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1,1 Promille: Vor oder nach der Autofahrt gezecht?

SPRINGE. Eine Geburtstagsparty im letzten August hat für einen 20-jährigen Springer einen bitteren Nachgeschmack: Weil er sich während der Feier offenbar unter Alkoholeinfluss hinter das Steuer seines Wagens setzte, musste sich der junge Mann nun vor dem Jugendgericht am Springer Amtsgericht verantworten.

Im Amtsgericht musste sich ein 24-Jähriger verantworten: Er war ohne Führerschein beim Tuning-Treffen in Springe unterwegs. Foto: NDZ-Archiv

Autor:

Anne Brinkmann-Thies

Ein Urteil steht noch aus, die Verhandlung wird fortgesetzt. Er habe lediglich zwei Flaschen Bier getrunken und an einem Trinkspiel namens „Bierpong“ teilgenommen, als er kurz vor Mitternacht einen Freund von einer nahe gelegenen Sportstätte abholte, berichtete der junge Mann vor Gericht. Offenbar schätzte ein 22-jähriger Freund den Alkoholpegel des Angeklagten aber anders ein. „Ich hatte den Eindruck, dass er angetrunken war“, sagte er in seiner Zeugenaussage vor Gericht. Wohl auch deshalb hielt er bereits dessen Autoschlüssel in Verwahrung. Und gab den erst heraus, als der 20-Jährige behauptete, sich lediglich etwas aus dem Wagen holen zu wollen. Als der 22-Jährige sah, dass sein Freund losfuhr, spurtete er ihm vergeblich hinterher. Daraufhin alarmierte der 22-Jährige die Polizei. Die Beamten trafen auf der Party ein, als der 20-Jährige bereits wieder vor Ort war. Ein Blutalkoholwert des jungen Mannes ergab später 1,16 Promille. „Ich habe erst nach meiner Rückkehr Cola-Wodka-Mischungen getrunken“, sagte der junge Mann. Doch genau diese Aussage blieb während der Verhandlung strittig. „Die Motorhaube war noch warm“, sagte ein Beamter in seiner Zeugenaussage. Die Polizisten zogen den Führerschein des jungen Mannes ein. Ob der 20-Jährige also tatsächlich innerhalb von zehn oder zwanzig Minuten so viel getrunken habe, könne er sich kaum vorstellen, sagte der Staatsanwalt. Auf Wunsch der Verteidigung soll nun möglicherweise ein Sachverständiger Klarheit in die zeitliche Abfolge bringen.

Der 20-Jährige habe nach Einschätzung des Staatsanwalts zudem versucht, Einfluss auf einen Zeugen zu nehmen. Denn der bat den Kumpel, den er von einer Sporthalle abholte, per Chat, ihn als Fahrer nicht zu verpfeifen.

Noch eine weitere Tat wird dem Mann zur Last gelegt. Im April rammte er auf dem Parkplatz vor dem Springer Bahnhof beim Rangieren einen Fiat, der dadurch noch gegen ein weiteres Fahrzeug geschoben wurde. Weil er dringend zu einem Berufsschul-Termin musste, schrieb er einen Zettel mit seinen Kontaktdaten und schob ihn unter den Scheibenwischer des Fiats. „Ich wollte mich später bei der Polizei melden, ich musste dringend zum Zug“, erklärte er vor Gericht. Dass ein zweites Fahrzeug betroffen war, habe er nicht registriert. Der Sachschaden von rund 2200 Euro sei inzwischen von der Versicherung reguliert worden, berichtete der junge Mann.

Sowohl für die vorgeworfene Trunkenheit als auch für das unerlaubte Entfernen vom Unfallort war gegen den 20-Jährigen ein Strafbefehl ergangen, gegen den er Einspruch eingelegt hatte.

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