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200 Kinder ohne Betreuungsplatz

SPRINGE. 200 Kinder im Stadtgebiet haben voraussichtlich zum Start des Betreuungsjahres keinen Platz in einer Einrichtung: Zu dieser Einschätzung kommt Hanna Kahle, Rathaus-Chefin für Bildung und Soziales.

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Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

Im Sozialausschuss sorgte ihre Nachricht nicht unbedingt für Begeisterung bei den anwesenden Eltern. Die saßen ja ohnehin da, um sich über die Probleme bei der Kinderbetreuung zu beschweren. Laut Kahle könne sich die Situation zwar noch geringfügig ändern. Sie betont aber auf Nachfrage dieser Zeitung, dass bis auf Weiteres davon ausgegangen werden muss, dass Springe in diesem Jahr ein ernsthaftes Betreuungs-Defizit hat.

Vor der Aussschuss-Sitzung hatten Mitglieder der Gruppe „Kinder leben in Völksen“ einen Fragenkatalog zur Betreuungssituation abgegeben. Kahle hatte die Fragen ausführlichst abgearbeitet, Ausschuss-Chef Bastian Reinhardt räumte den Nachfragen und Antworten viel Raum ein.

Das änderte nichts daran, dass alle Bemühungen der Stadt, die Situation zu entschärfen, bisher gescheitert sind. Und auch die sich abzeichnende Erweiterung der DRK-Kita Bison um zwei Gruppen wird an der Situation nicht grundsätzlich etwas ändern. Bürgermeister Christian Springfeld (FDP) räumte die Probleme ein, bedauerte die Situation, versicherte aber, dass die Stadt alles in ihrer Macht stehende getan habe und tue: „Wir sind seit zweieinhalb Jahren im Gespräch mit Grundstückseigentümern – aber wenn sie kurz vor Abschluss platzen, ist plötzlich viel Zeit verloren.“

Ausschuss-Chef Bastian Reinhardt nutzte diese Gelegenheit, um einen Aufruf zu starten: „Jeder, der ein Grundstück besitzt, das als Kita genutzt werden kann, sollte sich bei der Verwaltung melden.“

Auch wenn bereits ein potenzielles Gebäude oder Grundstück gefunden ist, kann es noch zu Schwierigkeiten kommen. Gerade erst ist nämlich eine kurz vorm Abschluss stehende Erweiterung der Kita in Altenhagen I gescheitert. Laut Kahle hat der neue Kirchenvorstand der St.-Vincenz-Gemeinde die Zustimmung zur Erweiterung der Kita St. Vincenz zurückgezogen – ohne Begründung – obwohl die Amtsvorgänger Zustimmung signalisiert gehabt hätten. Ausschuss-Chef Bastian Reinhard (SPD) forderte, dass erneut das Gespräch mit dem Kirchenvorstand gesucht werden soll und dass zumindest eine Begründung für die Absage eingefordert wird. Ähnliche Erweiterungs-Probleme gibt es in fast allen Ortsteilen: Raumnot, Grundstücksmangel, zuweilen fehlt es den Trägern aber auch an qualifiziertem Betreuungspersonal. Etliche Baustellen für Kahle.

Kritik kam von Eltern auch an den Kriterien zur Vergabe der Kita-Plätze auf: Ein Vater kritisierte, dass die nicht konsequent eingehalten und Eltern ungleich behandelt würden. Dem widersprach Kahle: „Ich habe keinen Anlass, an der Einhaltung zu zweifeln.“ Springfeld versicherte, dass die Kriterien geprüft werden – eine Arbeitsgemeinschaft, in der Kita-Leiterinnen vertreten sind, soll für mehr Transparenz sorgen. Noch eine Baustelle für Kahle.

Die SPD nahm das zum Anlass, vorzuschlagen, dass Kahle externe Hilfe bei der Kita-Planung erhält. Kahle winkte ab: „Mit einem Externen wird es vielleicht schwieriger“, sie vertraue lieber auf sich und ihre Mitarbeiter. Dem schlossen sich Klaus Nagel (FDP) und der Bürgermeister an: Wenn Projekte nicht realisiert werden könnten, handle es sich um rechtliche oder sachliche Gründe, an denen ein Externer auch gescheitert wäre.

Im Jahr 2017 übrigens war die Verwaltung vor dem Start des Betreuungsjahres zu der Einschätzung gelangt, dass 100 Kinder unversorgt waren. Kahle: „Im Laufe des Jahres hatten dann alle Kinder einen Platz gefunden.“

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