen in zwei Aktenordnern

Springe (zett). Am Anfang war der große Ordner. Und am Ende ist er immer noch, es gibt jetzt sogar zwei davon. Zwischen den vier Aktendeckeln hat Wolfgang Mausolf seine Erinnerungen gesammelt – Zeitungsartikel, Texte und Fotos aus 33 Jahren Hallenbad Springe. Am Montag beginnt für den Betriebsleiter, der die Einrichtung von ihrem ersten Tag an geführt hat, die letzte Arbeitswoche.

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„Zwei Mal pro Jahr gucke ich die Sachen bestimmt an – das ist immer interessant“, sagt er und wiegt die schweren Ordner in der Hand. Welche Erinnerungen bleiben nach 33 Jahren am Beckenrand und drum herum? Mausolf blättert. „Das größte war der Chlorgasunfall.“ Im Februar 1989 wird er früh morgens in sein Bad gerufen – gefährliches Gas ist ausgetreten.

Mit Atembeschwerden ins Krankenhaus

Ergebnis: Schwimmbad geschlossen, Schulen evakuiert, alles war abgeriegelt – und zum Glück nur ein Verletzter. Mausolf selbst wurde ein bisschen zum Helden und musste mit Atembeschwerden ins Krankenhaus. Er hatte nur mit einer Gasmaske vor dem Gesicht versucht, die Flaschen zu schließen. „Ich war irgendwie noch verschlafen und habe nicht aufgepasst. Das war sicherlich ein Abenteuer“, sagt er heute und schmunzelt.

Worüber redet man mit einem, der Abschied nimmt? Die berühmte Frage nach dem lachenenden oder dem weinenden Auge? „Das höre ich oft. Und wenn ich ehrlich bin, ist es auch beides. Der Tag wird kommen und ich werde sehen, was passiert.“ Der Tag, das ist der Donnerstag. Am 30. April endet Mausolfs Dienstzeit. „Natürlich wird es anders werden – für mich und für das Bad.“

Seiner Nachfolgerin Uta Kruse wünscht er alles Gute – und zweifelt keine Sekunde daran, dass sie ihre Sache gut machen wird: „Eins ist klar: Jeder Mensch ist zu ersetzen“, sagt er. Und: „Sie wird vieles anders machen, aber da bin ich nicht böse drüber. Eine Ära beginnt – und eine andere Ära geht zu Ende.“

Und eine Ära war es zweifellos. Mausolf hat hier viel geschaffen in den vergangenen drei Jahrzehnten und denkt gerne zurück an die Discos oder an die „Nacht der Bäder“: „Ich habe versucht, aus vielen anderen Hallenbädern das Positive zu nehmen und es zu verwirklichen“, sagt er. „Zufrieden und stolz“ ist er heute, denn „ich hatte immer die Möglichkeit, das Bad technisch und vom Aussehen her auf den neuesten Stand zu bringen.“ Natürlich war das nicht immer leicht: „Manchmal habe ich mehrere Anläufe gebraucht und es hat Widerstand gegeben.“

Viel hat er geschafft – aber ein Traum, der bleibt: „Das wäre ein Schwimmbecken, das draußen liegt, wo man zum Beispiel aus dem Gebäude rausschwimmen kann. Aber das ist natürlich eine Geldfrage und zurzeit nicht machbar.“ Mausolf ist eben Realist – selbst bei seinen Träumen.

Und die muss der 63-Jährige früh verteidigen. Geboren in Herne, mitten im Ruhrpott, macht er nach der Schule eine Ausbildung zum Orthopädie-Schuhmacher. Doch dass die Schuhe ihn nicht so locken wie die Badeschlappen, das merkt er schnell: „Ich bin kein Mensch, der acht Stunden auf einem Schemel sitzt.“ Stattdessen ist er sofort Feuer und Flamme, als ihn im Hallenbad-Verein jemand fragt, ob er nicht Bademeister werden will: „Ich habe das gegen den Willen meines Vaters gemacht und dann bei der Stadt angefangen.“ Wasser war schon immer Mausolfs Element, er war Leistungsschwimmer: „Und ich war gar nicht schlecht.“

Vom Fernfahrer zum Schwimmmeister

Dann kommt die Bundeswehrzeit, und Mausolf zieht es Ende der 60er-Jahre nach Hannover. Nach 18 Monaten endet der Grundwehrdienst und Mausolf überlegt, wie es weitergeht. In Langenhagen arbeitet er zunächst als Fernfahrer, bevor es ihn dann doch wieder ans Wasser zieht, wieder ins örtliche Hallenbad – und nach fünf Jahren wieder weiter: „Da bin ich einmal in Springe vorbeigefahren und habe gesehen, dass sie das Hallenbad bauen. Da habe ich mich dann direkt als Schwimmmeister beworben.“

Mit Erfolg: Am 1. April 1976 beginnt Mausolfs Karriere an der Harmsmühlenstraße. Und in seinen großen Ordner wandern die ersten Zeitungsartikel.



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