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20-Jährige überweist mit gefälschter Unterschrift 1200 Euro

SPRINGE. Die Liste ihrer Vergehen ist lang: Eine 20-jährige aus einem Springer Ortsteil musste sich jetzt vor dem Jugendrichter am Amtsgericht wegen Betrugs, Diebstahls und Schwarzfahrens verantworten. Dabei schreckte die junge Frau auch nicht davor zurück, die eigenen Eltern zu bestehlen.

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Autor:

Anne Brinkmann-Thies

Im Januar hatte die junge Frau vom Konto der Eltern per Überweisung einmal 800 und einmal 400 Euro auf ihr eigenes Konto transferiert – und dafür die Unterschrift ihrer Mutter gefälscht. Als den Eltern der Verlust auffiel, ließen sie ihr Gemeinschaftskonto ebenso wie ein Geschäftskonto für händische Überweisungen sperren.

Drei weitere Versuche der 20-Jährigen, von den elterlichen Konten mittels gefälschter Unterschriften abzuheben, schlugen deshalb fehl. „Ich habe die Handschrift meiner Tochter sofort erkannt“, berichtete die Mutter in ihrer Zeugenaussage vor Gericht. Und der Vater erklärte: „Es ist uns sehr schwergefallen, Anzeige gegen unsere Tochter zu erstatten. Aber aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre mussten wir diesen Schritt gehen.“

Denn schon in der Vergangenheit hat die 20-Jährige, die teilweise auf der Straße oder auch bei Freunden gelebt hat und immer wieder von zu Hause weggelaufen ist, diverse einschlägige Straftaten begangen.

In der vergangenen Silvesternacht hat die junge Frau dann offenbar eine Freundin bestohlen. Ihr wurde vorgeworfen, mit der EC-Karte der 21-Jährigen einmal 600 Euro sowie ein zweites Mal 250 Euro von deren Konto abgehoben zu haben. Das bestritt die Angeklagte allerdings. Doch der Videobeweis von den Überwachungskameras am EC-Automaten ließen nach Ansicht des Gerichts keinerlei Zweifel, dass es die Angeklagte war, die dort Anfang Januar Geld abhob. Die PIN-Nummer für die EC-Karte hatte die Freundin in ihrer Geldbörse mit aufbewahrt. „Das war natürlich dumm“, räumte sie vor Gericht ein. Von dem Geld habe sie bisher keinen Cent wiedergesehen, erklärte sie.

Dass sie im Sommer vergangenen Jahres auch noch zweimal mit der S-Bahn-Linie 5 schwarz gefahren sein soll, räumte die Angeklagte unumwunden ein. „Ich hatte kein Geld und bin trotzdem gefahren“, sagte sie und erklärte: „Das ist dumm gelaufen.“ Den Diebstahl eines Handys im Wert von 300 Euro aus einer Wohnung in Barsinghausen bestritt die 20-Jährige allerdings vehement. Die Eigentümerin habe immer viele Leute in die Wohnung gelassen. Sie selbst sei zum Zeitpunkt des Diebstahls gar nicht vor Ort gewesen.

Zeugen hatten jedoch bei der Polizei berichtet, dass die Angeklagte das Handy zu Geld gemacht haben soll. Vor Gericht war jedoch trotz ordnungsgemäßer Ladung keiner der Zeugen erschienen. Gegen sie wird nun ein Ordnungsgeld von jeweils 150 Euro verhängt. Mit Blick auf die anderen Tatvorwürfe stellte das Gericht dieses Verfahren nun allerdings ein.

Verurteilt wurde die Frau indes für die anderen Vergehen – und zwar nach Jugendrecht: Sie muss eine Woche in den Dauer-Arrest und 80 Stunden gemeinnützige Arbeit absolvieren. Zudem hat sie die Auflage, an einem sozialen Trainingskurs teilzunehmen. Dort, so die Hoffnung der Jugendgerichtshilfe, könne auch die schwierige Familiensituation der jungen Frau aufgearbeitet werden.

Weil sie während der Urteilsverkündung gemeinsam mit zwei Freundinnen im Zuschauerraum zu lachen begann, als der Staatsanwalt sie als „nicht erwachsen“ titulierte, gab dieser ihr noch einen dringenden Rat: Wäre sie nach Erwachsenen-Strafrecht verurteilt worden, hätte ihr eine Freiheitsstrafe gedroht. „Sie sollten jetzt also wirklich aufhören – sonst bin ich davon überzeugt, dass sie im Gefängnis landen.“



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